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Forsthaus Lohrberg: Anfassen ausdrücklich erlaubt

Forsthaus Lohrberg : Anfassen ausdrücklich erlaubt

Beim Siebengebirgstag des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge entdeckten die Besucher kleine und große Wunder der Natur.

Die Natur hält viele Überraschungen parat – wer weiß zum Beispiel, dass die essbaren Knospen des Spitzwegerichs wunderbar nach frischen Champignons schmecken, dass Mistkäfer Geschichten erzählen können oder dass Bienen niemals vom Bienenstich „naschen“ würden? Beim Siebengebirgstag des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge (VVS) rund um das Forsthaus Lohrberg wurde am Sonntag so manches Wunder der Natur für große und kleine Besucher erleb- und erfahrbar.

Ausgestattet mit Sieben und Plastikschälchen konnten Naturforscher etwa gemeinsam mit Biologin Christiane Guth den Bewohnern eines nahe gelegenen Bachs einen Besuch abstatten und im Anschluss den schielenden Dreieckskopfstrudelwurm, die gut getarnten Köcherfliegenlarven und quirlige Flohkrebse genau unter die Lupe nehmen.

Zwar nicht im Wasser, aber ganz in der Nähe des Bachs unterwegs war der schwarzbunt schillernde Mistkäfer. Wer sich traute, das Krabbeltier ganz dicht an sein Ohr zu lassen, konnte den Käfer sogar „sprechen“ hören: Das feine Zirpen erzeugt er durch Bewegung seiner Beinchen. Einen deutlich höheren Kuschelfaktor allerdings hatten die beiden Moorschnucken-Mütter mit ihren Lämmchen, die die Mitarbeiter der Biologischen Station des Rhein-Sieg-Kreises zum Forsthaus Lohrberg chauffiert hatten – als Anschauungsobjekte, denn eigentlich sind die Schafe zurzeit wieder als Rasenmäher unter anderem auf den Feuchtwiesen an der Sieg im Einsatz.

280 Muttertiere umfasst die Herde, die Eigentum der Biostation ist. Die Art ist vom Aussterben bedroht und befindet sich daher in einem besonderen Erhaltungsprogramm, durch das ihr Überleben gesichert werden soll, wie Xenia Scherz und Sven Kämena den interessierten Besuchern erläuterten.

Am Stand gleich nebenan konnten die Besucher probieren, was sicherlich auch Moorschnucken nicht verschmähen würden: Wildkräuter aus der Natur. Aus Wiesenschaumkraut, Giersch, Brennnessel, Sauerampfer, Knoblauchsrauke hatten die Experten der Biostation einen köstlichen Kräuterquark zusammengerührt. Für Pilzliebhaber gab es dazu noch ein ganz besonderes Schmankerl: „Die Knospen des Spitzwegerichs schmecken ganz intensiv nach Champignons“, verrät Scherz.

Zwar in Bad Honnef zu Hause, aber nicht wirklich im Siebengebirge beheimatet ist Anoki: Der stattliche Rotschwanzbussard von Petra Holz ist in freier Wildbahn in Nordamerika anzutreffen. Noch imposanter ist der mächtige Steinadler, der seinen ursprünglichen Lebensraum in der Alpenregion hat – zwei Meter beträgt die Spannweite der Flügel des Königs der Lüfte, der allerdings noch namenlos ist. „Seinen Namen erhält er erst bei der ersten Jagd“, erläutert Holz.

Voraussichtlich im Herbst ist es für den einjährigen Jungvogel so weit – dann beginnt die Zeit der Beizjagden, wie die Jagd mit Greifvögeln im Fachjargon bezeichnet wird. Ebenfalls der Jagd, aber auch der Hege und Pflege des heimischen Wildes hat sich der Hegering Siebengebirge verschrieben, der mit seiner rollenden Waldschule zu Gast war. Hier gab es vor allem für die Kinder jede Menge zu staunen und zu streicheln.

Bei Fuchs, Marder, Dachs und Co. war Anfassen ausdrücklich erlaubt, schließlich handelte es sich bei den kleinen Raubtieren um ungefährliche ausgestopfte Exemplare. Viel Spaß hatten die jüngsten Besucher auch im Pavillon der VVS-Jugend. Die jungen Naturschützer hatten eine ganze Reihe von Bastelangeboten vorbereitet, die mit Begeisterung angenommen wurden: ob Traumfänger aus selbstgebundenen Birkenkränzen oder Bienenhotels in Dosen.

Am Stand des Regionalforstamtes konnte man sich zudem einen eigenen Strauch eintopfen und mit nach Hause nehmen. Marc Redemann, neuer Förster für das VVS-Gebiet, beantwortete auch zahlreiche Fragen zum Thema Wildnisgebiet: „Von der Bevölkerung wird das überwiegend positiv aufgenommen“, berichtet er. „Uns geht es heute darum, den Menschen nicht nur das Siebengebirge näherzubringen, sondern auch die vielfältige Arbeit, die hier geleistet wird“, betonte VVS-Vorsitzender Hans Peter Lindlar.

Daher gab es bei diesem Tag der offenen Tür auch noch mehr Informationsstände als im Vorjahr: Mit von der Partie waren unter anderem Mitarbeiter des Projekts „Chance 7“, des Umweltbildungszentrums Pleistalwerk in Sankt Augustin, der Lauftreff Siebengebirge, der Imkerverein Siebengebirge und die Natur- und Landschaftsführer Siebengebirge/Rhein-Sieg.