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Schlosspark Brühl: Große Probleme durch Klimawandel - Teile wieder freigegeben

Folgen des Klimawandels : Grünanlage im Brühler Schlosspark ist massiv geschädigt

Seit Freitag ist ein Teil der zuvor gesperrten Parkanlage der Brühler Schlösser wieder offen. Große Probleme gibt es aber weiterhin. Das hat mit dem Klimawandel zu tun.

Die Gitter sind geöffnet. Zumindest einige von ihnen. Am Freitag hat die Verwaltung der Brühler Schlösser einige Teile des zuvor gesperrten Schlossparks wieder freigegeben. Besucher können wieder durch die als Bosketten bezeichneten Bereiche in der Nähe von Schloss Augustusburg spazieren und über die Allee hin zum Jagdschloss Falkenlust flanieren. Das ist die gute Nachricht. Es gibt aber auch eine schlechte Nachricht – eine richtig schlechte. Denn der Grund, weshalb der Park vor einigen Wochen gesperrt wurde, besteht weiterhin.

Die Grünanlage im Brühler Schlosspark ist massiv geschädigt. Trockenheit und damit verbundener Schädlingsbefall rücken den Bäumen zu Leibe und bereiten Ufuk May große Sorgen. Am Freitag hatte der gärtnerische Leiter der Unesco-Welterbestätte zum Rundgang durch die Parkanlage eingeladen. In den Stunden zuvor hatte es geregnet, der Boden war nass und matschig, die Pflanzen hatten Wasser bekommen.

Schlosspark Brühl: Viel zu wenig Regen

Doch May winkte ab. „Das bisschen Regen bringt nichts.“ 2018, 2019 und auch 2020 sei es viel zu trocken gewesen. Die Folge: Wegen des Wassermangels können die Bäume keine Reservestoffe im Splintholz sammeln. Das schwächt sie und macht sie anfällig für Schädlinge und Pilze wie zum Beispiel die Rindennekrose.

Wie May erläuterte, handelt es sich dabei um einen Pilz, der vor allem die Oberseite von Ästen befällt und absterben lässt. Von unten sähen die Äste gut aus, könnten aber unvermittelt abfallen und Spaziergänger treffen. Klar, dass das für Besucher gefährlich ist. Deswegen zog die Schlossverwaltung die Reißleine und schloss die Parkanlagen.

Ufuk May (links) und Bernhard Arnold begutachten im Brüher Schlosspark einen von Rindennekrose befallenen Ast. Foto: Christoph Meurer

Im Anschluss begann die Arbeit. Alle Bäume in der Nähe der Wege wurden von einem Hubsteiger aus von oben unter die Lupe genommen. Hunderte von Pilzen befallene und abgestorbene Äste seien dann abgesägt worden, berichtete May. Sechs von 90 Bäumen entlang der Verbindung zwischen den Schlössern mussten gefällt werden.

Schlosspark Brühl: Wieder sicher spazieren

Durch diese Maßnahmen sollen die Bosketten und die Allee zwischen den Schlössern nun wieder sicher für Spaziergänger sein. Dort, wo Lücken entstanden sind, sollen laut May junge Bäumen gepflanzt werden. Er hofft, dass sich die jungen Gewächse an die neuen klimatischen Verhältnisse mit weniger Niederschlag gewöhnen.

Am Freitag mit dabei war auch Baumgutachter Bernhard Arnold. An der Abzweigung des Wegs von Augustusburg zu Falkenlust lenkte er den Blick auf einen kleinen Stapel abgeschnittener Äste. Arnold hob einen Ast vom Boden auf – quasi ein Stück Holz mit zwei Gesichtern: saftige, grüne Blätter an der Unterseite, abgestorbene Rinde und dunkel verfärbtes Holz an der Oberseite.

Sodann bat Arnold darum, die Köpfe in Richtung der Baumkronen zu heben. Die braune Farbe der Blätter sei nämlich keine Herbstverfärbung, sondern ein Zeichen massiver Trockenheit, erläuterte der Experte seinen Begleitern. May ergänzte, wie licht das Blätterdach sei. „Das sind keine normalen Baumkronen mehr“, befand er.

Foto: General-Anzeiger

Schlosspark Brühl: Retten, was zu retten ist

Nach und nach sollen weitere Gebiete der Parkanlage untersucht und bearbeitet werden, damit auch sie wieder freigegeben werden können. Grundsätzlich geht es May zufolge darum, den Wald zu stabilisieren. „Wir wollen halten, was zu halten ist“, ergänzte Arnold. Zugleich betonten beide, dass es weitere geschädigte und tote Bäume geben wird. „Wir müssen in den nächsten Jahren mit massiven Ausfällen rechnen“, prog­nostizierte May. Das Bild des Parks werde sich verändern. 

Das erfordere auch Forschungsarbeit. Es gelte etwa zu schauen, wie welche Bäume auf die klimatischen Veränderungen reagieren. Man müsse sich den Auswirkungen des Klimawandels stellen, so May: „Jetzt – und nicht erst in 40 Jahren.“ Zugleich machte er deutlich, dass man in Brühl mit dem Problem nicht alleine dasteht.

Schlosspark Brühl: Die Herausforderung annehmen

Auch in anderen Schlossparkanlagen müssten sich die Verantwortlichen den neuen Gegebenheiten stellen. „Alle Wälder sind krank, aber die historischen Parkanlagen liegen auf der Intensivstation“, fasste May es bildlich zusammen.

Seit elf Jahren arbeitet er  für die Brühler Schlossverwaltung. Sicher habe es schon immer Probleme gegeben, berichtete er, aber nicht in diesem Ausmaß. Zugleich vermittelten Baumgutachter Arnold und Gartenleiter May den Eindruck, alles für das Naturdenkmal Schlosspark zu tun wollen. „Es ist eine große Herausforderung. Wir geben nicht auf“, versprach May.

Auf ihrer Internetseite https://www.schlossbruehl.de informiert die Schlossverwaltung über die jeweilige Lage der Parkanlage und die Möglichkeiten, sie zu besuchen.