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Unverständnis bei Tafeln: Tafeln im Linksrheinischen lehnen ein Ausländerstopp ab

Unverständnis bei Tafeln : Tafeln im Linksrheinischen lehnen ein Ausländerstopp ab

Nach der Entscheidung einer Essener Tafel, vorerst keine Ausländer mehr aufzunehmen, ist eine Diskussion um das Thema entbrannt. Die Tafeln in Rheinbach, Meckenheim und Swisttal lehnen einen Ausländerstopp ab.

Die Entscheidung der Essener Tafel, vorerst keine Ausländer mehr aufzunehmen, hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die neue Regelung ist überwiegend auf Empörung und Unverständnis gestoßen. Auch bei den Tafeln in Rheinbach, Meckenheim und Swisttal wird das Essener Vorgehen abgelehnt.

„Total abartig“ findet Jürgen Hein, Vorsitzender der Swisttaler Tafel, den Ausländerstopp der Essener Tafel. „Die Entscheidung der Tafel in Essen führt nur dazu, dass sich die Leute die Hände reiben, deren politische Färbung ohnehin gegen Ausländer gerichtet ist.“ Die generelle Ausgrenzung von Ausländern wie in Essen spiele nur den Populisten in die Hände, so Hein. Statt einen Ausländerstopp auszusprechen, wäre es besser gewesen, die Betreiber der Essener Tafel hätten eingegriffen, um etwaige Probleme zu lösen, glaubt Hein.

„Als Tafelbetreiber habe ich viele Möglichkeiten einzugreifen, anstatt ein Verbot auszusprechen, das eine bestimmte Gruppe von Menschen diskriminiert“, sagt Hein. „Wenn man sieht, dass etwas nicht in Ordnung ist, muss man sich die Unruhestifter oder Störenfriede vorknöpfen und zur Räson bringen.“ Im Notfall müsse man auch mal einen zeitlich begrenzten Platzverweis aussprechen.

Allerdings gebe es derartige Probleme in Swisttal nicht, so Hein. „Hier geht alles total friedlich zu“, selbst wenn es wegen des großen Andrangs bei der Lebensmittelausgabe mal zu Wartezeiten komme. Und Andrang gibt es oft bei der Swisttaler Tafel. Derzeit betreut der Verein, der ausschließlich mit Ehrenamtlichen arbeitet, rund 500 Menschen, die von Hartz IV, Sozialhilfe, Grundsicherung, Minirenten oder Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz leben. Die Tendenz sei weiter steigend, so Hein. Rund ein Drittel der Kundschaft seien Flüchtlinge.

Verärgert zeigte sich Hein auch über die Reaktion des Bundesverbands der deutschen Tafeln in Berlin. Der vertritt 937 lokale Tafeln mit mehr als 60 000 ehrenamtlichen Helfern und rund 2000 Ausgabestellen, die pro Woche bis zu 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgen.

Der Bundesverband hatte unter anderem die Essener Entscheidung zwar als unglücklich bezeichnet, aber darauf hingewiesen, dass letztlich jede Einrichtung selbst festlegen müsse, was zu tun sei. „Die wachsweiche Stellungnahme des Bundesverbands ärgert mich“, sagt Hein. „Das ist nicht im Interesse der Tafeln, wenn der Bundesverband keine Verantwortung übernimmt und klar Stellung bezieht.“ Bei der Swisttaler Tafel gilt laut Hein das Prinzip: „Wir bedienen jeden, der kommt, so lange er Anspruch auf Hilfe hat.“

Bei der Tafel für Rheinbach und Meckenheim gibt es seit mehr als zwei Jahren eine Art Verhaltenskodex für Kunden – und für Mitarbeiter. Darin heißt es unter anderem, dass die Mitarbeiter der Tafel sich „höflich und freundlich“ bei der Verteilung der Lebensmittel verhalten und „damit auch ihren Respekt vor der Würde der Bedürftigen“ bekunden sollen.

Im Gegenzug wird aber auch von den Kunden die gleiche Höflichkeit und Freundlichkeit erwartet. Wer sich nicht an diese Regeln hält, muss mit Konsequenzen rechnen. „Der Vorstand der Rheinbach-Meckenheimer Tafel hat deshalb beschlossen, dass ab sofort Bedürftige abgewiesen und von der Verteilung der Lebensmittel ausgeschlossen werden, die sich nicht höflich und freundlich verhalten“, so das Gebot, das seit Oktober 2015 gilt. Hintergrund war, dass es in den Monaten zuvor wiederholt zu Rangeleien und Auseinandersetzungen bei der Lebensmittelverteilung gekommen war und sogar mehrfach die Polizei gerufen werden musste.

Diese Vorfälle gehören aber der Vergangenheit an. Das bestätigt auch Christof Wolter, der seit zwei Jahren ehrenamtlich bei der Meckenheimer Tafel hilft. Am Anfang sei er über die straffe Organisation etwas erstaunt gewesen. „Aber ich habe schnell gelernt: Es geht nicht ohne feste Einteilung und klare Regeln. Es kommen Menschen aus vielen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen. Da muss es bestimmte Anweisungen geben, nach denen sich alle richten müssen“, sagt Wolter.

Die Verantwortlichen hätten die Tafel für Meckenheim und Rheinbach gut organisiert. So bekomme jeder Bedürftige eine Nummer, mit der müsse er sich dann an einem bestimmten Ausgabetag zu einer festgelegten Zeit zur Lebensmittelausgabe einfinden. Wolter: „Dadurch gibt es kein Gedränge und keine anderen Unstimmigkeiten, alles bleibt immer friedlich.“

Erleichtert werde das aber auch durch den „erfreulichen Umstand, dass wir in der tollen Lage sind, fast immer genug zu haben, um alle Bedürftigen versorgen zu können, egal aus welchem Land oder welchem Kulturkreis jemand kommt“, so Wolter. Einmal pro Woche erhalten die Bedürftigen leicht verderbliche Lebensmittel und einmal im Monat werden haltbare Waren wie Nudeln oder Konserven ausgegeben.

Wolter ist mit zwei Jahren Erfahrung als ehrenamtlicher Helfer sicher: „Es geht nur mit einer gewissen Disziplin, nur so kann man die Essensausgabe richtig planen. Und nur so kann man sicherstellen, dass jeder etwas bekommt, ganz gleich aus welchem Land jemand kommt.“