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Naturschutzprojekt „chance 7“ in Rhöndorf: Am Ulaneneck wächst bald wieder Wein

Naturschutzprojekt „chance 7“ in Rhöndorf : Am Ulaneneck wächst bald wieder Wein

In der Vergangenheit versperrte Buschwerk den Blick von Rhöndorf auf das Ulaneneck. Doch diese Zeiten sind vorbei. Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes „chance 7“ wird das Ulaneneck als Weinlage kultiviert und bietet mit Trockenmauer und Freiflächen ein Refugium für Insekten und Reptilien.

Die Weinlage „Rhöndorfer Ulaneneck“ wird wieder erweckt.Bald werden am Hang oberhalb des Ziepchenplatzes wieder Trauben reifen wie in früheren Zeiten. Grund ist „chance7“, das Naturschutzprojekt des Rhein-Sieg-Kreises.

Viele Jahre herrschte Wildwuchs unterhalb des Ulanendenkmals. Vom Ziepchensplatz aus war von dem Bauwerk hinter einer üppig wachsenden „Mauer“ aus Sträuchern und Bäumen nur noch die Spitze zu sehen. Im Winter 2019/20 wurden die Hecken gerodet und der Boden mit einer Forstfräse bearbeitet, um das Wurzelwerk zu beseitigen. Künftig werden auf dem 3000 Quadratmeter großen Gelände wieder Reben wachsen. Bürgermeister Otto Neuhoff bei einem Ortstermin: „Der Weinbau hat eine lange Tradition in Rhöndorf. Ich bin froh über dieses Projekt, das uns diese Tradition an dieser exponierten Stelle zurückbringt.“

Weingut Pieper ist „Untermieter“

Das Weingut Pieper wird junge Reben setzen – als „Untermieter“ des Kreises, der das Gelände von den Eigentümern, einer Erbengemeinschaft, für „chance7“ langfristig gepachtet hat. Intensive Bemühungen des Bürger- und Ortsvereins und des Vizebürgermeisters Peter Profittlich waren vorausgegangen. „Vor elf Jahren haben wir bereits gefordert, dass in diesem Bereich wieder Weinbau betrieben wird“, so Profittlich. Versuche, die Erben der im Landschaftsschutzgebiet liegenden Fläche für das Weinbauprojekt zu gewinnen, gingen voraus. „Im Café Profittlich haben wir dann den Vertrag mit den Eigentümern geschlossen“, berichtete Ralf Badtke von „chance7“.

Pacht geht über 30 Jahre

Für 30 Jahre hat der Kreis die Fläche gepachtet und mit dem Weingut Pieper einen Bewirtschaftungsvertrag über zunächst zehn Jahre geschlossen. 40 000 Euro lässt der Kreis sich das Projekt kosten. Badtke: „Wir freuen uns, dass wir die Fläche langfristig von den Eigentümern pachten konnten. Wir werden hier Weinbau haben, die alte Kulturlandschaft erhalten und etwas für die Ökologie tun.“

So wird zunächst eine 45 Meter lange und 1,25 Meter hohe Trockenmauer errichtet, sobald der Frost aus dem Boden ist. Diese Mauer soll Tummelplatz für Insekten und Reptilien werden. „Wir gestalten sie aus Bergischer Grauwacke, also aus heimischem Gestein“, erläuterte Markus Wollweber von der Firma Crämer & Wollweber aus Ittenbach, die mit der Aufgabe betraut wurde. „Solch eine Trockenmauer an einem Weinberg macht auch optisch etwas her“, so Badtke. Und ein Absatz an einem Steilhang sei auch von Vorteil. Mitte März soll die Mauer stehen. Badtke: „Dann könnte gepflanzt werden.“ Winzer Felix Pieper hat einige ökologische Auflagen zu erfüllen. So muss er einen Randstreifen freilassen, auf dem zum Beispiel Weinbergspfirsiche gepflanzt werden.

„Wir freuen uns, das Gelände bewirtschaften zu dürfen. Wir werden Riesling und vielleicht auch einen Rotwein pflanzen“, so Pieper. „Das ist alles noch in der Abwägung. Wahrscheinlich werden wir eine Herbstpflanzung ausprobieren, denn in den vergangenen drei Jahren hatten wir extrem trockene Sommer, für junge Reben wäre deshalb das Pflanzen im Frühjahr schwierig, zumal es sich hier um eine reine Südlage handelt.“ Etwa tausend Reben werde er dort setzen können. „Mit der ersten Ernte ist nach vier Jahren zu rechnen.“

„Das hier ist beste Lage, sie hat Sonnenschein den ganzen Tag“, schwärmte Profittlich vom „Ulaneneck“. Nachdem das Weingut Piper für den Zaunbau auf den besten Teil seines Weinreviers am Drachenfels verzichten musste, sei das ein schöner Ausgleich. Für den Vizebürgermeister ist das Wiederbeleben dieser Lage nicht nur kulturell und ökologisch, sondern auch aus ökonomischen Gesichtspunkten vorteilhaft. „Ich höre es immer wieder von meinen Gästen im Café, die möchten gerne hiesigen Wein trinken.“ Wenn die erste Lese gelaufen ist, dann gibt es Ulaneneck-Wein. Profittlich zu Neuhoff: „Wir könnten einen Honnefer Ratswein kreieren.“ oro