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Sexueller Missbrauch: "Da war nur noch Schweigen"

Sexueller Missbrauch: "Da war nur noch Schweigen"

Ob sich nach der Bekanntgabe des Missbrauchsfalls durch einen in den Jahren 1981 bis 1993 in Eudenbach tätigen Pfarrer weitere Opfer gemeldet haben, bleibt das Geheimnis des Erzbistums.

"Unsere Hotline unterliegt absoluter Vertraulichkeit. Das geschieht zum Schutze der Opfer", sagte Pressesprecher Christoph Heckeley. Man habe aus anderen Fällen gelernt, dass die Hürde für die Opfer ohnehin riesig hoch sei, sich an die Beratungsstelle zu wenden. Auf diese hatte Pfarrer Udo Maria Schiffers die Eudenbacher Gemeinde hingewiesen.

Zuvor hatte der leitende Pfarrer am vergangenen Sonntag in der Heiligen Messe in Sankt Mariä Himmelfahrt die ungeheuerliche Mitteilung gemacht, dass der 1996 verstorbene Pfarrer Joseph Weyler in den zwölf Jahren seiner Tätigkeit im Oberhau ein Kind sexuell missbraucht haben soll.

Schiffers wirkt seit einem Jahr an der Therapie und seelsorgerischen Begleitung des Missbrauchsopfers mit. Dessen Identität soll unbedingt anonym bleiben. Nach seinen Eindrücken aus der Therapie glaubt Schiffers, dass es sich um einen Einzelfall gehandelt habe. "Aus meiner Kenntnis dessen, was passiert ist, gehe ich davon aus, dass es nur einen Menschen betrifft. Aber man weiß es natürlich nicht", sagt er.

Schiffers hatte die Eudenbacher Feuerwehr in der Messe am Sonntag aufgefordert, trotz der schockierenden Nachricht im Anschluss ihr Barbarafest zu feiern. "Ich wurde dort nur nach meiner Israelreise im November ausgefragt", sagt er. In den Tagen danach erlebte der Pfarrer zum Teil jedoch eine tiefe Betroffenheit bei den Gemeindemitgliedern, berichtet er dem General-Anzeiger.

"Es gibt aber auch Leute, die mich wegen der Veröffentlichung anschießen." Ekkehart Klaebe, der die Gemeinde Eudenbach im Pfarrgemeinderat vertritt, erwartet von diesem Gremium keine besonderen Maßnahmen. Er weist darauf hin, dass der Pfarrgemeinderat für alle fünf Gemeinden der Pfarreiengemeinschaft zuständig sei und nur zwei Eudenbacher Mitglieder habe.

Auch Klaebe hat eine "sehr starke Betroffenheit" bei den Gemeindemitgliedern, die Weyler gekannt haben, registriert. Jüngere Gemeindemitglieder seien dagegen schnell zur Tagesordnung übergegangen. Er selbst arbeitete als damaliger Vorsitzender des Pfarrgemeinderates sehr eng mit Joseph Weyler zusammen. "Mein Verhältnis zu ihm war nicht besonders gut. Es war schwierig mit ihm, wenn man nicht ganz seine Vorstellungen teilte", sagt er.

Bei vielen anderen Gemeindemitgliedern habe Weyler jedoch "als jovialer, auf die Menschen zugehender und beliebter Pfarrer gegolten". Klaebe ist weniger zuversichtlich als Schiffers, dass es sich um einen Einzelfall handelt. "Wenn so etwas einmal vorgekommen ist und es funktioniert hat, ein Kind zum Schweigen zu bringen, warum soll er es da nicht noch ein zweites oder drittes Mal versucht haben?", meint er.

Kirchenvorstand Josef Göbel ist durch den Missbrauchsfall in doppelter Hinsicht betroffen. Seine beiden Söhne gingen bei Weyler zur Kommunion, er selbst war unter dem Pfarrer zehn Jahre Kommunionhelfer und ist seit 30 Jahren in Eudenbach Lektor. "Wir haben jeden Sonntag am Altar zusammengestanden."

Im Kirchenvorstand habe absolute Fassungslosigkeit geherrscht, als dieser über den Fall informiert wurde. "Da war nur noch Schweigen im Raum." Dass die Tat lange zurückliegt, hält er für eine Chance. "Vielleicht können wir sie so verarbeiten." Nur durch einen Zufall wurde der Fall öffentlich. Ein Bürger hatte sich an Bürgermeister Peter Wirtz mit der Bitte gewandt, das nach Weyler benannte Straßenschild entfernen zu lassen.

Wirtz ließ die Schilder bereits am Montagmorgen abmontieren. "Ich weiß nicht, ob überhaupt ein neuer Straßenname notwendig ist. Das ist doch nur ein Feldweg, an dem niemand wohnt, so dass es auch keine postalischen Probleme gäbe", meint Klaebe. Der Bürgerverein Eudenbach hat bereits den Namen "Am Friedhof" vorgeschlagen. Am Montag entscheidet nun der Stadtrat über die Umbenennung der Straße, die bisher Pfarrer Weylers Namen trug.

Ansprechpartner für Missbrauchsopfer beim Erzbistum Köln: Prälat Robert Kümpel unter der Rufnummer (0221)16421480 und Christa Pesch unter der Rufnummer (0221)1642234.