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Palermo in Bonn

Palermo in Bonn

Kommentar

Sie haben Geld, sie haben Macht, und wer ihnen ihr Geld und ihre Macht nehmen will, der lernt sie kennen: die Mafia und den Schlüssel zu ihrem Erfolg - die Angst. Wer sich mit ihr anlegen will, ist gut beraten, sich zu schützen, koste es was es wolle. Und wer sich mit ihr von Amts wegen anlegen muss, wie zurzeit die Ermittler und Richter im Bonner Drogenprozess, der hat Anspruch auf jeden Schutz. Denn sie alle, ungeachtet der Rangordnung, halten ihren Kopf hin für die Aufrechterhaltung eines Rechtsstaates, in dem (noch) nicht die Angst das Handeln bestimmt.

Kaum nachvollziehbar ist deshalb die Entscheidung verantwortlicher Entscheidungsträger in höheren Etagen, sehenden Auges ein solches Risiko einzugehen. Über die Gründe kann man nur spekulieren: Vielleicht nehmen sie die Gefahr nicht ernst, vielleicht sind es auch finanzielle Gründe. Sollte es tatsächlich um Geld gehen, wäre das fatal: Denn auf dem Feld ist das organisierte Verbrechen immer im Vorteil. Die logische Konsequenz wäre: Der Staat lässt die Finger von diesen Banden, schiebt ausländische Mafia-Mitglieder ab - und nimmt in Kauf, dass sie in Scharen zurückkommen in das Land, das ihnen nichts tut. Das wäre dann nicht weit entfernt von einer anderen "Lösung": Drogenhandel wird straffrei gestellt, der Händler wird als Unternehmer behandelt und zahlt brav seine Steuern.

Doch solange die Regierenden vollmundig einen energischeren Kampf gegen die Organisierte Kriminalität verkünden, sollten sie auch die schützen, die an vorderster Front kämpfen. Koste es, was es wolle.

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