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Prozess in Bonn: Supermarkt-Leiterin bietet Räuber Trolley zum Transport der Beute an

Prozess in Bonn : Supermarkt-Leiterin bietet Räuber Trolley zum Transport der Beute an

Vor dem Bonner Landgericht steht bald ein Mann aus Düsseldorf, weil er einen Supermarkt im Kreis Euskirchen überfallen haben soll. Dabei wäre er wahrscheinlich gar nicht identifiziert worden – hätte er nicht ein angebissenes Butterbrot vor der Tür des Marktes fallen lassen.

Der fremde Mann, der am frühen Morgen des 7. Oktober 2020 plötzlich in ihrem Büro stand, war „1,70 Meter groß, kräftig und von ungepflegtem Erscheinungsbild“, wie sich die Betriebsleiterin eines Supermarktes im Raum Euskirchen später erinnerte. Eine bedrohliche Situation für die Marktleiterin, denn der Fremde schloss hinter sich die Tür, zog ein Messer und verlangte Bargeld.

Die 29-Jährige zögerte nicht lange: In ihrem Büro befanden sich zwei Posttaschen mit Scheinen und Münzgeld, die sie ihm gab. Dann aber zögerte die Überfallene: Sie hatte Sorge, dass die Beute zu schwer für den Räuber sein könnte – und bot ihm als Tragehilfe einen schwarzen Trolley an. Mit der rollenden Transporthilfe verschwand der Mann, ohne zu zögern. Mit rund 4000 Euro Beute – und zu Fuß.

Die Bonner Staatsanwaltschaft hat einen 44-Jährigen aus Düsseldorf jetzt wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung angeklagt, wie Gerichtssprecherin Saskia Wielpütz auf Anfrage mitteilte. Nach dem  Ortsfremden war damals lange gefahndet worden, was sich als schwierig gestaltete. Denn auf der Videoüberwachung des Supermarkts war zwar der Tathergang zu sehen, wie der Mann – dunkle Jacke mit weißer Aufschrift – zielstrebig über den Haupteingang durch das Lager die Büroräume angesteuert hatte, aber wegen der Maskierung war der Täter nur schwer zu identifizieren.

Eine Brotstulle jedoch, die nach dem Überfall vor dem Supermarkt gefunden und vorsorglich beschlagnahmt worden war, soll den Ermittlern überraschend bei der Fahndung geholfen haben. Denn an einer Brotscheibe konnte eine DNA-Spur gesichert werden, die schließlich zu dem Angeklagten geführt hat. Immerhin soll der mutmaßliche Räuber bereits 33 Mal wegen Diebstahls, Drogendelikten, aber auch einschlägig wegen Raubes vorbestraft sein. Aber erst ein halbes Jahr später konnte der 44-Jährige festgenommen werden, seit April 2021 sitzt er in Untersuchungshaft. Der Prozess wird voraussichtlich Mitte September vor dem Bonner Landgericht starten.