1. Region
  2. Köln & Rheinland

GA-Serie "Köln auf Schritt und Tritt": Tiefgarage am Rheinauhafen ist Heimat von Luxuskarossen

GA-Serie "Köln auf Schritt und Tritt" : Tiefgarage am Rheinauhafen ist Heimat von Luxuskarossen

Unter den luxuriösen Büro- und Wohnbauten des Rheinauhafens kommen Autonarren voll auf ihre Kosten. Hier erstreckt sich die längste Tiefgarage Europas, die auch ein Fahrzeug von Lukas Podolski beherbergt.

Sven Schellhorn kann es egal sein, ob die Sonne scheint oder ein Unwetter aufzieht. Sein Arbeitsplatz liegt unter meterdickem Beton. Der 22-Jährige ist Parkwächter in der längsten Tiefgarage Europas – über 1,6 Kilometer erstreckt sie sich unter dem gesamten Rheinauhafen in Köln. Seine Kontrollrunden dreht Schellhorn auf dem Golfcaddy, eine halbe Stunde ist er jedes Mal unterwegs. 1400 Stellplätze gilt es zu überwachen. Zusätzlich beobachten Hunderte Kameras die Garage.

Als die Stadt im August 2002 Pläne für eine Neugestaltung des heruntergekommenen Hafengebiets in die Tat umsetzte, wurde der gigantische Raum innerhalb von 15 Monaten ausgehoben – und eröffnete, bevor die oberirdischen Bauarbeiten beendet waren. Dort funktionierte man alte Kontore und Lagerhäuser zu Büros, Museen und Restaurants um und errichtete moderne Gebäude aus Stahl und Glas – darunter die drei unübersehbaren Kranhäuser.

Entlang der Hauptpromenade des Rheinauhafens weisen regelmäßig verteilte Glaskästen den Weg in den Untergrund. Als „perfekt für Autoliebhaber“ bezeichnet Schellhorn die Tiefgarage. An seinem ersten Tag hat er alle Porsches gezählt – 47 waren es. Sein Lieblingsauto, der neueste Mercedes SLK, ist ebenfalls vertreten. „Hier sieht man sich nie satt an Autos“, so Schellhorn. Die besonders wertvollen Karossen, darunter zwei McLaren mit einem Wert von je 1,2 Millionen Euro, stehen meist unzugänglich in den privaten Bereichen. Aber auch auf den öffentlichen Stellplätzen geht Autoliebhabern das Herz auf: Dort ein schwarzer Ferrari 812, daneben ein dunkelblauer Jaguar XJ, gegenüber ein quietschgelber Porsche Cayman.

Stahltüren schützen vor Hochwasser

Ein Aufzug entlässt seine Passagiere, unten angekommen, in eine kleine Lobby mit Parkettboden. Mehrere Zentimeter dicke Stahltüren können den Hauseingang bei Hochwasser von der Tiefgarage abschotten: Steigt der Rhein auf über elf Meter an, werden die Schutztore geschlossen. Der Parkplatz im prestigeträchtigen Quartier hat seinen Preis. Einmalig 10.000 Euro müssen die Anwohner bezahlen, hinzu kommen monatlich noch 120 Euro Stellgebühr. Alle anderen parken mit 27 Euro am Tag oder 170 Euro im Monat ebenfalls teurer als anderswo in Köln.

Kaltes Neonlicht spiegelt sich auf den Motorhauben der schier endlosen Autoreihen. Sie flankieren die zweispurige Straße. Es herrscht reger Betrieb. Ständig ertönt das markante Quietschen, das Autoreifen auf dem glatten Boden erzeugen. Röhrende Motoren hallen von den nackten Betonwänden und den niedrigen Decken wider. Das Tempolimit beträgt zehn Stundenkilometer. Ein blauer Peugeot zieht dennoch mit aufheulendem Motor an einem Lieferwagen vorbei. Und muss direkt wieder abbremsen, um nicht mit Vollgas über die vorsorglich platzierten Bodenwellen zu fliegen. Um Raser zu entmutigen, wurde sogar eigens ein Tempomessgerät installiert, das Fahrern ihre Geschwindigkeit anzeigt.

Auch Schaulustige lockt die Tiefgarage an. Steffen und Markus, zwei Mittdreißiger aus Köln, kommen gelegentlich her, um den Fuhrpark zu bestaunen. Markus‘ Favorit ist ein silberner Citroën DS Baujahr 1961, der sei „richtig schön oldschool“. Steffen hingegen ist Porsche-Fan und schwärmt ausschweifend für einen dunklen GT4. Viele Schmuckstücke allerdings entziehen sich mit schwarzen Abdeckplanen dem neugierigen Blick.

Skater sorgen für Probleme

Auch die Prominenz parkt hier. Der aktuell in Japan engagierte Fußballstar Lukas Podolski etwa besitzt in einem der Kranhäuser eine Wohnung. Sein Ferrari wartet in der Tiefgarage auf Spritztouren in der Heimat. Mehr als gucken ist nicht erlaubt: In der Tiefgarage ist Fotografieren nur mit einer Genehmigung erlaubt. Grund sei der Datenschutz, erklärt Schellhorn: „Das sind alles private Wagen. Die Halter möchten nicht, dass die ständig abgelichtet werden.“ Mit seinen Kollegen achtet er darauf, dass niemand länger durch die Garage bummelt. „Größere Gruppen, die hier nicht parken, schicken wir sofort raus“, sagt er. Problematisch seien Skater, die vom nahen Skatepark kommen und die Tiefgarage als Rennstrecke nutzen.

Eine blonde Frau mit Hosenanzug und Pelzkragen am Mantel durchquert den blauen Abschnitt – der dritte von insgesamt sechs, jeder hat seine eigene Farbe. Seit vielen Jahren parke sie hier und habe nie Sorge um sich oder ihr Auto gehabt. „Es ist eigentlich immer sehr ruhig hier unten“, sagt sie. Einzig die Laufwege seien etwas anstrengend.

Das Problem hat Parkwächter Schellhorn nicht. Im Golfcaddy rollt er durch die schier endlose Tiefgarage und schaut nach dem Rechten. Anfangs sei es noch komisch gewesen, so selten am Tageslicht zu sein. Aber er habe sich schnell daran gewöhnt, erzählt er. Und auf den oberirdisch installierten Kameras gebe es oft Unterhaltsames zu beobachten. „Einmal waren da zwei Typen, die einen riesigen Fernseher auf einem Kleinwagen festgeschnallt haben. Hätten die nur einmal scharf gebremst, wäre das Teil vom Dach geflogen“, erinnert sich Schellhorn grinsend. So nehmen er und seine Kollegen doch am Leben der Außenwelt teil.