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Podiumsdiskussion des GA: "Bad Honnef hat beste Chancen"

Podiumsdiskussion des GA: "Bad Honnef hat beste Chancen"

Stirbt Bad Honnef aus? Diese Frage stand im Zentrum der Podiumsdiskussion, mit der am Donnerstagabend im "Haus im Turm" der GA-Ortstermin endete. Die Beantwortung hängt von vielen Faktoren ab.

Wird genug getan für den Zuzug junger Familien? Wie steht es um die Förderung der Wirtschaft? Und welchen Stellenwert haben Angebote für Jung und Alt? Unter der Leitung von Annette Claus, Chefreporterin der Redaktion Siebengebirge, schlugen Podiumsteilnehmer und Zuhörer in der Debatte einen großen Bogen.

In Anwesenheit von rund 50 Zuhörern trat Bürgermeisterin Wally Feiden dem Eindruck entgegen, Bad Honnef altere überproportional: Beim Bevölkerungswachstum habe sich die Stadt "gefangen". Und der Anteil der Senioren steige geringer als in den anderen 18 Kreis-Kommunen. Gleichwohl, der demografische Faktor wirkt: Ein Viertel der hier lebenden Menschen ist heute 65 Jahre und älter, kreisweit sind es 20 Prozent, so die Statistik. Laut Bertelsmann-Studie werde 2030 sogar jeder dritte Einwohner über 65, jeder zweite über 55 Jahre alt sein, ergänzte Kreis-Wirtschaftsförderer Hermann Tengler.

Und stirbt Bad Honnef nun aus?

Nein, hieß es, und dass schon viel geschehen sei. Genannt wurden auch im Plenum etwa die Kinder-Betreuung, hier nicht zuletzt durch private Initiativen, eine Beendigung des "stiefmütterlichen Daseins" von Aegidienberg, das Bemühen um die Entwicklung der Schullandschaft. Nur Lob gab es für das hohe ehrenamtliche Engagement. Auch generell gelte, so Tengler: "Honnef hat beste Chancen für eine gute Entwicklung. Hier wird zu viel in Pessimismus gemacht." Aber: Man dürfe auch nicht ruhen.

"Entscheidender Faktor" für die Zukunft werde sein, wie viele Menschen sich neu niederlassen, so Tengler. Problem: Honnefs schöne Lage zwischen Berg und Rhein bedingt den Mangel an Entwicklungsfläche. Umso positiver seien die Realisierung des Baugebietes Höhe-Rottbitze sowie die Planungen für das Floßweg-Areal und das Selhofer Feld, betonte Feiden. Bad Honnef sei teuer, sagte Roman Gisbertz, 21 Jahre alt und sehr aktiv im Stadtjugendring. Zu teuer. Angebote für die Jugend fehlten. "Sehen Sie Ihre Zukunft hier?", fragte Annette Claus.

"Eher nicht, notgedrungen." "Eine lebenswerte Stadt braucht eine lebendige Wirtschaft", leitete Staatssekretär a.D. Friedhelm Ost ein anderes Thema ein. Und kritisierte unter dem Beifall vieler Zuhörer, es fehle an "innovativer Dynamik". Feiden zitierte positiv einen Wert aus dem städtischen Jahresabschluss 2011: Elf Millionen Euro Gewerbesteuer seien Beleg für die prosperierende Wirtschaft. Und Verdienst der Wirtschaft, konterte Ost. Den Eindruck, dass Honnef mehr Wohn- denn Arbeitsstätte ist, bestätigte Zuhörer Wilhelm Strohmeier, früherer Verwaltungsleiter der Rhein-Klinik: Von 140 Beschäftigten wohnten 25 hier. Und das Gros der Honnefer pendele aus, so Tengler.

"Alle Generationen sind wertvoll"

Diese Bemerkung von Ost machten sich alle Teilnehmer zu eigen. Ebenso die Tatsache, dass die ältere Generation nicht nur ein Wirtschaftsfaktor ist, sondern weit mehr: Ein Gewinn für die Jugend, die nicht minder wichtige zweite Seite der Medaille. Markus Jeß, Geschäftsführer der Diacor, die Seniorenstifte, einen Kindergarten und ein Familienzentrum betreibt und beides in Selhof noch enger verzahnen will: "Hier gibt es sehr viel Potenzial, man muss es nur nutzen." Oder, so Feiden: "Durch die Alten die Jungen halten."