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Rheinische Redensarten: Hück maach isch ne kölsche Wisch

GA-Serie „Rheinische Redensarten“ : Hück maach isch ne kölsche Wisch

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen. Dieses Mal: Hück maach isch ne kölsche Wisch.

Es gibt Menschen, die es mit der Sorgfalt ernst nehmen und die anderen. Ideal wäre da vielleicht ein Mischform. Einer, der genau erfasst, wann die eine und wann die andere Grundhaltung angebracht ist. Natürlich kann man jeden Handgriff — und sei es noch die Kleinste — in vollster Perfektion ausführen. Wer das tut, dem unterstellen die Psychologen allerdings, vom eigenen Gewissen dominiert zu sein. Man ist dann nicht in der Lage, mal Fünfe gerade sein zu lassen.

Besonders Frauen scheint das Probleme zu bereiten. Anders ist es nicht zu erklären, dass das Frauenzentrum Troisdorf aktuell ein Seminar anbietet, „um mit Perfektionismus besser umzugehen“. Der Werbetext lautet: „An drei Terminen soll den Teilnehmerinnen zu einem selbstwertschätzenden Umgang mit sich selbst geholfen werden.“ Das ist doch mal ein anständiges Anliegen.

Das bedeutet also geschlechterneutral formuliert: Wer von seinen Pflichten absehen kann und auf seine Arbeit-Leben-Balance achtet, der fördert sein Selbstwertgefühl.

Und genau an dieser STelle kommt die rheinische Redensart ins Spiel: „Hück maach isch ne kölsche Wisch.“ Der Satz ist mitten aus dem Leben gegriffen und dient Hausfrau oder Hausmann, um anzudeuten, dass sie oder er es heute mal mit dem Hausputz nicht ganz so ernst nehmen wird und nur ein bisschen oberflächlich wischt, ohne mit dem Mopp ganz akkurat in die Ecken und unter die Möbel zu fahren. Die hochdeutsche Übersetzung wäre: „Heute putze ich mal nicht so intensiv.“

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum eine laxe, nachlässige Handhabung ausgerechnet mit dem Adjektiv „kölsch“ übersetzt wird? Kann es tatsächlich sein, dass dem Kölner eine Laissez-faire-Einstellung gegenüber den Alltagsdingen zugeschrieben wird? Und gilt das auch für andere Bereiche?Die Antwort muss lauten: Ja! Ganz klar: Ja! Denn der Rheinländer ist eine Virtuose der Lebenskunst. Er ist sich im Klaren darüber, dass übermotivierter Aktionismus viel zu anstrengend ist, als dass er zum Lebenskonzept werden sollte.

Der General-Anzeiger und der Verlag Lempertz haben die neuesten Kolumnen von Jörg Manhold unter dem Titel „Rheinisch für Fortgeschrittene — Handbuch der rheinischen Lebensart“ veröffentlicht. Das Buch ist ab sofort im Handel für 9,99 Euro erhältlich.