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Shell-Raffinerie in Köln-Godorf: 450.000 Liter leichtes Gasöl im Erdreich

Leck bei Raffinerie in Godorf : Bis zu 450.000 Liter Öl von Shell gelangen in das Erdreich

Bereits Anfang April war es aufgefallen: Durch ein Leck gelangte sogenanntes leichtes Gasöl aus der Godorfer Shell-Raffinerie ins Erdreich. Erst jetzt wurde bekannt, wie groß der Schaden wirklich ist.

Bis zu 450.000 Liter Leichtes Gasöl könnten auf dem Werksgelände der Shell-Raffinerie in Köln-Godorf aus einer 60 Jahre alten Pipeline ausgelaufen und im Erdreich versickert sein. Das Unternehmen selbst bestätigte am Mittwoch 350.000 Liter. Die Faktoren für die Berechnung der ausgetretenen Menge ließen eine starke Schwankungsbreite zu, sagte Unternehmenssprecher Mauritz Faenger-Montag. „Schlimmstenfalls können es 390 Tonnen sein, es können aber genauso gut 210 Tonnen sein.“ Das entspricht rechnerisch etwa 245.000 bis 450.000 Litern.

Leichtes Gasöl ist ein bei der Verarbeitung von Rohöl erzeugtes Zwischenprodukt, das für die Herstellung von Diesel oder leichtem Heizöl verwendet wird. Bereits 2012 hatte ein Störfall in der Wesselinger Shell Rheinland Raffinerie für große Umweltschäden gesorgt. Damals gelangten durch ein rund fünf Millimeter großes Leck in einer unter der Erde verlaufenden Kerosinleitung eine Million Liter des Treibstoffs in den Boden.

Den jetzigen Schaden entdeckten Shell-Mitarbeiter Anfang April in einer Grundwassermessstelle im Godorfer Werk. Wie lange das 1,5 Millimeter große Leck unentdeckt geblieben ist, ist unklar.

Shell nennt „unsachgemäßen Straßenbauarbeiten“ als Ursache für das kleine Loch in der Pipeline, die zuletzt im Jahr 2016 vom Tüv überprüft und für fünf Jahre freigegeben war. Die Bezirksregierung Köln ordnete am Mittwoch an, dass Shell zwei weitere sogenannte Sanierungsbrunnen bauen muss, um das Ölprodukt aus dem Grundwasser zu trennen. An zwei bestehenden Sanierungsbrunnen auf dem Raffineriegelände hat das Unternehmen bereits mit der Sammlung des Gasöls begonnen.

„Wir fördern aktuell circa 40 Kubikmeter Grundwasser pro Stunde an den beiden schon bestehenden Sanierungsbrunnen“, erklärte Mauritz Faenger-Montag auf Anfrage des General-Anzeigers. Somit seien seit dem Beginn der Sanierungsmaßnahmen im April rund 50 Millionen Liter Wasser bearbeitet worden, so Faenger-Montag. Die zwei Brunnen werden seit der Feststellung des Schadens betrieben, zwei weitere werden jetzt im Zuge des von der Bezirksregierung Köln verfügten Sanierungskonzepts errichtet.

Mit den Pumpen des Brunnens werde der Grundwasserspiegel innerhalb der verunreinigten Fläche an zwei Stellen abgesenkt. „Diese Sanierungsbrunnen erzeugen einen Absenktrichter, in dem sich das auf dem Grundwasser schwimmende Ölprodukt sammelt und separat abgepumpt und entsorgt werden kann“, erklärte Faenger-Montag.

Laut Shell soll bislang nur das Raffinerie-Gelände betroffen sein. Über elf bestehende und neu errichtete Grundwassermessstellen sowie weitere 20 Bodenbohrungen habe man das verunreinigte Gebiet eingrenzen können.

Kritik am erneuten Störfall in einer Shell-Raffinerie kam am Mittwoch vom Umweltverband BUND. Paul Kröfges, Wasserexperte des BUND-Landesverbands NRW, forderte im Gespräch mit dem General-Anzeiger das Unternehmen auf, die Sicherheitskontrollen an den Leitungen und insbesondere an den unterirdischen Pipelines zu intensivieren (siehe „Kurz gefragt“). Kröfges kritisierte neben Shell auch den Tüv Rheinland. Der hatte die jetzt leckgeschlagene Leitung zuletzt 2016 geprüft und für fünf Jahre freigegeben. Die nächste Tüv-Kontrolle ist somit erst für 2021 vorgesehen. Kröfges findet, dass derart alte Leitungen jährlich überprüft werden müssten.