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Unkeler Falternacht: Der Schmetterlingsfänger von Unkel

Unkeler Falternacht : Der Schmetterlingsfänger von Unkel

Wenn es Nacht wird rund um den Stux in Unkel, geht in einem Garten am Fuße des Berges das Licht an. Es ist der Garten von Michael Stemmer, des Schmetterlingsfängers von Unkel. Mehr als 500 verschiedene Arten hat er mittlerweile angelockt, gefangen, bestimmt und wieder freigelassen.

Und es werden stetig mehr - vielleicht schon am morgigen Samstag: Ab 21.30 Uhr führt er stellvertretend für die Grünen zum achten Mal durch die Unkeler Falternacht. Im Gespräch mit Dennis Betzholz erzählt er von den farbenprächtigen Fluginsekten und der Faszination des Suchens.

Mehr als 500 Schmetterlingsarten wohnen nachweislich im Stux - so falterreich ist in Deutschland nur der Kaiserstuhl. Was hat der Stux, was andere Gebiete nicht haben?
Michael Stemmer: Einerseits ist es die südwestliche Ausrichtung, es ist heiß und trocken. Andererseits ist dort oben das Nahrungsangebot außergewöhnlich groß: Kräuter, Blumen - da ist alles, was Schmetterlinge mögen. Zumindest noch.

Noch? Wie meinen Sie das?
Stemmer: Auf und vor dem Stux wird immer mehr und zur falschen Zeit gemäht. Dadurch schwindet das Nahrungsangebot für alle Blüten besuchenden Insekten immer mehr.

Reden wir über Schmetterlinge. Was fasziniert Sie an den Fluginsekten?
Stemmer: Mich hat seit meiner frühesten Kindheit die Natur fasziniert - und im Speziellen die Schmetterlinge, ihre Schönheit und Farbenpracht. Als ich vor acht Jahren wieder loslegte, wusste ich selbst nicht, worauf ich mich einlasse. Es ist so viel geworden.

Sie beteiligen sich jedes Jahr an den Europäischen Nachtfalternächten, die seit gestern bis kommenden Montag wieder stattfinden. Im Vorjahr bestimmten sie 100 verschiedene Arten und damit so viele wie kein anderer in Deutschland. Ist es für Sie schon ein kleiner Wettbewerb geworden?
Stemmer: Natürlich freue ich mich darüber. Aber im Vordergrund steht die wissenschaftliche Arbeit. Ich fotografiere jeden Schmetterling, veröffentliche die Fotos auf meiner Internetseite und leite die Daten an die zuständige Landesstelle weiter.

Erinnern Sie sich noch an den schönsten Moment, den Sie beim Beobachten erlebt haben?
Stemmer: Oh ja. Es ist so: Schmetterlinge, die seit 20 Jahren nicht mehr gesichtet wurden, gelten als ausgestorben. So auch der Nachtkerzenschwärmer, auf den ich ewig gewartet habe. Weil er so selten und schön ist. Vor drei Jahre habe ich ihn wiederentdeckt, als ich nachts geleuchtet und ihn mit einem Köder aus Rotwein und Zucker angelockt habe. Da fliegen die Tiere im wahrsten Sinne des Wortes drauf.

Was erwartet die Leute, die am Samstag anlässlich der Unkeler Falternacht zu Ihnen in den Garten kommen?
Stemmer: Sie erhalten einen erläuternden Überblick über Schmetterlinge und die Besonderheiten des Stux. Nach Einbruch der Dunkelheit beginnt dann der "Leuchtabend", bei dem die Falter mit einer angeleuchteten Stoffbahn angelockt werden.

Die Fotos der Schmetterlinge, die es auf und vor dem Stux zu beobachten gibt, sehen Sie auf der Internetseite www.naturraum-stux.de