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Kölner Lichter 2015: Total verliebt ins kölsche Feuerwerk

Kölner Lichter 2015 : Total verliebt ins kölsche Feuerwerk

Hunderttausende sind sich einig: So schön waren die "Kölner Lichter" noch nie

19.20 Uhr. Mit Isomatten, Kühlboxen und Klappstühlen, Beuteln, Taschen und Rucksäcken streben die Menschen dem Rheinufer zu. Schon der kleine Park in der Mitte des Theodor-Heuss-Rings gleicht einer Picknickmeile. Wer hier, unweit des Ebertplatzes wohnt, hat Bänke und Tische im Vorgarten aufgebaut und sich Gäste eingeladen.

In der Luft liegt das würzige Aroma von gegrilltem Fleisch. Kein Wölkchen am Himmel. 31 Grad. Perfektes Wetter für die "Kölner Lichter", eine der größten musiksynchronen Feuerwerke Europas. An diesem Samstag wird es wieder rund 800. 000 Menschen in seinen Bann ziehen.

20.20 Uhr. Unterhalb des Konrad-Adenauer-Ufers ist noch reichlich Platz mit Blick auf den Messeturm, die Messehallen und den KölnTriangle. Auf dem Kopfsteinpflaster reiht sich Decke an Decke. Aus Tupperboxen werden Erdbeeren, Schnitzel und selbst gemachte Salate gegabelt, man prostet sich mit Sekt aus der Flasche zu. Wobei Glas ja eigentlich verboten ist. Drüben im Rheinpark hat das Konzert von Brings begonnen. Die Kölschrocker rufen die "Superjeile Zick" aus. Und alle singen mit.

21.20 Uhr. OB Jürgen Roters gibt den Startschuss für das Ruderrennen des "Kölner Stadtachters". Zehn Teams legen sich in die Riemen, Bonn trägt die Startnummer eins. Aber gewinnen werden die Leverkusener. Wie schon im Vorjahr. Es wird voller und voller. Bald geht an der Bastei nichts mehr, und der Zugang zum Rhein wird dichtgemacht. Sicherheit geht vor. Als der Schiffskonvoi um 21.50 von Porz aus losfährt, ist es noch hell. Aber die "Rhein-Star", die "Goethe" und die 48 anderen Dampfer fahren stetig der Dämmerung entgegen.

[kein Linktext vorhanden]22 Uhr. "Man müsste noch mal 20 sein" singen Brings, ehe sich die Spider Murphy Gang mit "Mer san ne bayrische Band" vorstellt. Der Himmel bläut zusehends. Um 22.10 Uhr fahren die Schiffe unter der Zoobrücke hindurch. Entlang der Reling sind sie mit Lichterketten geschmückt, die Menge jubelt ihnen zu. Nun kann das Team um Chef-Feuerwerker Georg Alef zum ersten Mal zeigen, was es drauf hat. 1,3 Tonnen Pyrotechnik braucht es für das Begrüßungsfeuerwerk vom Tanzbrunnen aus. Passend zum diesjährigen Motto "Total verliebt" flammen entlang der Hohenzollernbrücke lauter Herzen auf - natürlich in Rot.

22.20 Uhr. Es knattert, zischt und ploppt. Diamantsplitter regnen vom Himmel, goldene Funkelflöckchen schweben hernieder, Feuergarben bersten auseinander. Ein überwältigender Rausch aus Farbe und Licht. Und dabei doch erst die Ouvertüre. Wer keine der 500.000 Wunderkerzen ergattert hat, die vom Veranstalter verteilt wurden, behilft sich mit dem Display des Handys. Einige haben Leuchtstäbe mitgebracht, hier und da kommt sogar das gute alte Feuerzeug zum Einsatz. Die Schäl Sick ist ein einziges Lichtermeer.

22.52 Uhr. "Polka", "Niemols im Läve" und ein Gastauftritt von Rapper Eko Fresh verkürzen den letzten Rest Wartezeit. Die Beschallung klappt super, der Sound ist bestens. Erich Frieds Gedicht "Es ist, was es ist" läutet das Höhenfeuerwerk ein. Bis zu 200 Meter hoch über dem Strom explodieren Strahlenbälle. Kometen hinterlassen ihren feurigen Schweiß, weiße Palmen wachsen majestätisch in den Himmel, funkelnde Fontänen jagen empor, Chrysanthemen entfalten sich, ein Wasserfall aus Feuer spiegelt sich im Rhein.

Die Choreografie ist perfekt. Georg Alef hat jeden Ton in Feuerwerkssprache übersetzt - in 30 Minuten sind das gut 20.000 Schuss, und weitere 2,7 Tonnen Pyromaterial werden dafür benötigt. Den letzten Part übernimmt Luciano Pavarotti. Seine Arie "Nessun Dorma" versinkt im rotgoldenen Licht der letzten Feuerbälle und den "Ahs" und "Ohs" der hingerissenen Zuschauer. Verstohlen wird hier und da ein Tränchen weggewischt. So schön, da sind sich alle einig, waren die "Kölner Lichter" noch nie.