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Das ist Rheinisch: Sting, Tring und Trück heeße all ärm Lück!

Das ist Rheinisch : Sting, Tring und Trück heeße all ärm Lück!

Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal: Sting, Tring und Trück.

Dass sich der Rheinländer gelegentlich mit der Frage beschäftigt, ob sein Gegenüber etwa eine gesellschaftlich höhere Position hat als er selbst, ist sicher nicht überraschend. Auch die Frage, ob der Nachbar vielleicht mehr Geld zur Verfügung hat als er, ist ganz sicher keine exklusiv rheinische Fragestellung.

Bemerkenswert ist allerdings, dass zahlreiche Formulierungen aus diesem Bedeutungsspektrum Eingang gefunden haben in den rheinischen Sprachschatz. Hat jemand Geld? Ist jemand spendabel? Oder im Gegenteil geizig? Möchte einer mehr gelten als er ist?

Du kannst nichts mitnehmen

Das sind nur einige der Fragen, die hier angesprochen sind. Beispiele: Do kanns nix metnemme. Freie Übersetzung: Wenn Du stirbst, kannst Du Deinen Reichtum nicht mitnehmen. Oder: der es ävver kniestich! Übersetzung: Der ist aber geizig. Und dann noch: Dä well met de jruße Honge pisse. Übersetzung: Der möchte mit den großen Hunden wetteifern.

Ein bisschen komplizierter ist es allerdings bei unserer heutigen rheinischen Redensart, die nur noch in eingeweihten Kreisen von Mundartsprechern verbreitet ist: „Sting, Tring und Trück heeße all ärm Lück!“ Das ist ein Satz wie in Stein gemeißelt, und er eröffnet einen Diskurs, der Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre schließlich dazu geführt hat, dass dem Dialekt ein schlechter Ruf angeheftet wurde, und man fortan nach Leibeskräften versuchte, den Kindern das rheinische Platt auszutreiben. Mit der Folge, dass die Mundart nach und nach nicht mehr die Alltagssprache blieb und damit dem schleichenden Aussterben übereignet wurde.

Satz wird in der Übersetzung falsch

Die hochdeutsche Übersetzung des Satzes lautet: Christine, Katharina und Gertrud heißen alle armen Leute! Wobei der Satz mit der Übersetzung falsch wird, denn es geht explizit nicht um die hochdeutsche Daseinsform der Namen, sondern um die Dialektform. Kernaussage ist: Wer sich dialektal als Sting, Tring und Trück ansprechen lässt, der kann nur Mundart sprechen und kein Hochdeutsch, und das deutet auf einen niedrigen Bildungsgrad und indirekt auch auf eine niedrige Finanzkraft hin.

Wir müssen hier ausdrücklich erwähnen, dass wir diese Meinung nicht vertreten und dass vor allem Menschen, die in der Lage sind, von Fall zu Fall zwischen Dialekt und Hochdeutsch zu wechseln, sicher von einer besonderen Sprachfähigkeit belebt sind. Insofern hat sich dieser Satz inzwischen objektiv als falsch erwiesen. Dafür kann man dankbar sein.

Weitere Kolumnen sind in dem Buch “Rheinisch für Fortgeschrittene” erschienen, Lempertz-Verlag. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns an: rheinisch@ga.de