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Rheinische Redensarten: Wat bess do för ene Pimock?

Rheinische Redensarten : Wat bess do för ene Pimock?

Wir stellen schöne und bedeutungstiefe rheinische Redensarten vor.

Der Rheinländer unterscheidet traditionell seltener zwischen Freund oder Feind als vielmehr zwischen bekannt und fremd. Das muss gar nicht abwertend gemeint sein, denn auch Fremdes gemeindet er schnell ein, wenn es ihm denn freundlich begegnet. Nein, die Unterscheidung hat für sich, dass es ihm eine gewissen Orientierung im Leben bietet.

Heutzutage wird so oft das „Schubladendenken“ kritisiert. Dabei wird gerne übersehen, dass es auch gewisse Vorteile in sich birgt. Denn es spart die psychische Energie alles immer ganz von Anfang an, also von Adam und Eva aus erklären und durchdenken zu müssen. Um es kurz zu sagen: Eine gewissen Kategorisierung der Umwelt bringt Erleichterung.

Das gilt auch für die rheinische Redensart: „Wat bess do för ene Pimock?“ Wie so oft entscheidet sich das Verständnis des Satzes an einer einzigen Vokabel. Übersetzen müsste man mit: Was bist Du denn für ein Pimock? Was aber ist ein Pimock? Das erste Zusammentreffen mit der Vokabel erleben die meisten im Songklassiker der Bläck Fööss „Unsere Stammbaum“. Da wird von Römern und Franzosen gesproche, die einst ins Rheinland kamen. Und da wird auch – wenn auch ganz kurz – der Pimock genannt.

Ganz allgemein wird im Rheinland darunter der Zugereiste, der Immi, verstanden. Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff den Gastarbeiter und später Vertriebenen, der aus dem Osten kam und dazu die Rheinbrücke überqueren musste. Zurückgeführt wird das Wort auf den Heiligen Nepomuk, der dereinst ertränkt und entsprechend diesem Schicksal später zum Heiligen der Brücken avancierte. Die Sprachforscher bestätigen zwar die mögliche Herkunft vom Namen Nepomok, sprechen aber zugleich davon, dass die Herkunft noch im Dunkeln liege. Möglicherweise könnte auch der böhmische Ortsname Pomuck eine Rolle gespielt haben. Das besonderen an dem Wort allerdings ist, dass es im zentralen und nördlichen Rheinland in verschiedensten Formen und Spielarten vorkommt, allerdings hier endemisch ist. Das heißt: Es kommt hier und nur hier vor. Es hat sich anderswo nicht weiter verbreitet. Es ist also ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Der General-Anzeiger bietet unter dem Titel „So geht Rheinisch“ einen Mundart-Podcast auf allen Podcastplattformen, unter anderem auf Spotify. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de