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A3 im Siebengebirge: Ist die Autobahn 3 ein Unfallschwerpunkt

Sieben Tote und 66 Schwerverletzte seit Anfang 2018 : Ist die A3 im Siebengebirge ein Unfallschwerpunkt?

Trotz der 175 Unfälle mit sieben Toten und 66 Schwerverletzten seit Anfang 2018 gilt die A3 zwischen Lohmar und Bad Honnef nicht als Unfallhäufungsstelle. In Rheinland-Pfalz wird anders gerechnet. Hier werden Maßnahmen ergriffen.

Der durch einen Geisterfahrer verursachte Unfall mit zwei Toten im Bereich Siebengebirge Ende August war das letzte besonders tragische Ereignis einer ganzen Serie von Unfällen auf der A3. Gefühlt kracht es auf dem Streckenabschnitt zwischen Lohmar und Neustadt/Wied ständig.

Ein Eindruck, den die Zahlen der Autobahnpolizei allerdings nicht ganz bestätigen. Danach gab es zwischen Januar 2018 und Ende Oktober 2020 auf der A3 zwischen der Anschlussstelle Lohmar und der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz sieben Tote, 66 Schwerverletzte und 86 Leichtverletzte – bei insgesamt 175 Verkehrsunfällen. Demnach gilt dieser Streckenabschnitt gemäß einem Erlass des NRW-Innenministeriums nicht als Unfallhäufungsstelle.

Anders sieht es in Rheinland-Pfalz aus. Hier gelten andere Kriterien. „Wir haben zwischen der Anschlussstelle Neustadt/Wied und der Landesgrenze in Fahrtrichtung Köln eine aktive Unfallhäufungsstelle“, sagt Birgit Küppers vom Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz. In den Jahren 2017 bis 2019 ereigneten sich hier 21 Unfälle mit fünf Schwerverletzten und 26 Leichtverletzten.

A3 bei Königswinter: Geisterfahrt mit tödlichen Folgen

Der letzte besonders folgenschwere Unfall auf dem genannten Streckenabschnitt in NRW mit zwei Toten passierte Ende August im Siebengebirge. Ein 73-jähriger Mann aus Köln war am Parkplatz „Sülztal“ bei Lohmar entgegen der Fahrtrichtung Köln auf die Autobahn aufgefahren. Nach etwa 18 Kilometern kam es in Höhe von Thomasberg zu dem Zusammenstoß mit dem Wagen einer 77-jährigen Frau. Zuvor hatte eine Streife der Autobahnpolizei über die Mittelschutzplanke hinweg vergeblich versucht, Kontakt zu dem Geisterfahrer aufzunehmen. Bei dem Zusammenstoß fing der Wagen der Frau Feuer, das Fahrzeug des 73-Jährigen wurde durch den Aufprall auf die Gegenfahrbahn geschleudert.

Auf Anfrage des General-Anzeigers hat die Pressestelle der Kölner Polizei, die auch für die Autobahn zuständig ist, die Anzahl der Verkehrsunfälle zwischen der Anschlussstelle Lohmar (Kilometer 17,800) und der Landesgrenze (Kilometer 41,299) erhoben. Dabei wurden die Unfälle der Kategorie 1 (tödlich verletzt), 2 (schwer verletzt), 3 (leicht verletzt) und 4 (schwerer Sachschaden) ausgewertet. Demnach ereigneten sich in diesem Abschnitt im Jahr 2018 insgesamt 64 Unfälle mit drei Toten, 25 Schwerverletzten und 22 Leichtverletzten. 2019 kam es zu 66 Unfällen mit zwei Toten, 32 Schwerverletzten und 38 Leichtverletzten. Im laufenden Jahr wurden bis Ende Oktober bei 45 Unfällen zwei Personen getötet, neun schwer und 26 leicht verletzt. Die Hauptunfallursachen sind zu hohe Geschwindigkeiten und zu geringer Abstand.

A3 im Siebengebirge: Sanierung dauert zehn Jahre

„Zu berücksichtigen ist hier, dass im Streckenabschnitt zwischen der Anschlussstelle Lohmar und dem Autobahnkreuz Bonn-Siegburg mit Baubeginn im September 2019 eine Dauerbaustelle eingerichtet worden ist“, sagt Max Wilmes von der Pressestelle in Köln. Straßen NRW hat mit der grundlegenden Sanierung der A3 vom Kreuz Heumar bis zur Anschlussstelle Bad Honnef/Linz begonnen. Zehn Jahre sind für das in fünf Bauabschnitte unterteilte Projekt angesetzt. Auf rund 41 Kilometern wird der Straßenbelag samt Unterboden erneuert. Neben lärmminderndem Asphalt sollen höhere, längere und neue Lärmschutzwände Verbesserung bringen. Die Sanierung umfasst auch Entwässerung, Schutzeinrichtungen und Beschilderungen der Autobahn.

Wilmes weist darauf hin, dass der Streckenabschnitt zwischen Lohmar und der Landesgrenze letztmalig im Jahr 2005 als Unfallhäufungsstelle gemäß dem Erlass des Innenministeriums deklariert wurde. „Aus Sicht der Polizei Köln kann man demnach, insbesondere bei einer betrachteten Streckenlänge von 23,5 Kilometern je Fahrtrichtung und der dortigen Verkehrsbelastung, nicht von einem Unfallschwerpunkt sprechen.“

Auch bei den 21 Unfällen zwischen der Landesgrenze und der Anschlussstelle Neustadt/Wied in Rheinland-Pfalz waren die nicht angepasste Geschwindigkeit in Verbindung mit Nässe die häufigste Unfallursache. „Bei starkem Regen verbleibt das Wasser zu lange auf der Fahrbahn“, erklärt Birgit Küppers. Deshalb sei in diesem Bereich Tempo 80 mit dem Zusatz „bei Nässe“ angeordnet worden. Als Sofortmaßnahme sei zusätzlich im Jahr 2018 eine mobile Regenwarnanlage installiert worden. In der Ausschreibung befänden sich zudem der Bau von zwei Querrinnen und ein Grinding-Verfahren bei der Fahrbahnoberfläche. Hierbei werden Rillen quer zur Fahrbahn in die Betonoberfläche gefräst. Sie sollen das Wasser schneller ableiten.

Feuerwehr hat weniger Einsätze

Marc Neunkirchen von der Freiwilligen Feuerwehr Königswinter gehört der Löscheinheit Ittenbach an, die zwischen dem Autobahnkreuz Bonn-Siegburg und der Landesgrenze zu den Einsätzen auf der Autobahn gerufen wird. Von bisher 90 Einsätzen im laufenden Jahr fanden 29 auf der A3 statt. In früheren Jahren seien es bis zu zwei Drittel der Einsätze auf der Autobahn gewesen, auch weil vor einiger Zeit die Absicherung bei Einsätzen des Rettungsdienstes für die Feuerwehr dazu gekommen sei. „In diesem Jahr ist es ruhiger. Vielleicht hängt das auch mit Corona zusammen, da viele Leute im Homeoffice arbeiten“, sagt er. In seiner Anfangszeit bei der Feuerwehr um die Jahrtausendwende habe es jeden Sommer mindestens drei bis vier Lkw-Brände gegeben. Auch die Todeszahlen seien damals weitaus höher gewesen. „Ich weiß noch, dass ich im Jahr 2004 irgendwann aufgehört habe, mitzuzählen.“ Die Autos würden heute zwar häufig schwer beschädigt, hat er beobachtet, die Fahrgastzellen seien aufgrund der besseren Karosserietechnik jedoch oft noch weitgehend intakt.

Manchmal könne dabei auch die Feuerwehr einen kleinen Beitrag zu mehr Sicherheit auf der Autobahn leisten. „Im Jahr 2018 hatte es zum Beispiel am Bockerother Berg mehrere schwerere Unfälle gegeben. Innerhalb eines Monats sind damals zwei Fahrzeuge gegen einen Brückenpfeiler geprallt“, berichtet er. Den Feuerwehrleuten war aufgefallen, dass das Regenwasser von der Böschung nicht richtig abgelaufen sei und die Fahrbahn geflutet habe. „Wir haben das an Straßen NRW gemeldet. Jetzt gibt es dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung bei Regen“, so Neunkirchen.