Dat is Rheinisch Sprich ens schön!

Rheinland · Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal: Sprich ens schön!

 Sprich bitte Hochdeutsch!

Sprich bitte Hochdeutsch!

Foto: GA-Grafik

Wir müssen hier und heute ein trauriges Kapitel in der Geschichte der rheinischen Mundart ansprechen. Es geht darum, dass „de Mottersproch“ vom Aussterben bedroht ist. Das ist seit langem zu beobachten.

Sprachforscher sind sich in wichtigen Punkten einig: 1. Die Sprache ist dauerndem Wandel unterworfen. 2. Örtliche Dialekte sind inzwischen dem überörtlichen Regiolekt gewichen. 3. Auf Dauer könnten Anglizismen präsenter in unserer Alltagssprache sein, als alte rheinische Begriffe! Vielfach ist das heute schon so.

Eine Anweisung an den Nachwuchs

Aber wie kam es dazu? Diese Frage lässt sich sehr schön an folgender rheinischen Redewendung aufzeigen, die lautet: „Sprich ens schön!“ Der Satz ist auch für Nichtrheinländer kein Buch mit sieben Siegeln. Es ist der Imperativ: Sprich mal schön! Und die Betonung liegt auf „schön“. Dabei handelt es sich um eine Anweisung der Eltern an ihren Nachwuchs.

Zum Einsatz kam der Satz regelmäßig bei der Landbevölkerung, wenn etwa eine Fahrt in die Stadt anstand. Oder wenn ein Familienbesuch bei der nichtrheinischen Erbtante geplant war. Dann hieß es kurzzeitig Abstand nehmen von der mundartlichen Alltagssprache und kommunizieren in Hochdeutsch. Jedenfalls soweit das unfallfrei möglich war.

Ab den 60er Jahren galt es als ungebildet

Denn wer nur das rheinische Platt beherrschte, galt ab einem bestimmten Zeitpunkt als primitiv und ungebildet. Der Umschwung vollzog sich in den 60er Jahren. Davor sprachen wenigstens auf den Dörfern die meisten Menschen ausschließlich Dialekt. Dort war es die Alltagssprache.

Danach sollten vor allem die Kinder ein gutes Hochdeutsch lernen, damit sie es „später einmal besser haben“ würden und einen guten Beruf ergreifen könnten. Sie sollten sich auf dem gesellschaftlichen Parkett gut behaupten können.

Heute sieht man die Situation anders

Dementsprechend müsste die Übersetzung von „sprich ens schön“ lauten: Sprich bitte gutes Hochdeutsch! Heute sieht man den damals eingeleiteten Feldzug gegen den Dialekt in einem anderen Licht. Man ist sich bewusst, dass die Mundart viel Schönes hat und sie erhaltenswert ist, weil sie sprachliche Nuance abbildet, die anderweitig unter die Räder kämen.

Deshalb ist es inzwischen gern gesehen, wenn man ihr eine Chance einräumt und sie bei passenden Gelegenheiten pflegt. Insofern könnte sich die Aufforderung inzwischen umgekehrt auf die ausdrücklich erwünschte Benutzung des Dialekts beziehen, wenn man sagt: Sprich ens schön!

Weitere Kolumnen sind in dem Buch “Rheinisch für Fortgeschrittene” erschienen, Edition Lempertz. Hören Sie auch unseren Podcast “So geht Rheinisch” auf allen Podcastplattformen. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns an: rheinisch@ga.de

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