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Unkeler Haus aus dem Jahr 1700 soll weichen: Abriss von Fachwerkhaus in Unkel ist beschlossen

Unkeler Haus aus dem Jahr 1700 soll weichen : Abriss von Fachwerkhaus in Unkel ist beschlossen

Das neu gegründete Bürgerforum Historische Altstadt Unkel setzt sich für Erhalt des 1700 erbauten Geschäftes im Zentrum ein. Der Rat hatte im März beschlossen, dass der marode Bau abgerissen werden darf.

Viele schöne alte Gebäude zieren die Unkeler Altstadt. Jedoch nagt an manchen historischen Häuser unerbittlich der Zahn der Zeit, wieder andere werden schlicht vernachlässigt. Eines dieser historischen Gebäude in der Unkeler Altstadt ist das sogenannte Mies-Haus an der Frankfurter Straße. Ein neu gegründetes „Bürgerforum Historische Altstadt“ will den Abriss des 1700 gebauten Fachwerkhauses verhindern.

Das Bürgerforum ist laut eigener Definition „eine überparteiliche Aktionsgemeinschaft von Unkeler Bürgerinnen und Bürgern, die verhindern wollen, dass durch Gleichgültigkeit oder Unverstand das charakteristische Erscheinungsbild der Unkeler Altstadt weiter beeinträchtigt wird“, so die Definition. Das Bürgerforum wolle durch Vorschläge und Initiativen dazu beitragen, Lösungen für bestehende oder zukünftige Sanierungsprobleme zu erarbeiten. Durch Aktionen, öffentliche Stellungnahmen sowie Informations- und Diskussionsveranstaltungen möchte die Gruppe erreichen, dass das Bewusstsein für den Erhalt der historischen Bausubstanz geschärft wird.

Der aktuelle Anlass das Forum zu gründen, ist ein Beschluss des Unkeler Stadtrates. Am 23. März dieses Jahres hatte das Gremium mit den Stimmen von SPD und Grünen entschieden, dass das Mies-Haus abgerissen werden dürfe, um einen möglichen Neubau zu ermöglichen. Die CDU und die Freien Wähler hatten sich gegen die Billigung der Bauvoranfrage zum Abriss ausgesprochen.  Die Auflistung der neun Gründungsmitglieder des neuen Vereins ist gespickt mit Ratsmitgliedern aus CDU und Freien Wähler-Gemeinschaft (FWG), darunter Wolfgang von Keitz, Chef der Unkeler Christdemokraten, stellvertretender Fraktionssprecher, der Unkeler CDU-Pressesprecher Alfons Mußhoff, Vizeparteichef Knut von Wülfing, die örtliche Mitgliederbeauftragte der CDU, Daniela Görken-Bell, sowie Daniel Schmitz von der Fraktion der FWG.

Aus Sicht des Bürgerforums sei es unverständlich, warum sich sie Ratsmehrheit nicht an die „Satzung der Stadt Unkel über die Gestaltung und den Schutz des Ortsbildes“ gehalten habe. In dieser Satzung, die der Rat bereits im März 1977 beschlossen hatte, um das historische Stadtbild von Unkel der Nachwelt zu erhalten, sei die „Bewahrung kultur- und baugeschichtlicher Objekte und die Wahrung der Gestaltung des gewachsenen ortstypischen Stadt- und Straßenbildes der Stadt“ als Ziel formuliert. Die Gebäude, die aus damaliger Sicht „einem besonderen Schutz“ unterliegen, sind seinerzeit in einer Liste aufgeführt worden. In dieser Auflistung ist auch das Haus der ehemaligen Drogerie Mies in der Frankfurter Straße 42 aufgeführt.

„Eine Begründung, warum man der Satzung nicht folgen wolle, und warum eine Sanierung oder eine historische Wiederherstellung des Gebäudes nicht möglich sei, wurde nicht gegeben“, erklärte von Keitz im Namen des Bürgerforums. „So kann es nicht weitergehen, wenn wir die historische Altstadt nicht Stück für Stück verlieren wollen. So wird es aber weitergehen, wenn wir Bürger uns nicht gegen diese verfehlte Baupolitik in der historischen Altstadt wehren“, sagte von Keitz weiter.

Fachwerkhaus war einst

Geschäft, Drogerie oder Café

Besonders erhaltenswert sei das Haus, weil es über eine lange und bewegende Geschichte verfüge: Das um 1700 erbaute, im 19. Jahrhundert verputzte Fachwerkhaus gehörte laut Bürgerforum einem wohlhabenden Händler, denn hinter dem Mansarddach befand sich ein hoher, zweistöckiger Dachboden. Die Familie des jüdischen Geschäftsmanns Robert Mayer betrieb in dem Haus ab 1822  einen Kolonialwarenladen und eine Drogerie. Dessen zweitjüngste Tochter Julie Levy übernahm das Geschäfts als „Drogerie, Colonial-, Manufaktur- u. Kurzwaren-Handlung, Tabak und Cigaretten“. Sie war Ehefrau des Stadtsekretärs Jonas Levy, der das Bürgermeisteramtsbüro leitete. 1907 erwarb Carl Mies die Drogerie. Mitte der 1980er Jahre kaufte der Hotelier Horstmann das Anwesen. Etwa zehn Jahre lang betrieb die daneben liegende Bäckerei Reupke in dem Haus das Eiscafé „Don Camillo“. Das musste 2018 schließen, da das Mies-Haus in keinem guten Zustand mehr war.