Dat is Rheinisch Besse met de wärm Hänk jejovve wie met de kahle!

Rheinland · Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal: Wärm Hänk!

 Besser mit warmer Hand gegeben, als mir kalter.

Besser mit warmer Hand gegeben, als mir kalter.

Foto: GA-Grafik

Im Rheinland spricht man die Dinge offen an. Mögen Sie noch so sehr tabuisiert sein. Denn am Ende zählt nur, was ist. Man orientiert sich konsequent an der Realität. Apropos „am Ende“, darauf zielt auch eine rheinische Redensart, die lautet: „Besse met de wärm Hänk jejovve wie met de kahle!“ Wer den Satz auf Anhieb versteht, mag ein bisschen stutzen, wegen seiner Unverblümtheit und Prosaik. Andere mögen in dem Satz eine gewisse Form der morbiden Poesie erkennen.

Wir starten mit der Dienstleistung für die Zugezogenen und übersetzen ins Hochdeutsche: Besser mit warmer Hand gegeben, als mit kalter! Das ist eine Erkenntnis, die junge Menschen vielleicht noch nicht haben können, weil sie sich darüber noch keine Gedanken gemacht haben. Älteren Menschen, die vielleicht schon ihre verbleibende Lebensspanne überblicken zu können  glauben, ist der Gedanke wahrscheinlich vertraut.

Tot oder lebendig?

Es dreht sich um die Frage ob man seine Nachkommen noch zu Lebzeiten an seinem Vermögen teilhaben lässt oder erst, wenn die Trauerkärtchen geschrieben sind. Das ist eine schwierige Frage, denn einerseits könnte man die Dankbarkeit seiner Lieben noch selbst genießen, wenn man sich beizeiten großzügig zeigt. Andererseits kann man ja nie wissen, ob man sein Guthaben vielleicht doch noch gebrauchen kann.

Ist man erst einmal gestorben, ist dagegen alles egal – behaupten wir jetzt mal. Da nützt der schönste Geiz nichts mehr. Denn, wie sagt der Rheinländer so schön: Do kanns nix mitnemme! Oder: Dat Dudehemp, dat hät keen Täsch! Alles sehr wichtige Erfahrungswerte. Das vielleicht wichtigste Argument ist allerdings, dass es steuerlich in jedem Fall anzuraten ist, eher früher zu geben. Natürlich sollte man darauf achten, dass man mit seiner Freigiebigkeit nicht die Habgier von charakterschwachen Verwandten auf den Plan ruft. Denn dann könnte im schlimmsten Falle sogar die eigene Lebensplanung ins Wanken geraten.

Lehrbuch der Steuerberater

Aber mal abgesehen davon, hat es hier ausnahmsweise eine rheinische Redensart inhaltlich in das Lehrbuch für Steuerberater geschafft. Und das ist doch schon ein bemerkenswerter Erfolg!

Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns: rheinisch@ga.de

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