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Meckenheimer Pfarrer rechnet täglich mit dem Urteil

Meckenheimer Pfarrer rechnet täglich mit dem Urteil

Gut 12 000 Katholiken leben im Seelsorgebereich Meckenheim, Michael Jung ist einer von ihnen. Bis heute ist sein Streit mit dem Kölner Erzbischof und Kardinal, der im September 2008 vorläufig in seiner Amtsenthebung gipfelte, nicht beigelegt.

Meckenheim. (agi) Gut 12 000 Katholiken leben im Seelsorgebereich Meckenheim, Michael Jung ist einer von ihnen. Privat, zurückgezogen, unbehelligt. "Ich war ganz froh, dass ich in den vergangenen Monaten Ruhe hatte", sagt der einstige leitende Pfarrer.

Sein bis heute nicht beigelegter Streit mit dem Kölner Erzbischof und Kardinal, der im September 2008 vorläufig in seiner Amtsenthebung gipfelte, hatte lange in den fünf Gemeinden zwischen Wormersdorf und Lüftelberg für heftige Diskussionen und bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Angeblich hatte Jung sich nicht angemessen dem Kardinal und dem Generalvikariat gegenüber verhalten. Er hatte sich gewehrt, vor Zivilgerichten und innerkirchlichen Instanzen, zuletzt vor der Apostolischen Signatur in Rom. Das höchste Gericht der katholischen Kirche nahm vor einem Jahr seine Klage an - seitdem wartet der 44-Jährige.

Zwischenbescheide und -urteile reicht ihm sein beim Vatikan zugelassener Anwalt zusammengefasst weiter. "Ich bekomme keine Akteneinsicht. Und mein Anwalt darf mir auch nichts wörtlich übermitteln, sondern nur summarisch", erklärt Jung den Unterschied zu zivilen Prozessen.

Nun rechne er fast täglich mit dem Urteil aus Rom, doch er mache sich keine großen Hoffnungen, dass der Spruch der Apostolischen Signatur dem Amtsenthebungsbeschluss des Kölner Kardinals Joachim Meisner widerspreche, sagt er. In der Wartezeit hat er aber offenbar nichts von seiner Entschlossenheit verloren, die aus der Gewissheit entspringt, im Grunde Recht zuhaben. Stets hat er betont, es gehe ihm ums Prinzip.

"Wir haben ein Problem: Kein Priester im Generalvikariat kennt die heutige Wirklichkeit in so einem Seelsorgebereich", sagt er nun. Die Aufgaben der leitenden Pfarrer würden immer komplizierter und aufwändiger. Im Fall des Bornheimer Pfarrers Werner Kauth, den der Kardinal des Amtes als leitender Pfarrer enthoben und auf eine Pfarrvikarstelle in Bedburg versetzt hat (der GA berichtete), sieht er Parallelen.

Dies sei Einschüchterung durch das generalvikariat. Zumal Kauth betont haben soll, er gehe nicht freiwillig. Christoph Heckeley, Pressesprecher des Erzbistums, betonte am Donnerstag auf Anfrage, die Versetzung Kauths sei mit dem Pfarrer einvernehmlich abgestimmt. Er könne an seiner neuen Stelle mehr seelsorgerisch wirken. Zur Causa Jung konnte Heckeley nichts Neues berichten.