1. Region
  2. Kreis Neuwied

Little Britain droht das Aus: Skurrile Ausstellung in Linz-Kretzhaus

Skurrile Ausstellung : „Little Britain“ in Kretzhaus droht endgültig das Aus

Gary Blackburn hat lauter skurrile Dinge zusammengetragen und stellt sie auf seinem Pachtgrundstück in Kretzhaus aus. Eine Sitzung des Gemeinderates Erpel könnte nun jedoch das Ende für „Little Britain“ bedeuten.

Droht nach dem Ende der EU-Mitgliedschaft Großbritanniens auch das Ende von „Little Britain“ in Kretzhaus? Das könnte nach dem Votum des Gemeinderats Erpel bei seiner Sitzung am Montag, 24. August, der Fall sein. Die Ratsmitglieder möchten damit bauordnungsrechtlich Klarheit schaffen und „ein mehr als zwei Jahre währendes Verfahren mit viel Hin und Her“ zum Abschluss bringen, wie der Erpeler Bürgermeister Günter Hirzmann erklärt.

Im Fokus steht das Grundstück, das der gebürtige Brite Gary Blackburn, seit 1985 in Deutschland lebender Chef eines Baumdienst-Unternehmens mit mittlerweile doppelter Staatsbürgerschaft, seit rund fünf Jahren von der Gemeinde gepachtet hat. Die knapp 2000 Quadratmeter große Fläche neben seinem Firmengelände und Wohnhaus, die zwar in Linz-Kretzhaus liegt, aber zur Gemarkung Erpel gehört, nutzt er für seine Privatsammlung: die für Besucher kostenlose Ausstellung „Little Britain“, die Stein manchen Anstoßes ist.

Nach dem Brexit-Referendum im Jahr 2016 hat Blackburn dort zusammengetragen, was als typisch britisch gilt: vom lebensgroßen Abbild der Queen über eine rote Telefonzelle bis zum Doppeldeckerbus und zum 52-Tonnen-Centurion-Panzer.

Für manche eine Touristenattraktion

„Wer auf dem Kasbach-Wanderweg wandert, läuft geradewegs durch die Kuriositätensammlung“, berichtet Hirzmann, wenn er diese auch als „durchaus kurzweilig“ beschreibt. Für manchen ist sie sogar eine Touristenattraktion. „Es sind Besucher aus ganz Deutschland, England, Spanien und sogar den USA gekommen, um sich das anzuschauen“, sagt Blackburn.

Allerdings: Nicht nur die Fahrzeuge, sondern auch die dort über die Zeit entstandenen Hütten seien illegal, so hatte die Kreisverwaltung Neuwied bereits 2018 geurteilt. Der Kreis forderte Blackburn auf, die Genehmigung für die Ausstellungsstücke einzuholen. „Laut Baugesetzbuch ist das Areal ein ‚Außenbereich’. Deswegen darf da eigentlich nichts verändert oder gebaut werden“, erklärt Hirzmann.

Wenn die Ausstellung so bleiben solle, müssten der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden, worüber der Gemeinderat nun abstimmt. Eine Legalisierung sei nur durch Planänderungen möglich, die Kosten von rund 100.000 Euro verursachten: „Diese Kosten hätte Herr Blackburn und nicht die Gemeinde zu tragen“, sagt Hirzmann.

Fristversäumnisse von Seiten Blackburns

Der Ratsentscheidung sieht er „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ entgegen. Schließlich sei vieles in Sachen Little Britain „alles andere als gut gelaufen“, sagt Hirzmann und verweist auch auf Fristversäumnisse von Seiten Blackburns: „Allein drei in dem Jahr, seitdem ich Bürgermeister bin.“ Außerdem hätten „die Behörden eingreifen müssen, angesichts der Dimensionen, die die Ausstellung mittlerweile angenommen hat“. Bis vor vier Jahren sei Little Britain kein Thema gewesen und das Ausstellungsgelände nicht so stark zugestellt gewesen. Eine Gemeinde müsse bei wachsenden Besucherzahlen auch über Parkmöglichkeiten und Zuwegungen nachdenken. Abgesehen davon, dass es unter anderem auch um Natur- und Artenschutz gehe.

Eine schnelle Entscheidung will der Ortsbürgermeister zudem deshalb, weil Little Britain auch Arbeitskräfte in der Verwaltung binde. „Alles ist möglich von absoluter Zustimmung bis zum Nein“, glaubt Hirzmann im Vorfeld der Ratssitzung: „Alle Meinungen sind im Rat vorhanden.“

Ein Zeichen der deutsch-britischen Freundschaft

Gary Blackburn wäre „traurig, wenn alles vergebens gewesen wäre“. Zumal Little Britain eigentlich ein Zeichen der deutsch-britischen Freundschaft sein und Menschen zusammenbringen solle. Im Zusammenhang mit mancher behördlichen Stelle spricht er von „Verschwörung“ und wünscht sich eine bessere Informationspolitik: „Mein Architekt und ich wussten teilweise nicht, welche Unterlagen verlangt waren, und jedes Mal hat sich dann herausgestellt, dass etwas fehlt.“

Blackburn ist bereit, die Kosten für die Planänderungen zu tragen. Obwohl er seit 25 Jahren in Kretzhaus lebe, habe er auch schon einen anderen Ort im Visier – und dorthin würde er mit der Ausstellung sowie mit seiner Firma und der Familie umziehen, wenn es für Little Britain am bisherigen Standort keine Zukunft gäbe, betont er.