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Zahl der Delikte leicht gestiegen: Lidl will keine Häufung von Taschendiebstählen in Meckenheim bestätigen

Zahl der Delikte leicht gestiegen : Lidl will keine Häufung von Taschendiebstählen in Meckenheim bestätigen

In einem Meckenheimer Lidl-Discounter kommt es immer wieder zu Taschendiebstählen. Dem Konzern sind die Probleme bekannt. Die Polizei gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Ein Einkauf in der Lidl-Filiale am Neuen Markt in Meckenheim-Merl kommt für den Fritzdorfer Josef Schuster (Namen von der Redaktion geändert) seit dem 2. September nicht mehr in Frage. Denn an diesem Tag musste Schusters Frau Martina dort eine höchst unschöne Erfahrung machen: Sie wurde Opfer eines Taschendiebstahls. Unbekannte entwendeten ihr bei einem Einkauf am Vormittag die Geldbörse mit mehr als 300 Euro Bargeld sowie sämtlichen Ausweispapieren. „Und zwar aus einer verschlossenen Handtasche, ohne dass ich irgendetwas gemerkt habe“, wie sie betont. Wie Schuster bald aus seinem Bekanntenkreis erfuhr, war das wohl kein Einzelschicksal: „Es ist in kurzer Zeit der vierte Fall in unserem näheren Bekanntenkreis, bei dem auf gleicher Weise Wertsachen per Diebstahl in der Lidl-Filiale in Meckenheim entwendet wurden.“ Schuster war so ärgerlich, dass er einen Brief an die Lidl-Konzern schrieb. Dort sei das Problem bekannt, hieß es in dem Antwortschreiben, das unserer Redaktion vorliegt. Zudem bei der Bonner Polizei.

„Leider sind uns die geschilderten Umstände in ihrer Filiale An den Märkten 15 in 53359 Rheinbach bereits bekannt“, hatte eine Lidl-Mitarbeiterin auf Schusters Beschwerdebrief geschrieben: „Wir haben uns daher mit der zuständigen Regionalgesellschaft in Verbindung gesetzt“, heißt es dort weiter. Ob die Briefschreiberin den von Schuster gemeinten Markt in Meckenheim mit dem in Rheinbach nur verwechselt hat, oder ob auch in der Rheinbacher Lidl-Filiale ein erhöhtes Aufkommen an Taschendiehstahls-Delikten bekannt ist, bleibt ungeklärt. Eine Nachfrage bei der Lidl-Pressestelle ergab folgende Antwort: „Wir können in den von Ihnen genannten Filialen keinen Anstieg von Taschendiebstählen feststellen. Grundsätzlich appellieren wir jedoch an unsere Kunden, während des Einkaufs auf ihre Wertsachen zu achten und einen Diebstahl sofort der Polizei zu melden“, so eine Sprecherin.

Mehr Taschendiebstähle bei der Polizei gemeldet

Was speziell die Taschendiebstahl-Vorfälle in der Meckenheimer Lidl-Niederlassung angeht, hat aber auf jeden Fall auch der Bonner Polizeisprecher Simon Rott andere Erkenntnisse: „Anfang September sind bei der Bonner Polizei gleich mehrere Fälle angezeigt worden“, erklärt er. Auch in der Stadt Meckenheim als Ganzes betrachtet ist die Zahl der Delikte in Sachen Taschendiebstahl ausweislich der Kriminalitätsstatistik im vergangenen Jahr gestiegen, von zehn (2019) auf 13 Fälle (2020), in Rheinbach sogar um acht Fälle von 13 auf 21.Gleichzeitig sanken aber die Fallzahlen im gesamten Zuständigkeitsbereich der Bonner Polizei von 892 (2019) auf 884 (2020) und liegen weit unter dem Fünf-Jahres-Schnitt (1367 Fälle). Auch im Stadtgebiet Bonn gingen die Fallzahlen zurück (2019: 801 / 2020: 790).

Insbesondere was die Häufung von Taschendiebstahls-Delikten in Supermarktfilialen angeht, ist aus Sicht von Polizeisprecher Rott neben einer guten Verkehrsanbindung des Supermarktes oft ein Aspekt entscheidend: "Es bieten sich Tatgelegenheiten." Etwa im Einkaufswagen abgestellte Handtaschen, Umhängetaschen am Rücken oder ein Gedränge am Warenregal eröffneten professionell agierenden Taschendieben "beste Möglichkeiten".

Dabei stünden besonders ältere Menschen im Fokus der Kriminellen. Rott empfiehlt daher: „Tragen Sie Geld, Kreditkarten und Papiere immer in verschiedenen verschlossenen Innentaschen der Kleidung möglichst dicht am Körper und legen Sie Geldbörsen oder Handtaschen nie in den Einkaufskorb oder Einkaufswagen. Seien Sie achtsam, wenn sich ein Gedränge bildet – oft werden solche Situationen bewusst von zusammen agierenden Dieben provoziert.“

Bei der Abschreckung von Tätern und bei der Aufklärung von Taschendiebstählen durch die Polizei gibt es vor allem ein Manko: Viele Supermärkte verzichten auf eine Videoüberwachung, so auch Lidl in Meckenheim und Rheinbach. „An den beiden Standorten sind keine Sicherheitskameras installiert“, bestätigt die Unternehmenssprecherin. Oft dürften dafür Datenschutzgründe eine Rolle spielen. Die Kollegin der Lidl-Sprecherin, die dem Fritzdorfer Josef Schuster den Antwortbrief geschrieben hatte, versicherte ihm noch: „Wir bedauern sehr, dass wir aktuell noch keine konkreten Maßnahmen nennen können, denn wir müssen natürlich alle unsere Kunden entsprechend der gültigen Gesetzgebung behandeln und sehr genau abwägen, was wir tun können.“ Und weiter: „Bitte glauben Sie uns, wir arbeiten an einer raschen Lösung und schulen unsere Mitarbeiter sensibler mit dem Thema umzugehen“.

Aldi setzt auf Videoüberwachung

Beim Discounter Aldi-Süd ist die Praxis eine andere: "Der Einsatz von Videokameras in unseren Filialen gewährleistet im Sinne unserer Kundinnen und Kunden sowie unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen effektiven Schutz vor Diebstählen und anderen Vorfällen", sagt Sprecherin Nastaran Amirhaji. Allerdings sei die Videoüberwachung auf den Verkaufsraum beschränkt: "Wir halten uns dabei an ein datenschutzrechtliches Konzept, welches mit der Datenschutz-Aufsichtsbehörde abgestimmt wurde." In seltenen Fällen könne es auch zur Beauftragung eines Ladendetektivs kommen, so die Aldi-Sprecherin weiter: "Dieser branchenübliche Einsatz dient der Diebstahlprävention und -aufklärung." Zu weiteren Sicherheitsmaßnahmen in den Filialen gehöre beispielsweise auch die Verwahrung von hochwertigen Aktionsartikeln in abgeschlossenen Schränken. Zur Anzahl von Diebstahlsdelikten wollte sie keine Angaben machen.