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Rheinische Redensarten: Maach ens ene Doofe schlau, dä kriste net mi doof!

Rheinische Redensarten : Maach ens ene Doofe schlau, dä kriste net mi doof!

Bildung gilt vielen Menschen als „Wert an sich“. Soll heißen: Egal unter welchen Bedingungen ist es erstrebenswert, möglichst viel Bildung anzuhäufen. Dahinter steht der Gedanke: „Wissen ist Macht!“

Je mehr man weiß, desto besser geht es einem. Man erreicht einen besseren Bildungsabschluss und einen besseren Beruf, ein höheres Einkommen, einen höheren Lebensstandard.Demgegenüber gilt es als anerkannte Wahrheit, dass die Chancen von Kindern bildungsferner Schichten ungleich geringer sind, sich in höhere Weihen der Bildung emporzuarbeiten.

Wer es dennoch geschafft hat, Wissen und Bildung zu erwerben, dem kann man das nie mehr nehmen. Ähnlich wie das Fahrradfahren ist Bildung nicht verlernbar. Die Rheinländer haben das schon immer gewusst, denn sie kennen die Redensart: „Maach ens ene Doofe schlau, dä kriste net mi doof!“ Den Satz muss man höchstens der Form halber übersetzen: Mach einen Dummen schlau, der wird nicht mehr dumm.

Aufteilung in Dumme und Schlaue

In der Redensart steckt implizit die Aufteilung der Welt in Dumme und Schlaue, in Unterschicht und Oberschicht. Wer also möchte, dass es seine Kinder einmal besser haben, denen empfielt er frühzeitige Bildung nach dem alten Motto: Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will.

Kein Wunder, dass immer wieder das Ergebnis der Pisa-Bildungsstudie Gegenstand der Betrachtung ist, das sich mit der Güte unserer Schulen beschäftigt. Aktuell heißt es, dass es mit dem Bildungsniveau unserer Schüler wieder abwärts gehe. Und das löst reflexartige Panikreaktionen aus. Dabei ist laut dem Ideal von Wilhelm von Humboldt die Bildung ein ganzheitlicher Prozess, der nicht einem einzelnen weltlichen Zweck des Wohlstandes dient. Vielmehr geht es darum, Informationen besser zu verknüpfen und die Welt besser zu verstehen.

In die gleiche Richtung geht das Bildungsprogramm der Europäischen Union namens „Lebenslanges Lernen“. Denn Lernen ist nie zuende. Nicht nur in der Schule sondern das ganze Leben lang lernen wir. Und das ist gut so. Da mag es paradox anmuten, dass im Alten Testament der Bibel bei Prediger 1.18 steht: „Wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämens; und wer viel lernt, der muss viel leiden. Also, Vorsicht mit der Bildung! Sie kann gefährlich sein und ist unumkehrbar.

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