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Politiker besiegeln das Aus für die Lehranstalt Ahrweiler

Politiker besiegeln das Aus für die Lehranstalt Ahrweiler

Kabinett in Mainz beschließt die Agrarverwaltungsreform - Noch Hoffnung für die Domäne

Kreis Ahrweiler. Am Dienstag stimmte der Ministerrat in Mainz dem von Landwirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage vorgelegten Konzept für die Neuorganisation der Agrarverwaltung zu. Damit verbunden ist auch das Aus für die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt Ahrweiler (SLVA).

Was aus den Gebäuden und Versuchsflächen an der Walporzheimer Straße in Bad Neuenahr-Ahrweiler wird, ist noch offen, wie der Vorsitzende das Bauern- und Winzerverbandes Kreis Ahrweiler, Hans Boes gegenüber dem GA berichtet. Noch einen Hoffnungsschimmer hat er für die Fortführung der Weinbaudomäne Marienthal - womöglich in anderer Form.

Das Land begründet die Agrarverwaltungsreform einerseits mit dem Gebot zum Sparen, andererseits mit der Tatsache, dass die Zahl der Landwirte sich landesweit in nur zehn Jahren um 40 Prozent auf knapp 31 000 verringert hat. So sieht der Minister durch den Kabinettsbeschluss "die Weichen für eine effiziente Agrarverwaltung gestellt". Mit weniger Aufwand solle ein qualifiziertes Dienstleistungsangebot für den ländlichen Raum erhalten bleiben.

Nach dem Beschluss wird es in Rheinland-Pfalz künftig sechs selbstständige "Dienstleistungszentren für den ländlichen Raum" (abgekürzt: DLR) geben. Ansprechpartner für Landwirte im Kreis wäre das DLR Westerwald/Maifeld mit Sitz in Montabaur und einer Außenstelle in Mayen.

Die gesamte Obstbauberatung dagegen zieht über die Landesgrenze nach Klein-Altendorf in die Versuchsanlagen der Uni Bonn. Die Kooperation mit der Uni ist beschlossen. "Wir wollen die Zusammenarbeit nicht gefährden und hoffen, dass das Land das Geld bereitstellt", sagt Boes.

Noch nicht beschlossen sei, ob Klein-Altendorf dem neuen DLR in Oppenheim oder dem in Neustadt/Weinstraße unterstellt werde. Für Boes stellt sich die grundsätzliche Frage, ob derartige Einrichtungen überhaupt Einfluss auf Forschungseinrichtungen in Verbindung mit einer Universität nehmen oder diese sogar beaufsichtigen können. "Das Land legt Wert darauf, die Einrichtung zu beaufsichtigen, das ist nicht nach meinen Wünschen, aber es ist auch nicht zu ändern", sagt er.

Das Areal an SLVA an der Walporzheimer Straße sollte auch künftig für Forschung und Versuchswesen im Pflanzenbau genutzt werden, hofft Boes. Pläne seien zusammen mit Landrat Jürgen Pföhler und dem Bundestagsabgeordneten Dieter Thomae (FDP) gemacht worden, erste Projekte hätten sich aber zerschlagen. Ein Handicap sei die hohe Miete, die die landeseigene Landesbaugesellschaft verlange. Kontakte habe es etwa mit der Biologischen Bundesanstalt gegeben, aber die gehe voraussichtlich nach Bernkastel oder Trier. "Wir suchen jemanden der die Gebäude übernimmt", sagt Boes.

"Noch offen" sieht der Vorsitzende des Bauern- und Winzerverbandes die Frage um die Zukunft der Domäne Marienthal. Sein Vorschlag ist eine Kooperation mit der Uni Bonn, ähnlich dem Obstbau. "Wir bringen kein Verständnis dafür auf, dass das Versuchswesen für den Rotweinanbau in Steillagen nach Bernkastel verlagert werden soll, wo weder Gebäude, noch Personal noch Flächen für Rotwein vorhanden sind", sagt Boes. "Ich verstehe nicht, dass die staatliche Beratung von einem hochwertigen Rotweinstandort abgezogen wird."

Wichtig ist für Boes außerdem, dass die 18 Hektar Rebfläche der Domäne von der Landesbaugesellschaft nicht an Auswärtige verpachtet werden. "Wir können uns nicht für jeden Bauern einen Berater leisten und sehen die Notwendigkeit einer Agrarverwaltungsreform ein", sagt Boes. Gravierendes Problem der Reform sei allerdings, "dass zunächst die Standortfrage und erst danach die Sachfragen geklärt wurden". Der richtige Weg wäre seiner Meinung nach anders herum gewesen.