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Schützenfest in Ahrweiler: Regenten trotzen dem Regen

Schützenfest in Ahrweiler : Regenten trotzen dem Regen

Edgar Flohe ist neuer König der Ahrweiler Bürger-Schützen, Christoph Holzberger Majestät der Junggesellen.

Drei Böller verkündeten am Sonntag um 16.56 Uhr aus dem verregneten Ahrweiler Tal der Altstadt: Ahrweiler hat einen neuen Bürger-Schützenkönig. Es ist Edgar Flohe, bisheriger Zugführer des Hauptmannsgliedes aus Walporzheim.

Der 63-Jährige Tischlermeister hatte nach der Kür durch den Verwaltungsrat der 1403 erstmals erwähnten Bürger-Schützen in der Quarzkaul oberhalb des Klosters Calvarienberg mit dem 48. Schuss den Königsvogel von der Stange gefegt. Durch das Spalier seiner Kameraden wurde er ins Schützenzelt geleitet, wo er von Hauptmann Willi Busch für die nächsten drei Jahre zur Majestät der mehr als 700 Mitglieder zählenden Gesellschaft proklamiert wurde.

Die Insignien, das Jahunderte alte Königssilber, und das Zepter erhielt Flohe von seinem Vorgänger Hans-Georg Klein. Besonderheit des neuen Königs: Mit Flohe ist nach 20 Jahren wieder ein Offizier und Handwerksmeister Regent der Gesellschaft. Und wird wie damals Peter Palm wohl als "Regenkönig" in die Geschichte Ahrweilers eingehen. Doch Regen spielt für die Schützen keine Rolle. Hauptmann Busch zum GA: "Wenn wir nass werden, dann werden wir eben nass. Es ist nie eine Frage des Wollens, wir tun's einfach." Und Oberleutnant Marc Adeneuer frotzelte: "Regen spart Geld, denn die Rosen am Revers halten bis Fronleichnam."

Hans-Georg Klein und dem scheidenden Junggesellen-Schützenkönig Thomas Holzberger hatte am Vorabend der Große Zapfenstreich der beiden großen Ahrweiler Schützengesellschaften auf dem Marktplatz gegolten. Dessen Stabführung hatten Bürger-Tambourmajor Jürgen Schmitz und sein Junggesellen-Pendant Bastian Friedrich inne. Den Bläser-Part hatte die Musikvereinigung Bad Neuenahr-Ahrweiler inne.

In ganz anderer Funktion tauchte dann Bastian Friedrich (25, Student) aus der Niederhut am Sonntagnachmittag auf. Er und Christoph Holzberger (27, Betriebswirt), Bruder der scheidenden Majestät aus der Adenbachhut, traten im Schießstand mit den 16-Millimeter-Büchsen um die Königswürde der Junggesellenschützen an. Diese ermitteln ihren König im Gegensatz zu den Bürgern jährlich im Wettstreit.

Es dauerte lange 200 Schuss, bis schließlich um punkt 19 Uhr drei Böller im Regen verhallten und das Glockengeläut von Sankt Laurentius einsetzte. Ihr Signal: Der Königsadler der 400 Jahre alten Junggesellen-Schützengesellschaft ist erlegt. Neuer König ist Christoph Holzberger. Der Holz-Vogel hatte sich als sehr zäh erwiesen. Zuletzt mussten die Kandidaten auf eine "Streichholzschachtel" anlegen. Hauptmann Peter Ropertz proklamierte die neue Majestät, das Königssilber übergab Thomas Holzberger an seinen Bruder. Auch geschichtsträchtig, denn dass Brüder sich als Könige ablösen, gab es zuletzt im 19. Jahrhundert.

Dramatik am Rande: Bereits um 18.55 Uhr hatten Böller nach einem Schuss auf den kleinen Rest des Vogels gekracht. Leider voreilig, denn es war ein Fehlalarm.

Begonnen hatte das Schießen beider Gesellschaften um 15.56 Uhr mit dem ersten Schuss von Hauptmann Willi Busch. Seit 1844 legt jeweils der oberste Schütze stellvertretend für den Landesherrn als Erster an. Heute für die Bundesrepublik Deutschland.

Am Abend zogen dann die Gesellschaften mit ihren neuen Regenten zur Ahrweiler Königshymne "Tochter Zion" unter dem Festgeläut von Sankt Laurentius vorbei an einem Fackelspalier durch das Ahrtor in die Altstadt ein. Ungezählte Zuschauer und Fans gratulierten den Königen mit Blumen und Beifall.

Am Niedertor begann dann die "Nacht der Nächte". Beim Historischen Trinkzug, der am Morgen irgendwann gegen 8 Uhr enden wird, waren die Bürger an ihren Häusern Gastgeber ihrer Schützen und tranken auf das Wohl der Vaterstadt.