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Nattermann‘s in Vettelschoß-Kalenborn: Restaurant schließt

Personalmangel als Problem : Restaurant Nattermann‘s in Vettelschoß schließt

1990 übernahm er das Lokal, nun ist Schluss: Inhaber und Küchenchef Jo Nattermann schließt sein Restaurant „Nattermann‘s Fine Dining“ in Vettelschoß-Kalenborn. An diesem Samstag ist der letzte Tag.

Die Speisekarte liest sich verheißungsvoll. Nach Vorspeisen wie Bäckchen und Bauch vom Glücksschwein oder einem Apfelkürbissüppchen wartet das Restaurant „Nattermann‘s Fine Dining“ im Vettelschosser Ortsteil Kalenborn mit Filetspitzen in Dijonsenf und Spätzle, Roastbeef und Bratkartöffelchen, mit rosa gebratener Rehkeule, Medaillons vom Hirsch oder mit Rehrücken und Waldpilzrisotto an Sauerkirschjus auf. Aber leider nur noch an diesem Samstag. „Am 21. Dezember ist hier endgültig Schluss“, sagt Inhaber und Küchenchef Jo Nattermann.

Nicht etwa das Ausbleiben von Gästen, sondern ganz andere Umstände haben mit zu diesem Entschluss geführt. Der 53-Jährige hatte schon im September beschlossen, im Restaurant nicht nur montags und dienstags, sondern zudem mittwochs und donnerstags Ruhetage zu halten – zwangsläufig: Die „momentane Personalstruktur“ nannte Nattermann damals als Grund und fügte hinzu: „Gerne freuen wir uns über Bewerbungen für Küche sowie Service und hoffen, dass wir in Zukunft wieder Mittwoch und Donnerstag für Sie öffnen können.“

Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. „Es war von Beginn an nicht einfach, hier im ländlichen Bereich qualifiziertes Personal zu bekommen“, so der Gastronom. Als er 1990 das Restaurant samt Gästehaus von den Eltern übernahm, konnte er auf acht Mitarbeiter bauen. Heute muss er mit der Hälfte auskommen. Drei Kräfte fehlen in der Küche, ein Mitarbeiter im Service.

Jo Nattermann war erst 23 Jahre alt, als er in den Betrieb einstieg, „nachdem ich mir erste Sporen in preisgekrönten und sternedekorierten Häusern verdient hatte“. Diese Erfahrungen bildeten den Grundstein für seine moderne Landhausküche mit frischen Produkten. Nattermann wollte feine Küche für besonders anspruchsvolle Feinschmecker-Gaumen anbieten. „Zu Spitzenleistungen ist nur fähig, wer seinen Beruf aus tiefster Überzeugung liebt. Aber mehr oder weniger auf sich gestellt, kann man das Niveau eben auch nicht halten“, bedauert der Restaurantchef.

Die Qualität seines Hauses wird von den Gästen gewürdigt. „Wir waren heute im Nattermannˋs zum Gänseessen. Dies war mein erster Besuch dort, und ich war vom edlen und heimeligen Ambiente überrascht. Der Service war überaus freundlich, die Gans inklusive der Beilagen war überaus schmackhaft“, schrieb ein Besucher im Internet. Und auch die Mitglieder des Linzer Verbandsgemeinderates waren bei ihrem Jahresabschluss-Essen sehr angetan. Dass dieses Haus schließe, sei ein Verlust für die Region, waren sie sich einig.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht Nattermann dem letzten Tag in seiner Küche entgegen. „Es war eine tolle Zeit hier und natürlich fällt es schwer, nach so langer Zeit die Selbstständigkeit aufzugeben“, gesteht er ein. Andererseits sei er froh und glücklich, dass er der Gastronomie treu bleiben kann. Möglich macht ihm dies das Angebot eines Unternehmens, als Küchenchef die gehobene Betriebskantine zu führen. Er fühle sich im richtigen Alter, „um noch einmal durchzustarten“, sagt Jo Nattermann.