Auch der Tod des Sohnes wird untersucht

Bonn/Bad Honnef · Im Fall der kleinen Anna, die am 23. Juli in der Badewanne ihrer Bad Honnefer Pflegeeltern ertrunken ist, untersucht die Bonner Staatsanwaltschaft auch die Umstände des Todes des leiblichen Sohnes der Pflegemutter, wie Oberstaatsanwalt Robin Faßbender am Montag auf Anfrage bestätigte.

Der behinderte Sohn verstarb vor einigen Jahren in der elterlichen Wohnung in Bad Honnef. Angeblich erstickte er. Ein Nachbar hatte dem General-Anzeiger gegenüber zudem Zweifel geäußert, dass der Sohn eines natürlichen Todes gestorben sei. "Natürlich beziehen sich unsere Ermittlungen auch auf den Tod des Sohnes", sagte Faßbender.

"Wenn ein Kind in einer Familie stirbt, und in dieser Familie ist bereits ein Kind gestorben, dann ist das natürlich auch Gegenstand unserer Ermittlungen." Zudem gehöre es zum sauberen kriminalistischen Arbeiten, auch das Vorleben der Beschuldigten zu beleuchten, und dazu gehöre eben auch, dass der leibliche Sohn im Alter von "Mitte 20", so der Bonner Oberstaatsanwalt, im Jahr 2003 gestorben sei.

Wenn die Ermittlungen Anhaltspunkte ergäben, dass der junge Mann nicht eines natürlichen Todes gestorben sei, gehe die Staatsanwaltschaft dem natürlich weiter nach, so Faßbender. Die Pflegeeltern der neunjährigen Anna sitzen derweil weiter in Untersuchungshaft. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen beide wegen mehrfachen Missbrauchs von Schutzbefohlenen sowie Körperverletzung und Freiheitsberaubung mit Todesfolge.

Wie Faßbender am Montag weiter erläuterte, sei es ebenfalls selbstverständlich, dass die Staatsanwaltschaft - wenn angebliche Misshandlungen Ausgangspunkt der Ermittlungen seien - auch prüfe, ob andere Kinder in der Familie misshandelt worden seien. Auf Nachfrage bestätigte er zudem, dass es Angaben aus der Bevölkerung gebe, dass der behinderte leibliche Sohn der Pflegemutter in der Familie nicht gut behandelt wurde.

Dem werde ebenfalls nachgegangen. Zu der Frage, ob der behinderte Sohn wie Anna autoaggressiv war, äußerte sich Faßbender nicht. Auch zu dem Hinweis eines Anrufers, der der Bad Honnefer Redaktion des General-Anzeigers geschildert hatte, dass Annas Pflegemutter nicht wie bisher angenommen zwei, sondern vier leibliche Kinder habe, wollte Faßbender mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht Stellung nehmen.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft betonte auch noch einmal, man wolle nicht leichtfertig mit Informationen und Erkenntnissen umgehen, zumal bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung gelte. In Königswinter tritt am Dienstag der Jugendhilfeausschuss zu einer Sondersitzung zusammen. Bürgermeister.

Das Königswinterer Jugendamt war für Anna zuständig, da ihre leibliche Mutter in Königswinter lebt. Nach GA-Informationen ist das Mädchen am Wochenende auf dem Königswinterer Friedhof am Palastweiher beerdigt worden. Bad Honnefer und Königswinterer Geschäftsleute beteiligten sich mit Spenden an den Kosten für die Beerdigung.

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