Meckenheim: Eklat um neuen Straßennamen

MECKENHEIM · Zum Eklat kam es am Mittwochabend im Hauptausschuss bei der Frage der Benennung einer neuen Straße. Die von der UWG-Fraktion vorgeschlagenen Straßennamen waren es, die das Fass zum Überlaufen brachten und alte Gräben wieder aufrissen.

 Der neue Kreisverkehr in Merl-Steinbüchel: Die Erschließungsstraße, die vom Kreisel ins Baugebiet hineinführt, soll künftig Heinz-Gottschalk-Straße heißen.

Der neue Kreisverkehr in Merl-Steinbüchel: Die Erschließungsstraße, die vom Kreisel ins Baugebiet hineinführt, soll künftig Heinz-Gottschalk-Straße heißen.

Foto: Wolfgang Henry

Harsche Worte fielen, von Rücktrittsforderungen und Straftatbeständen war gar die Rede. Was war geschehen: Offenbar wollten die Unabhängigen ihrem Ärger über die Entwicklung im Steinbüchel Luft machen, als sie vorschlugen, die Haupterschließungsstraße mit Namen wie "Holzweg", "Wutbürgerstraße", "Renitentenstraße", "Bürger-Projektgruppen-Allee" oder "Dr. Yvonne Kempen Boulevard" zu belegen.

Insgesamt 20 Vorschläge dieser Art brachte die Wählergemeinschaft ein und spielte damit auf die zehn Jahre währenden, durchaus umstrittenen Forderungen der Merler Bürgerprojektgruppe an, eine Nahversorgung im Stadtteil Merl-Steinbüchel zu etablieren. Dies ist nun mehr als gelungen. Gebaut wird auf dem alten Tennenplatz nicht nur ein Edeka-Markt, gleich nebenan wird auch ein Aldi entstehen. Die Discounter-Kette hatte erfolgreich geklagt.

Daraufhin gab es die Baugenehmigung, um Schadensersatzansprüche zu vermeiden (der GA berichtete). Man könne an dieser Stelle nicht mehr von Nahversorgung sprechen, argumentierte UWG-Fraktionschef Josef Dunkelberg und spielte damit auf die Sorge an, dass im Steinbüchel ein drittes Zentrum entstehe.

Für ihre Namensvorschläge habe die UWG auch viel Zustimmung aus der Bevölkerung erhalten. Völlig anders bewerteten die BfM die Namensideen. Fraktionsvorsitzender Johannes Steger fuhr schweres Geschütz auf: "Unwürdig, widerwärtig und geschmacklos", fand er den UWG-Versuch, auf diese Weise an eigene Positionen zu erinnern.

Das sei eine "würdelose Verhöhnung der Merler Bürgerschaft" und derjenigen, die sich für ihre Mitbürger ernsthaft engagierten. Ratsmitglieder müssten die Bevölkerung mit Würde und Anstand repräsentieren und wer dies nicht wolle, der solle den Rat für immer verlassen, empfahl Steger. Als Gipfel der Würdelosigkeit empfand er den Vorschlag "Dr. Yvonne Kempen Boulevard".

Hier machten diejenigen die kürzlich verstorbene Bürgermeisterin "verächtlich", die deren Abwahl mit allen Mitteln betrieben hätten. Seiner Meinung nach sei dies "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener". Er forderte, den Straftatbestand zu prüfen. "Es ist eine Unverschämtheit, so etwas vorzulegen", war die Meinung von CDU-Fraktionschef Kurt Wachsmuth zu den Vorschlägen der UWG.

"Meinen Sie das ernst?", fragte Raimund Schink (CDU), und der Merler Ortsvorsteher Reinhard Diefenbach (BfM) fand, dass die Vorschläge an "Unverfrorenheit" nicht zu überbieten" seien. Sie beleidigten einen großen Teil der Meckenheimer Bürger. Auch er forderte die UWG-Fraktion auf, "geschlossen ihre Mandate zurückzugeben".

CDU, BfM und FDP hatten angeregt, den kürzlich verstorbenen Merler Ortsvorsteher Heinz Gottschalk als Namensgeber für die Steinbücheler Erschließungsstraße zu wählen. Dieser Vorschlag setzte sich schließlich gegen vier Stimmen aus UWG und SPD durch. Die SPD hätte einen neutralen Straßennamen wie "Am alten Tennenplatz" bevorzugt.

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