Dat is Rheinisch Do mach‘n se in Kölle kei Finster för op!

Rheinland · Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal: Kölle!

Da machen sie in Köln kein Fenster für auf!

Da machen sie in Köln kein Fenster für auf!

Foto: GA-Grafik

Im rheinischen Dialekt trifft man immer wieder auf Redensarten, die nahelegen, dass Köln quasi die unangefochtene Hauptstadt unseres Landstrichs ist. Nicht umsonst wird sie als das Zentrum der „ripuarischen Mundart“ des gesamten Umlandes bis in die Eifel angesehen.

Die Sprache, die Bewohner der umliegenden ländlichen Region schlicht „Platt“ nennen, wird in der Domstadt als „Kölsch“ bezeichnet. Und es nachvollziehbar, dass Kölner mit einem gewissen Stolz von sich sagen, sie seien „ne Kölsche Jung“ oder „e Kölsch Mädsche“.

Der Rheinländer ist gut, der Kölner ist besser

Wer Rheinländer ist, ist schon gut, wer aber aus Köln kommt, ist besser. Denn in der Millionenmetropole ist zwar alles zu haben, aber nur für den, der sich durchsetzen kann. Wer hier Erfolg haben will, der muss schon etwas Besonderes anzubieten haben.

In diesem Sinne ist die Redewendung zu verstehen: „Do mach´n se in Kölle kei Finster för op!“ Die hochdeutsche Version des Satzes lautet: Dafür machen sie in Köln kein Fenster auf.

Redensarten haben eine lange Tradition

Nun muss man wissen, dass viele Redensarten einige Jährchen auf dem Buckel haben. Diese hier erinnert an die Zeit, als fliegende Händler an die Türen oder Fenster kamen, um weniger qualitativ hochwertige Waren an die Menschen zu bringen. Werkzeug und Bekleidung, Schmuck und Kosmetik.

Aber Achtung: Was auf dem Land vielleicht noch so gerade verkäuflich ist, lockt in Köln niemanden ans Fenster. Geschweige denn, dass man das Fenster öffnet oder für das Produkt zu zahlen bereit wäre. Wer also in Köln seine Waren verkaufen möchte, der muss schon echte Qualität bieten. Denn der Kölner Stadtbewohner ist durchaus wählerisch.

Fliegende Händler machten Hausbesuche

In früheren Zeiten war es nicht selten, dass geschäftstüchtige Leute Hausbesuche machten. Angefangen vom Eismann, der mit seiner kleinen Isetta durch die Straßen fuhr und aus dem mikrokleinen Kofferraum die Basissorten Erdbeer, Schokolade und Vanille kredenzte, über den Lumpensammler, der Altmetall an sich nahm, bis hin zur „Miss Awong“, der Avon-Beraterin, die Unterstützung bei der Schönheit gab. Kosmetik vom Feinsten war da zu haben.

Das alles ist irgendwann ausgestorben. Inzwischen geht es wieder los, allerdings sind es jetzt eher die Lieferwagen von Amazon und Co., die ihre Waren bis an die Haustür bringen. Und wenn die Qualität zu wünschen übrig lässt, dann geht die Sendung retour.

Weitere Kolumnen sind in dem Buch “Rheinisch für Fortgeschrittene” erschienen, Edition Lempertz. Hören Sie auch unseren Podcast “So geht Rheinisch” auf allen Podcastplattformen. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns an: rheinisch@ga.de

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