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Rheinbrohl: Steffen Hennig sammelte über 40 Trabis aus DDR

Checkpoint Charlie am Rhein : Rheinbrohler sammelte über 40 Trabis aus DDR

Der Rheinbrohler Steffen Hennig sammelt Autos der DDR-Marke Trabant. Er besitzt schon über 40 Fahrzeuge. Ein Güterschuppen in Rheinbrohl dient ihm als Garage und Werkstatt.

In Rheinbrohl gibt es einen Checkpoint Charlie. Wenn man das Wachhäuschen am Güterbahnhof am Rhein passiert, reist man in die Vergangenheit – genauer gesagt: die automobile Vergangenheit der DDR. Steffen Hennig hat in einem umgebauten Güterschuppen mehr als 40 Trabis in enger Reihe geparkt. Seit rund 15 Jahren sammelt der gebürtige Wittenberger Autos der legendären Marke. Mittlerweile besitzt er so viele, dass er einige in den überdachten Innenhof gestellt hat.

Sein Gelände ist ein Dorado für jeden, der sich für die Fahrzeugproduktion in der DDR interessiert. Denn nicht nur Autos der Baureihe Trabant befinden sich unter Hennigs Schätzen, auch einen Wartburg und einen Kleintransporter der Reihe Barkas B 1000 nennt er sein Eigen. „Die Autos sind ein Stück Geschichte und eine Erinnerung an früher, und das sollte erhalten bleiben“, erklärt er seine Sammelleidenschaft.

Angefangen hat sie, als seine damalige Frau, die wie er aus der ehemaligen DDR stammt, auf die Idee kam, einen Trabi zu kaufen. „Wenn ich damit gefahren bin, waren die Leute schon immer neugierig“, erinnert sich Hennig an die Reaktionen . „Und wenn man dann mit jemandem ins Gespräch kommt, der auch einen hat, habe ich oft Trabis angeboten bekommen. Dann kann ich nicht Nein sagen.“ Nachdem er die ersten fünf Trabis besaß, habe er angefangen, verschiedene Modelle zu kaufen.

Dicht nebeneinander parken die Trabants des Sammlers in einem Schuppen. Hennig besitzt mehr als 40 Exemplare. Foto: Frank Homann

Heute stehen Limousinen, Kombis und Cabrios im Schuppen. In hohen Regalen lagern jede Menge Ersatzteile. Die bekomme er hauptsächlich aus Ungarn, wo sie nach wie vor produziert werden. Sein wohl wertvollstes Stück ist ein Militär-Kübelwagen in ziviler Ausführung – diese Fahrzeuge wurden in der DDR für Forstarbeiten und an der Grenze genutzt. „Meiner ist der Fünftletzte, der gebaut wurde“, berichtet Hennig. Im Internet sei ein ähnliches Modell für 12 000 Euro inseriert.

Steffen Hennig repariert seine Sammelstücke selbst. „Ich fahre mit meinen Trabis in keine Werkstatt. Erstens können die das da gar nicht und zweitens kann ich das meiste eh alleine machen“, erklärt er. Auch seinen Lieblingswagen, ein zum Polizeiauto umlackierter Trabant, hat er eigenhändig restauriert und anhand von Originalfotos lackiert. „Volkspolizei“ steht auf der weißen Motorhaube. Damit fährt er auch gerne zu Trabi-Treffen, die regelmäßig in ganz Deutschland stattfinden. Es gibt eine echte Fangemeinde.

Dann dreht er den Benzinhahn auf, legt den ersten Gang ein, dreht den Zündschlüssel und der Zweitakter röhrt los. Die blauen Polizeisirenen auf dem Dach tauscht er vorher gegen schwarze, denn „es ist in Deutschland nicht erlaubt, mit Blaulicht zu fahren“. bei größeren Entfernungen nimmt er seinen VW Passat und packt die Trabis auf einen Anhänger. „Das wird über längere Strecken im Trabi eher unbequem“, sagt Hennig schmunzelnd. Auch in der Region organisiert er mit seiner Ex-Frau und befreundeten Trabi-Fans jährlich ein großes Treffen in Döttesfeld.

Um in seine Wohnung zu kommen, bahnt sich der Schaffner bei der Deutschen Bahn den Weg durch die Tür an Tür stehenden Trabis und tritt durch ein Tor. Hier thront der Fernseher auf einer Trabi-Motorhaube, und es wird schnell klar, dass sich seine Sammelleidenschaft nicht auf Autos beschränkt. „Ostdeutschland“ steht auf einem Schild an einer weißen Tür, hinter der sich sein „DDR-Zimmer“ verbirgt. Hier bewahrt Hennig neben Uniformen, alten Küchengeräten, DDR-Ausweisen und Kinderspielzeug sogar eine ungeöffnete Dose löslichen Kaffee auf.

Oldtimer mit Seltenheitswert: Ein Trabant P60 aus den frühen 60er Jahren. Foto: Frank Homann

„Die habe ich bei meinen Eltern im Schuppen gefunden“, berichtet der Sammler. Diese leben noch immer in der Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt, wo Hennig bis zum Jahr 2005 lebte. Dann baute die Bahn in den neuen Bundesländern Stellen ab und er wurde an den Rhein versetzt. Es zieht ihn regelmäßig in seine alte Heimat. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass er dann einen neuen Trabi mitbringt. „Die Fahrt muss sich ja lohnen“, meint Hennig.