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Schulalltag im Rhein-Sieg-Kreis: Schnelltests stehen noch nicht zur Verfügung

Enges Zeitfenster : Probleme mit Schnelltests an Schulen im Rhein-Sieg-Kreis

Die vom Land geforderte Schnelltestung aller Schüler stellt die Schulen im Rhein-Sieg-Kreis vor große Probleme. Aktuell wurde noch fast keine Schule beliefert. Und einige Eltern wollen ihre Kinder nicht testen lassen.

Seit Montag läuft an den Schulen Nordrhein-Westfalens nach langer Pause der Wechselunterricht für alle Schüler. Dass die Bedingungen dafür angesichts einer anlaufenden dritten Pandemie-Welle nicht ideal sind, scheint unbestritten. In Düsseldorf setzt das Schulministerium deshalb auf das Zusammenspiel von Hygienemaßnahmen, Impfung der Lehrkräfte und Selbsttests der Schüler. Doch an der Umsetzung hapert es.

Nicht nur weil die Impfungen mit Astrazeneca bundesweit ausgesetzt wurden, sondern auch weil die von der Landesregierung versprochene Versorgung mit kostenlosen Schnelltests für Schüler noch auf sich warten lässt. „Da pro Schüler bis zu den Osterferien eine Testung vorgesehen ist, müssten wir rund 1500 Schnelltests erhalten“, sagt Wilhelm Meyer, Schulleiter des Gymnasiums CJD Königswinter. Angekommen ist – Stand Mittwoch – noch keine einzige. Letzter Schultag vor den Ferien ist aber bereits am Freitag kommender Woche.

Ein blauäugiges Versprechen

Die knapp bemessene Zeit stellt die Schulen auch wegen des Wechselunterrichts vor eine schwer zu bewältigende Herausforderung. „Wir haben Schüler, die sind nur diese Woche da und welche, die sind nur nächste Woche da“, erläutert Schulleiter Godehard Mai von der Gesamtschule Oberpleis. „Und wir haben jetzt Mittwochmittag. Da kann man sich ausrechnen, dass es sehr eng wird.“ Die Situation erweckt bei vielen Beteiligten den Eindruck, dass es zu blauäugig war, als das Schulministerium noch am Montag in einer Mail an die Schulen versprach, „dass jede Schülerin und jeder Schüler der weiterführenden Schulen vor den Osterferien jeweils einen Selbsttest durchführen kann“.

In Königswinter jedenfalls vertraut man nicht darauf und greift mittlerweile zur Selbsthilfe, um wenigstens die Abschlussstufe voll zu erfassen, die kurz vor den Abiturprüfungen steht. Aktuell wird die komplette Q2 des CJD deshalb mit sogenannten Spucktests getestet. Schulleiter Meyer: „Diese Tests haben die Eltern vor dem Hintergrund organisiert, dass wir die Q2 komplett in die Schule geholt haben.“ Sie würden von den Schülerinnen und Schülern zu Hause vorgenommen.

Lehrer üben das Testen

Auch im Schloss Hagerhof war bis Mittwoch noch keine Schnelltestlieferung eingetroffen. Aber man fühlt sich gut vorbereitet und will nach den Maßgaben vorgehen, die in der NRW-Schulmail skizziert sind, wie der stellvertretende Schulleiter Matthias Sieber erklärt. Demnach sollen sich die Lehrer erst einmal mit dem Verfahren vertraut machen.

 Eigentlich sollten alle Schüler die Möglichkeit bekommen, sich vor den Osterferien mit einem Schnelltest zu testen.
Eigentlich sollten alle Schüler die Möglichkeit bekommen, sich vor den Osterferien mit einem Schnelltest zu testen. Foto: dpa-tmn/Zacharie Scheurer

„Es ist vorgesehen, dass jeder Kollege einmal den Test selbst durchführt und dadurch die Handhabung kennenlernt. Da erfahrungsgemäß nicht alle Eltern einer Testung zustimmen, sollten trotz der Verwendung von Test durch Lehrer genügend Tests für Schüler zur Verfügung stehen“, erläutert Sieber. Und er ist sich sicher: „Jeder Schüler bekommt das Angebot eines Tests bis Ostern.“ Wie es nach den Ferien weitergeht, sei noch unklar.

„Was bringt schon ein einmaliger Test vor den Osterferien?“

CJD-Schulleiter Meyer sieht die Praxis, vor Ort zu testen, hingegen kritisch. „Ich persönlich bin der Meinung, dass wir das nicht hier in der Schule machen. Wir haben nicht die Voraussetzungen, beziehungsweise das Infektionsrisiko ist einfach sehr hoch, wenn alle ihre Masken abnehmen in einem Klassenraum.“

Ähnlich kritisch sieht das auch Stefan Rost, Schulleiter der noch im Aufbau befindlichen Erzbischöflichen Gesamtschule in Bad Honnef. Sie haben immerhin schon Testkits für die drei Realschulklassen erhalten. Das sind etwa 100 Sets. Für die mehr als 500 Gesamtschüler hingegen liegen noch keine Schnelltests vor. „Wir halten von dem ganzen Ansinnen des Ministeriums nicht sehr viel“, sagt Rost. „Was bringt schon ein einmaliger Test vor den Osterferien? Es müsste eigentlich täglich getestet werden, am besten zu Hause vor dem Unterricht.“

Dann würde ein positiver Schüler gar nicht erst in die Klasse kommen. Ihm erscheint es auch wichtig, dass ein positiv getesteter Schüler und seine Familie nicht allein gelassen, sondern begleitet werden. „Da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“ Derzeit prüfen sie an St. Josef, ob es möglich ist, ein Testzentrum in der Schule einzurichten. Eine Strategie, die zwar vom Land, das auf Selbsttests setzt, nicht unterstützt wird, aber auch in Königswinter auf Sympathie stößt. Meyer: „Eigentlich müsste man ein Testzentrum mit entsprechend geschultem Personal haben. Das ist alles noch nicht richtig ausgegoren.“

„Das wird dann wohl über Whatsapp verbreitet“

Ganz ähnlich sind die Probleme in Siegburg und Sankt Augustin: Da ist es wie beim Online-Shopping: Die Ankündigungs-E-Mail von DHL ist da, doch die Sendung wurde bisher nicht abgeholt oder befindet sich gar noch in Zustellung. So geht es Iris Gust, Schulleiterin der Alexander-von-Humboldt-Realschule in Siegburg. Nur, dass ihre Nachricht von DHL die Selbsttests für ihre Schülerinnen und Schüler ankündigt. „Es gibt kein verlässliches Datum, wann die Tests geliefert werden“, sagt sie. Die ersten Selbsttests sollen laut NRW-Schulministerium am Dienstag die Schulen erreicht haben.

Iris Gust habe über drei Stunden beraten, da sich mit den Selbsttests noch große organisatorische Fragen ergeben, welche die am Montag vom Ministerium verschickte Schulmail nicht beantwortet: Wie gehen die Schulen mit positiven Tests um? Kann es Lehrkräften zugemutet werden, die Tests anzuleiten? Ein Vater habe sich bei ihr nach der Privatsphäre und dem Datenschutz erkundigt, erzählt die Schulleiterin. An ihrer Realschule gelte die Sprachregelung, dass ein positiver Selbsttest ein Verdachtsfall und keine Erkrankung ist. „Aber die Schülerinnen und Schüler wissen ja, wenn jemand positiv getestet wurde. Das wird dann wohl über Whatsapp verbreitet.“

Kein Testangebot vor den Osterferien

An der Alexander-von-Humboldt-Realschule findet aktuell wochenweise Wechselunterricht statt. Aktuell ist Gruppe A in der Schule. Die Tests, so schätzt Gust, kommen vielleicht am Donnerstagnachmittag, eher am Freitag. „Dann wird Gruppe A kein Testangebot vor den Osterferien erhalten können“, sagt sie. „Wenn wir die Tests am Mittwoch bekommen hätten, wäre es kein Problem.“ So reiche die Zeit für die Vorbereitung aber nicht. Auch Grundschulen sind wohl erst nach den Ferien dran.

In der kommenden Woche sollen sich am Montag und Dienstag Schüler der Gruppe B selbst testen. Gust schätzt, dass etwa ein Drittel ihrer Schülerinnen und Schüler nicht am Test teilnehmen wird. Sie habe teils „heftige Rückmeldungen“ von Eltern erhalten. Manche wollen nicht, dass Lehrkräfte Tests an ihren Kindern durchführen – dabei wird das ohnehin nicht passieren. Andere Eltern sorgen sich, dass die Kinder sich in der Nase verletzen. Dennoch hält Gust die Selbsttests für eine „Chance, Infizierte herauszufischen“.

„Wir kriegen das hin“

Auch an der Fritz-Bauer-Gesamtschule in Sankt Augustin sind noch keine Schnelltests eingetroffen. Schulleiterin Stephani Overhage hofft, dass sie bis Ende der Woche ankommen. Geplant sei, am kommenden Montag und Dienstag für alle Schülerinnen und Schüler die Selbsttests anzubieten. Die jeweilige Klassenlehrkraft soll sie dabei anleiten. „Es wäre wünschenswert gewesen, die Tests früher zu haben“, sagt sie.

Mit der E-Mail des Ministeriums haben die Vorbereitungen an der Gesamtschule begonnen. So wurden Einmalhandschuhe und doppelwandige Mülltüten bestellt. Viele Eltern seien „sehr besorgt“, dass sich ihre Kinder anstecken – Sorgen, die auch das Lehrerkollegium teile. Es handelt sich zwar nur um einen Test vor den Osterferien – und „der kann nur eine Momentaufnahme sein“. Dennoch hält Overhage die Tests für richtig: „Das bringt Sicherheit und wirkt beruhigend.“ Die Schulleiterin geht davon aus, dass das Gros teilnehmen wird“. Bislang habe sie noch kein Widerspruchsformular der Eltern erhalten. Für die begleitenden Lehrkräfte gibt es Anleitungen und Videos, auch die Schülerinnen und Schüler sollen gut vorbereitet werden. „Wir kriegen das hin“, ist die Schulleiterin überzeugt.

Erste Tests vielleicht schon am Freitag

Ähnlich sind die Probleme in den linksrheinischen Schulen, wo noch nicht überall Selbsttests angekommen sind. Auf die Lieferung wartet etwa noch das Städtische Gymnasium Rheinbach (SGR). Schulleiter Stefan Schwarzer weiß allerdings bereits, in welchem Logistik-Center das Paket mit den Tests liegt und wann es dort zur Auslieferung abgeholt werden sollte.

Wie er dem GA schilderte, legte die Schulleitung fest: Falls die Selbsttest-Kits Donnerstag vor 14 Uhr in der Schule eintreffen sollten, könnten die Tests noch „konfektioniert“, also vorbereitet werden, um die Tests am Freitag durchführen zu können. Sollte die Lieferung allerdings später erfolgen, könnte erst am Montag getestet werden.

Schule will hohe Testbereitschaft erreichen

„Die Kollegen sind zu Recht deutlich verunsichert“, sagt der Schulleiter. „Wir wünschen uns, dass wir die Test-Kits zur Verfügung haben.“ Schwarzer betont, dass es ein großes Anliegen der Schule sei, die Testungen umzusetzen. „Auch um möglicherweise symptomfrei-infizierte Schülerinnen und Schüler feststellen zu können, sie nach Hause zu schicken und so weitere mögliche Infektionen anderer zu verhindern.“

Auf die Lieferung der Selbsttest wartet auch die Georg-von-Boeselager-Sekundarschule in Heimerzheim. „Wir sehen die Selbsttests positiv“, sagte Schulleiterin Sybille Prochnow Penedo dem GA. Auch aus dem Blickwinkel der Schüler. „Die Schülerschaft kann so aktiv einen Beitrag leisten und ist nicht einfach nur ausgeliefert.“ Da die Tests freiwillig seien, arbeite die Schule daran, über intensive Aufklärung der Eltern- und Schülerschaft eine hohe Testbereitschaft zu erreichen.

Meckenheimer Realschule hat bereits Tests

„Wir geben unser Bestes, um gemeinsam mit den Eltern eine Mitwirkung zu erreichen. Das ist wieder eine gemeinsame Aufgabe für Schule und Elternschaft“, sagt die Leiterin. Wenn es auch vor den Osterferien nur einen Test je Schüler gebe, sehe sie das als Lernprozess, um Erfahrungen zu sammeln und Rückmeldungen an die Bezirksregierung zu geben.

Erhalten hatte ihre Selbsttests am Mittwoch bereits die Theodor-Heuss-Realschule in Meckenheim, wie die Pressesprecherin der Stadt, Marion Lübbehüsen, auf Anfrage mitteilte. Laut dem Logistiker seien die Lieferungen für das Konrad-Adenauer-Gymnasium und die Geschwister-Scholl-Hauptschule bereits auf dem Weg. Details zu anderen weiterführenden Schulen in Meckenheim konnten diese kurzfristig nicht bereitstellen. Gleiches gilt für die Europaschule in Bornheim.