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Römer schmiedeten Schwerter aus Ahrweiler Erz

Römer schmiedeten Schwerter aus Ahrweiler Erz

Stadtmuseum und Kreisvolkshochschule bieten mit Wissenschaftlern in einer Reihe viele Informationen über die Eisenschmelzersiedlung auf Godenelter an

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Wer an die Römer im Ahrtal denkt, dem fällt die Römervilla ein, jenes 1980 bei Bauarbeiten für die B 267 angebaggerte Herrenhaus des zweiten Jahrhunderts am Ahrweiler Silberberg. Während zehnjähriger Ausgrabungen wurde der Sensationsfund freigelegt, und im Museum über dem Grabungsort haben seit 1993 unzählige Besucher die gehobene römische Wohnkultur kennen gelernt. Aber zu den wertvollen antiken Hinterlassenschaften gehört auch eine römische Eisenschmelzersiedlung auf Godenelter im Ahrweiler Wald, die, 1955 von Heimatforschern entdeckt, zwischen 1958 und 1965 von der Universität Bonn unter Leitung von Professor Otto Kleemann wissenschaftlich ergraben wurde.

"Bei der acht Hektar umfassenden Anlage handelt es sich um die am besten erhaltenste dieser Art nördlich der Alpen", so Heike Wernz-Kaiser, Leiterin des Museums der Kreisstadt. Für sie Grund genug, das etwas in Vergessenheit geratene technische Denkmal mit der Ausstellung "Archäologie im Ahrtal - Römische Eisenverhüttung im Ahrweiler Wald" ins Bewusstsein zu rufen, zumal in diesem Jahr eine Dissertation zum Thema erschien.

Der Laienboden- und Luftarchäologe Andreas Schmickler war schon lange von der Technik der Eisenschmelze fasziniert. Ihm reichte es nicht, von den Eisenerzvorkommen im Ahrweiler Wald, den Pingen (Abbaustellen) und den 18 "Rennöfen" zu wissen, in denen dort einst das Eisen aus dem Erz geschmolzen wurde. Da nicht überliefert ist, wie diese Öfen funktionierten, befriedigten Schmickler und Fachleute ihre Neugier experimentell. Im rekonstruierten Lehmofen gewannen sie zuletzt tatsächlich eisenhaltige Luppe.

Die Museumsschau (12. September bis 2. Januar) wird diese Ergebnisse zusammen mit einer Ausgrabungsdokumentation und Objekten der archäologischen Museumssammlung vorstellen. Sie will nicht nur informieren, sondern auch auf die historische Anlage vor Ort sowie den "Eisenweg", einen gut ausgeschilderten Wanderpfad, aufmerksam machen. Deshalb bieten Museum und Kreisvolkshochschule "Ausstellung und Wanderung" kombiniert an.

Nach familienfreundlichen Führungen im Museum mit Imbiss geht''s per Sammeltaxi in den Wald und mit geführten Wanderungen zur Eisenschmelze: sonntags, 26. September, 10. Oktober, 7. und 21. November, 11 Uhr, sowie donnerstags, 21. und 28. Oktober, 10 Uhr.

Ergänzend zeigt das Rathaus die Ausstellung "Wandern auf historischen Straßen im Kreis Ahrweiler": Eisenweg, Wacholderweg, Köhler- und Loheweg (27. September bis 30. Dezember). Vorträge steuern zusätzlich eine geballte Ladung Römer-Wissen bei. Im Museum der Kreisstadt finden sie jeweils mittwochs um 19.30 Uhr statt. Am 13. Oktober spricht Axel von Berg über "Archäologie im Ahrtal - Neueste Forschungen", am 3. November heißt Hubert Ritzdorfs Thema "Die Ahr, das Ruhrgebiet der Römer?" und am 15. Dezember geht es mit Referent Peter Rothenhöfer um "Erfolgsgeschichten und Pleiten - das Ahrtal im Wirtschaftsgefüge des römischen Niedergermaniens".

Im Altbau der Kreisverwaltung berichtet Andreas Schmickler am Montag, 4. Oktober, über "Erzlagerstätten im Ahrweiler Wald" und Hubertus Ritzdorf am Dienstag, 9. November, über "Das Ende des römischen Lebens im Ahrtal", jeweils 19.30 Uhr.

Informationen unter der Telefonnummer (0 26 41) 41 08.