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Rheinische Redensarten: Wat häst do do ne Essel op de Kist ze hävve

Rheinische Redensarten : Wat häst do do ne Essel op de Kist ze hävve

Wir stellen schöne und tiefgründige Redewendungen des Dialektes vor.

Der Rheinländer lässt sich nicht gerne in die Karten blicken. Nicht, dass er generell ein Geheimnis aus sich machen würde, dafür redet er einfach zu gerne mit anderen. Er weiß aber auch: Wenn mein Umfeld alles über mich weiß, dann hat es im Zweifel auch eine Meinung dazu. Und das kann niemand wollen. Deshalb verzichtet er zuweilen darauf, großen Aufhebens davon zu machen, was er im Verlaufe des Tages so alles getan hat. Wir kommen hier in den zwischenmenschlichen Bereich, wo irgendwann jedes Wort zu viel wird. So kann es also sein, dass ein Rheinländer abends nach Hause kommt und auf die Frage, wie den der Tag so gewesen sei, einfach sagt: gut. Wenn jetzt das Gegenüber*in den Verdacht hat, er könnte an einem Ort gewesen sein, dessen Offenbarung ihm vielleicht ein bisschen unangenehm sein könnte. Oder das Gegenüber*in hat vielleicht sogar belastbare Hinweise auf einen Aufenthaltsort erhalten, der eigentlich nicht des allgemein akzeptierten Umgangs entspricht. Dann, ja dann hat die rheinischen Redensart ihren ganz großen Auftritt: „Wat häst do denn do ne Essel op de Kist ze hävve?“

Die Spannungskurve steigt

Wer sich bis hierhin in die Situation eingefühlt hat und eine ansteigende Spannungskurve empfunden hat, für den mag der letzte Satz eine plötzliche Entspannung bieten. Denn er ist nicht ohne Humor, und der bringt ja generell Leichtigkeit ins Gespräch.

Der Esel auf der Kiste

Zu Hochdeutsch heißt der Satz: Was hast Du denn da einen Esel auf die Kiste zu heben? Ja, wie jetzt? Was bedeutet das denn? Um zu verstehen, was diese Redewendung besagt, müssen wir uns um die Metaebene bemühen. Sagen wir mal so: In der Regel hebt man im Alltag keinen Esel auf eine Kiste. Es gibt quasi keinen Menschen, dessen Aufgabe es wäre, das zu tun. Und selbst wenn es den gäbe, dann würde er es hier tun und nicht dort. Wenn er es also dort täte, dann wäre das der falsche Ort. Und damit sind wir wieder am Ausgangspunkt unserer Überlegung. Denn die Redensart bedeutet ganz schlicht: Das hast Du doch gar nichts zu suchen? Da gehörst Du doch gar nicht hin! Warum einfach, wenn es auch verklausuliert geht?! Das ist ein wunderschöner Beweis der sprachlichen Überlegenheit rheinischer Dialektik.

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf allen Medienplattformen und unter www.ga-bonn.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter der Mail-Adresse rheinisch@ga.de