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Das ist Rheinisch: Wie kütt die Mösch en die Kösch?

Das ist Rheinisch : Wie kütt die Mösch en die Kösch?

Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal: Die Mösch!

Wer sich mit der rheinischen Mundart beschäftigt, kommt nicht an Willi Ostermann vorbei. Der große Kölner Lieddichter dialektaler Ausrichtung hat dem rheinischen Kulturschatz viele wichtige Gesangstücke hinterlassen, die Zeugnis ablegen vom Leben in Köln und um Köln herum.

Der Komponist wurde am 1. Oktober 1876 in Mülheim bei Köln geboren. Mit 23 komponierte er sein erstes überliefertes Lied: das „Düxer Schötzefess“. Er gilt als Retter der Karnevalskultur, weil er seinerzeit dem närrischen Fest neue, geistvolle Texte hinzufügte. Das erste Erfolgreiche war 1907 „Däm Schmitz sing Frau es durchjebrannt“. Ostermann schrieb rund 100 Lieder. Er starb 1936 in Köln.

Däm Schmitz sing Frau

Eines seiner bekanntesten Werke geht einer Frage nach, die das Potenzial zur rheinischen Redensart hat: „Wie kütt die Mösch en die Kösch?“ Es handelt sich um eine  Alltagsbeschreibung, die vielleicht nicht an der Tagesordnung eines rheinischen Haushaltes ist, aber durchaus schon vorgekommen ist. Da steht das Küchenfenster auf, und die „Mösch“ fliegt in die Küche, um sich dort am Graubrot zu bedienen. Bleibt die Frage, was genau bedeutet Mösch, und woher stammt der Begriff? 

Wie kommt der Spatz in die Küche?
Wie kommt der Spatz in die Küche? Foto: GA-Grafik

Wie Sprachforscher Peter Honnen in seinem Buch „Wo kommt dat her?“ erläutert, ist Mösch eines der  ganz besonderen Reliktwörtern“ im Rheinland, das nur zwischen Mosel und Niederrhein vorkommt und verstanden wird. Die Mösch bezeichnet den gemeinen Spatz, der ja auch gerne das Attribut „frech“ mit sich führt, weil er als Kulturfolger der Menschen seine Lebensweise in der Stadt mit Chuzpe behaupten konnte. Mösch ist also ein ganz exklusiv rheinisches Wort. Somit heißt die Übersetzung: Wie kommt der Spatz in die Küche?

Muscia und Moquito

Von der Worthistorie geht der Begriff auf Muscia zurück , was im römischen Gallien den Spatz, aber auch die Fliege bezeichnete. Und so ergibt sich eine Wortverwandtschaft mit dem spanischen Mosquito (kleine Fliege), der französischen Mouche (Fliege) und der niederländischen Mus (Spatz).

An der Frage, warum die Germanen auf das Lehnwort aus Gallien mit römischer Herkunft zurückgegriffen haben, scheitert der Sprachforscher allerdings. Übrigens ist daraus auch eine Verballhornung enstanden für jemanden, der singen können möchte, aber es nicht kann. Der ist eine Möschtijall.

Weitere Kolumnen sind unter anderem im Buch “Rheinisch für Fortgeschrittene” erschienen, Lempertz-Verlag. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns an: rheinisch@ga.de