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Alliierte treffen auf heftigen Widerstand: Als der Krieg das Siebengebirge erreichte

Alliierte treffen auf heftigen Widerstand : Als der Krieg das Siebengebirge erreichte

Ab dem 7. März marschierten die Amerikaner zwei Wochen lang durchs Siebengebirge und trafen auf zum Teil heftigen Widerstand. Die Menschen suchten Schutz in Ofenkaulen und Bergwerken.

Mit dem 7. März 1945, als die Amerikaner den Rhein über die noch intakte Ludendorff-Brücke bei Remagen überqueren, erreicht der Krieg, den Nazideutschland zuvor lostrat, endgültig auch die Menschen im Siebengebirge. Bereits am 22. April 1944 hatte ein schwerer Luftangriff Königswinter getroffen. Ziel war vermutlich das Lemmerzwerk. Getroffen wurden jedoch benachbarte Wohnviertel und die Longenburg. Auch das Hotel „Berliner Hof“ in der Altstadt wurde vollständig zerstört. 54 Zivilisten starben.

Bis zum März 1945 häufen sich danach die Angriffe alliierter Jagdbomber, gegen die häufig jugendliche Flakhelfer eingesetzt werden. Mit dem Heranrücken der Front wächst die Gefahr für die Zivilbevölkerung durch den intensiven Beschuss beider Seiten. Nach dem 7. März werden von deutscher Seite noch einmal letzte Reserven aufgeboten, um die Ausweitung des amerikanischen Brückenkopfes zu verhindern.

Die Königswinterer suchten vor dem Artilleriebeschuss der Amerikaner vom linken Rheinufer Schutz in den Ofenkaulen. Foto: National Archives, Washington/USA

Dabei kämpft für die US-Armee im Siebengebirge die berühmte 1. Infanteriedivision, die den Namen „The Big Red One“ trägt. Die Soldaten mit der großen roten Eins auf der Schulterklappe erreichten als Erste England und waren auch die ersten, die am D-Day im Juni 1944 in der Normandie landeten. Auf ihrem Weg von der Remagener Brücke Richtung Ruhrgebiet marschierten sie dann durchs Siebengebirge.

Am 9. und 10. März treffen die Amerikaner in Bad Honnef auf deutschen Widerstand, der sich im Kurgarten, an der Linzer Straße, an der Ecke Hauptstraße/Kreuzweidenstraße und am Feuerschlösschen verschanzt hat und machen ihn nieder. Die Zivilbevölkerung sucht Schutz in den Kellern. Der „Gesichtskreis jedes Einzelnen ... ging in diesen Tagen nicht viel weiter ... (als) die eigenen Kellermauern“, heißt es in einem nach dem Krieg erschienenen Bericht der Honnefer Volkszeitung. In Rhöndorf schickt Volkssturmführer Profittlich seine Leute nach Hause. Der Sprengsatz, der die Eisenbahnbrücke am Steinchen zerstören soll, wird kurzerhand im Rhein versenkt.

Waisenkinder begrüßen vor dem Honnefer Edelhoff-Stift die amerikanischen Soldaten. Foto: National Archives, Washington/USA

Trotz gelegentlicher Rückschläge für die Amerikaner wird das Kerngebiet des Siebengebirges innerhalb von zwei Wochen erobert. Wichtige Punkte wie der Oelberg und die Löwenburg sind hart umkämpft. Allein die Kämpfe rund um Ittenbach fordern nach amtlichen Angaben das Leben von 22 deutschen Zivilisten sowie 400 deutschen und 1100 amerikanischen Soldaten.

Der amerikanische Vorstoß wird durch starkes Artilleriefeuer vom linken Rheinufer unterstützt. Gegen die andauernde Beschießung sucht die Zivilbevölkerung Schutz in unterirdischen Räumen, da es spezielle Schutzräume nicht in ausreichender Zahl gibt. Als Unterschlupf dienen im Bergbereich Bergwerke wie  im Lauterbachtal bei Oelinghoven oder Tunnel wie am Limperichsberg in Thomasberg und unter der Autobahn bei Ruttscheid, wo die Menschen unter schwierigsten Bedingungen bis zu drei Wochen ausharren. Die Königswinterer suchen Zuflucht in den Ofenkaulen, wo die Kölner Firma Aero-Stahl eine Produktionsstätte eingerichtet hatte und Einspritzpumpen für Flugzeugmotoren herstellte. Von Herbst 1944 bis März 1945 wurden hier ausschließlich Zwangsarbeiter eingesetzt.

Foto: grafik

Am 20. März, einem Dienstag, peitschen die Schüsse auch durch Oberpleis. In St. Pankratius findet gerade eine Messe statt, als der Schmied Adolf Röttgen in die Krypta stürzt. „Männer heraus, im Dorf brennt es!“, schilderte der Pfarrer Hans Wichert die Ereignisse in seinen Aufzeichnungen. Kurz darauf fahren die Amerikaner mit ihren schweren Panzern durch den Ort. Abgedeckte Dächer, zersplitterte Fenster, aufgerissene Fassaden und ein riesiges Loch im Kirchturm sind die Folgen. Tausende US-Soldaten bezogen Quartier in Oberpleis.

Der General-Anzeiger zeichnet das Kriegsende in Bonn und der Region auf seiner Internetseite unter ga-story.de im Tagebuchstil nach.
Die Siebengebirgsredaktion sammelt Erfahrungsberichte von Zeitzeugen. Wenn Sie noch Erinnerungen – auch Fotos – an die letzten Kriegstage im März 1945 im Siebengebirge haben, melden Sie sich bitte bei uns unter ☏ 022 24/ 902 0825 oder per E-Mail an siebengebirge@ga.de.