1. Region
  2. Köln & Rheinland

Karneval im Rheinland: Von der Neuerfindung des Karnevals

Karneval im Rheinland : Von der Neuerfindung des Karnevals

Die fünfte Jahreszeit hat diesmal hauptsächlich im digitalen Raum stattgefunden. Die Karnevalisten haben eine ungeahnte Reaktionsgeschwindigkeit gezeigt.

Wenn es eines Beweises bedurft hätte, er ist erbracht. Die rheinischen Karnevalisten stecken voller Ideen und Kreativität. Sie haben aus der Kontaktsportart Karneval ein Digitalevent ungeahnten Ausmaßes gemacht. Wer sich einigermaßen regelmäßig in den sozialen Medien tummelt, der hatte in den vergangenen Tagen und Wochen die Qual der Wahl. Online-Kappensitzungen zum Selbstzusammenstellen, Einzelvideos von Künstlern der musikalischen oder wortklauberischen Disziplinen und Tänze noch und nöcher.

Unübersehbar

Die Vielfalt war unübersehbar und unüberschaubar: Alte Aufzeichnungen, neue Werke. Und jeder kann alles überall und immer abrufen. Eine wahre Herausforderung. So wurde die General-Anzeiger-Onlinesitzung unter Moderation von Redakteur Holger Willcke und Multikarnevalist Willi Baukhage zum Quotenhit auf der jecken Homepage von Kamelle.de. Tausende schalteten am Karnevalssonntag ab 11.11 Uhr ein und sahen die Narrenprominenz der Bundesstadt und drumherum. Viele Karnevalsgesellschaften haben ebenfalls ganz eigene Angebote gemacht. Und die Tollitäten aus Bonn und der Region waren stets im Livestream zu sehen. Bemerkenswert ist, dass die überragende Rolle im karnevalistischen Geschehen diesmal vom Literaten, der üblicherweise das Sitzungsprogramm zusammenstellt, auf den Livestreamtechnikfachmann übergegangen ist. Denn ohne den ging nämlich gar nichts.

Kurt Tucholsky sagte einst: Wegen ungünstiger Witterung fand die deutsche Revolution in der Musik statt. Diesmal müsste man sagen: Wegen pandemischer Umstände fand die fünfte Jahreszeit auf Facebook statt. Und: Wir werden noch Jahre brauchen, um das ganze Material zu sichten. Das muss kein schlechtes Zeichen sein.