Dat is Rheinisch Es jet mit d’r Omma?

Rheinland · Der General-Anzeiger stellt jede Woche eine rheinische Redensart vor, erläutert Übersetzung, Bedeutung und Verwendung. Diesmal: de Omma.

 Oma

Oma

Foto: ga

Der Rheinländer kümmert sich gerne um die inneren Werte. Um seine eigenen und die der anderen. Ist jemand etwa geizig oder unkollegial, dann ahndet er das wenigstens mit einem geringschätzigen Spruch.

Aus diesem Befund darf man allerdings nicht schließen, dass ihm Äußerlichkeiten weniger bedeuten. Ein Beispiel ist die Fragestellung: „Es jet mit d’r Omma?” Die trifft den Angesprochenen in der Regel aus heiterem Himmel. Er blickt den Fragesteller dann verständnislos an.

Der Rheinländer als Diplomat

Das hat damit zu tun, dass der Rheinländer an sich ein Diplomat ist und selten geradeheraus spricht. Man muss sich schon sehr im rheinischen Lebensgefühl auskennen, um zu verstehen, was er in unserem Falle meinen könnte.

Die ganz direkte hochdeutsche Übersetzung lautet: Ist was mit der Oma? Allerdings im Sinne von: Ist Deine Oma gestorben? Aber das meint er nicht wirklich. Vielmehr möchte er darauf hinweisen, dass der Befragte überaus schick und dunkel angezogen ist, ganz so wie man sich anziehen würde, wenn man auf eine Beerdigung ginge. Gedeckte Farben der Trauer eben.

Die Nerven verloren

Es passiert ja schon mal, dass man sich im Alltag unbedacht anzieht und im Endergebnis eine unglückliche Kombination wählt. Und darauf weist der Rheinländer auf seine unnachahmlich zurückhaltende Art hin. Er will damit schlicht in Neudeutsch sagen: Du bist ja reichlich overdressed. Oder, wie eine Kollegin mal über einen anderen Kollegen gesagt hat: Der hat beim Griff in den Kleiderschrank die Nerven verloren! Wäre auch eine schöne rheinische Redensart.

Dass es sich beim Satz von der Oma um eine Formulierung handelt, die schon lange nicht mehr modern ist, erkennt man daran, dass es heute ja eigentlich keine Oma mehr gibt. Höchstens funktional als Betreuungsersatz für vielbeschäftigte Eltern, wenn die Kita dicht ist.

Omas gibt es nicht mehr

Aber welche ältere Dame ließe sich heutzutage noch als Oma titulieren, wie wir sie aus den alten Märchen kennen: Graue Haare mit Dutt, strickend im Lehnstuhl sitzen. Heute sind Nordic Walking und Wassergymnastik angesagt zwecks Verleihung des ewigen Lebens. Oder eher so: Achtzig ist das neue Fünfzig.

Weitere Kolumnen sind in dem Buch „Rheinisch für Fortgeschrittene” erschienen, Edition Lempertz. Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch!” auf allen Podcastforen. Mit dabei: Konrad Beikircher, Gerd Köster und Annegret vom Wochenmarkt. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns an: rheinisch@ga.de

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