Dat is Rheinisch Wat ess dat dann für'e Jesocks?

Rheinland · Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal: Jesocks!

 Was sind das denn für unangenehme Typen?

Was sind das denn für unangenehme Typen?

Foto: GA-Grafik

Bei manchen sprachlichen Phänomenen ist die Suche nach der Herkunft spannend wie ein Krimi. Einer, der sich zu seinen aktiven Zeiten besonders gerne dieser Herausforderung gestellt hat, ist Peter Honnen, ehemals Sprachforscher beim Landschaftsverband Rheinland und Autor des lesenswerten Herkunftswörterbuches „Wo kommt dat her?“ (Greven). Ein Standardwerk.

Da finden wir einen Erklärungsansatz für die rheinische Formulierung: „Wat ess dat dann für‘e Jesocks?“ Der Schlüssel zum Verständnis dieses Satzes liegt beim Begriff Jesocks. Hier fragt also jemand: Was ist das denn für ein Gesocks? Als Synonym für Gesocks (oder Rheinisch: Jesocks) wird angegeben: Gesindel oder Pack.

Gesellschaftlich nicht gut angesehen

Es handelt sich also um einen abwertenden Sammelbegriff für eine Sorte Mensch, die gesellschaftlich nicht gut angesehen ist. Das muss nicht automatisch eine niedere Stellung beinhalten. Es gab auch die Formulierung „besser Jesocks“ für gesellschaftlich Höhergestellte. In jedem Fall ist die Formulierung ein Akt der Abgrenzung.

Der Sprachwissenschaftler ermittelt, dass Gesocks in vielen Dialekten die Bedeutung für zweifelhafte Personen annehmen kann. Einstweilen unbestritten ist die Ableitung von der Socke. Man spricht ja zuweilen von der „armen Socke“, wenn es um jemanden geht, der nicht viel zu lachen hat. Es könnte sein, so sagt der Sprachwissenschaftler, dass die armsockige Bedeutung aus dem Jiddischen und der Räubersprache (Rotwelsch) stammt. Dort bedeutet „Soken“ so viel wie „älterer Mensch“.

Wenn man einen Sockenschuss hat

Wenn jemand einen Sockenschuss hat, dann gilt er außerdem als dumm oder dreist. Wenn man die Frage zuspitzt darauf, warum der Begriff Socken auf unangenehme Menschen übergegangen ist, muss man aktuell eine Antwort schuldig bleiben. Das heißt aber nicht, dass es sie nicht gibt. Allerdings: In diesem Moment muss unser Kriminalfall – siehe oben – ausnahmsweise ungelöst bleiben.

Weitere Kolumnen sind in dem Buch “Rheinisch für Fortgeschrittene” erschienen, Edition Lempertz. Hören Sie auch unseren Podcast “So geht Rheinisch” auf allen Podcastplattformen. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns an: rheinisch@ga.de

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