Dat is Rheinisch Unger de Naas: Stätz vum Haas!

Rheinland · Der GA-Anzeiger veröffentlicht jede Woche eine Rheinische Redensart und erläutert Hintergründe und Anwendung. Diesmal: Unger de Naas!

Dat is Rheinisch: Unger de Naas: Stätz vum Haas!
Foto: GA-Grafik

Es gibt verschiedene Anlässe, die uns dazu verleiten, nochmal in alte Fotoalben zu gucken. Das ist ein Vergnügen, das künftigen Generationen wahrscheinlich nicht mehr vergönnt ist, weil die allgegenwärtige Verfügbarkeit digitaler Bilder paradoxerweise am Ende möglicherweise dazu führen wird, dass man seltener alte Zeiten aufruft.

Wie dem auch sei. Neulich verabschiedeten wir einen verdienten Kollegen in den Ruhestand und holten anlässlich dessen noch mal Fotos aus der Erinnerungskiste. Zugegeben, man könnte sagen, es waren kompromittierende Fotos. Bilder von der Sorte, mit denen man sich nur ungern in die Öffentlichkeit wagt.

Reflex auf ein Porträtfoto

In unserem Fall löste das Porträtfoto bei einem anderen Kollegen reflexhaft einen rheinischen Kommentar aus, und der lautete: „Unger de Naas: Stätz vum Haas“. Wer es verstand, musste zwingend schmunzeln, wenn nicht mehr. Den Satz als augenzwinkernden Modekommentar zu werten, wäre zu kurz gesprungen. Denn er beschreibt etwas, das in den 1970er Jahren äußerst beliebt war, aber in der Folgezeit zum Prototyp der Geschmacksverirrung avancierte – Betroffene mögen jetzt mal die Lektüre stoppen.

Es geht um den gemeinen Schnäuzer. Wer aufmerksam durch die Welt geht, dem dürfte aufgefallen sein, dass diese Form der Mundbehaarung bei jungen Männern offenbar wieder an Ansehen gewinnt. Das müssen wir hier nicht bewerten. Die wörtliche Übersetzung unseres Satzes lautet: „Unter der Nase: Schwanz vom Hasen“. Der Vergleich scheint recht treffend.

 „Unter der Nase: Schwanz vom Hasen.“ Ex-Höhner-Sänger Henning Krautmacher rasierte sich nach seinem Karriere-Ende den markanten Schnäuzer ab und war kaum wiederzuerkennen.

„Unter der Nase: Schwanz vom Hasen.“ Ex-Höhner-Sänger Henning Krautmacher rasierte sich nach seinem Karriere-Ende den markanten Schnäuzer ab und war kaum wiederzuerkennen.

Foto: dpa/Galuschka

Außerdem ist der Spruch ein gutes Beispiel für rheinische Schlagfertigkeit, die ihr Publikum umso mehr für sich einnimmt, je gereimter ihr Ausklang ist. Hier ein paar weitere Beispiele: He sök en Ääz un vebrennt en Kääz (Er sucht eine Erbse und verbrennt eine Kerze), Annemie isch kann nit mieh (Ich bin überfordert), Ovends danze on sprenge un morjens de Botz nit finge (Abends tanzen und springen und morgens die Hose nicht finden) oder Sid mer nit kott, isch ben fott (Seid mir nicht böse, ich bin weg). In diesem Sinne!

Weitere Kolumnen sind in dem Buch „Rheinisch für Fortgeschrittene” erschienen, Edition Lempertz. Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“auf allen Podcastplattformen. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns an: rheinisch@ga.de

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