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Premiere für die Fohlen: Aufregende Pferdeschau in Aegidienberg

Premiere für die Fohlen : Aufregende Pferdeschau in Aegidienberg

Im Gangpferdezentrum werden seit vielen Jahren Robustpferde gezüchtet, seit 1994 ist die neue Rasse Aegidienberger anerkannt. Zur Präsentation des jüngsten Jahrgangs reisen viele Pferdefreunde an.

Wie gut, dass die Mama dabei ist. Aufgeregt drückt sich Javiera an die Schimmelstute, die dunklen Augen weit aufgerissen, die Öhrchen gespitzt. Durch die Reithalle auf dem Gelände des Gangpferdezentrums (GPZ) Aegidienberg pfeift der Wind, überall raschelt und knarzt es unheimlich. Und dann die vielen Menschen, die neugierig über die Bande schauen – viel Aufregung für ein Pferdekind, das noch keine fünf Monate alt ist.

Jangada indes kennt den Trubel – die weiße Aegidienberger-Stute ist eine erfahrene Pferdemutter. Die Reithalle, die Menschen, die hallende Stimme aus dem Mikrofon sind ihr nicht fremd. Gelassen trabt und galoppiert sie durch die Halle, das Fohlen immer dicht an ihrer Seite.

Hinter der Bande wird derweil gefachsimpelt: Sind da Ansätze von Tölt zu erkennen; wie ist die Haltung des Fohlens? Viele Pferdefreunde sind zum Absetzertag gekommen, um sich den Fohlenjahrgang 2018 in Aktion anzuschauen.

Für die Jungpferde ist die erste Präsentation vor der Öffentlichkeit aufregend. Die meisten von ihnen müssen den Gang vors Publikum allein bewältigen. Nur Nachzüglerin Javiera, die erst Ende September geboren wurde, darf noch einige Wochen an der Seite ihrer Mutter verbringen.

Auf den vierten Gang kommt es an

Züchter Walter Feldmann kann bereits jede Menge Qualitäten bei der kleinen, dunkelgrauen Stute entdecken. Er lobt die schönen und elastisch-weiten Bewegungen des Fohlens: „So wie sie trabt, wird da auf jeden Fall auch viel Tölt sein.“

Und auf diesen berühmten vierten Gang neben Schritt, Trab und Galopp kommt es bei Gangpferden, wie den am GPZ gezüchteten Isländern und Aegidienbergern, natürlich an. Der junge Fuchsschecke Brokkur zeigt schon „unglaublich viel taktklaren Tölt“ – wenn er denn will.

Denn auch wenn die Gestütsmitarbeiterinnen mit der Peitsche wedeln, die Gangart lässt sich der Pferdenachwuchs noch nicht vorschreiben. Brokkur wechselt vom flotten Galopp in Trab und Tölt wie es ihm passt – und gibt dabei aber zumindest kurze Kostproben seines Gangvermögens.

„Man muss schnell sein, um die Momente zu sehen, in denen das Fohlen zeigt, was es kann“, sagt Feldmann. Pferdekennern bleiben die schönen, akzentuierten Bewegungen des jungen Hengstes jedenfalls nicht verborgen.

Schon die Fohlen werden ausgebildet

Bis zum Reitpferd haben Javiera, Brokkur und die anderen zwölf Jungpferde zwar noch einen weiten Weg vor sich, das Fohlen-ABC beherrschen sie aber schon. „Unser Ziel ist es, die Pferde schon als Fohlen so gut auszubilden, dass sie das gesamte Grundprogramm kennen“, so Feldmann.

Dazu gehört zum Beispiel, sich aufhalftern und anbinden zu lassen, geführt zu werden und auch in den Pferdehänger zu steigen. Die Arbeit mit den jungen Tieren erfordert viel Know-how. „Das erste Anbinden ist für junge Pferde zum Beispiel ein sehr einschneidendes Erlebnis“, so Feldmann. Das Pferd als Fluchttier müsse erst lernen, dass ihm dabei nichts passiert. „Entscheidend ist im Umgang nicht, was man tut, sondern wie man es tut.“

Viel Gefühl, Erfahrung und Verstand, aber auch Konsequenz und Durchsetzungsvermögen sind nötig, um aus dem ungestümen Nachwuchs ein zuverlässiges Reitpferd zu machen. Nach der „Grundschulzeit“ können die Youngster jetzt aber erst noch einmal die Freiheit genießen. Für zwei bis drei Jahre geht es ab auf die Weide.

Viele bürokratische Auflagen für Züchter

Für Züchter wie Feldmann wird es immer schwieriger, die Robustpferde, die das ganze Jahr über in der Herde im Freien gehalten werden, artgerecht aufwachsen zu lassen. „Die bürokratischen Auflagen für die Robustpferdehaltung werden immer strenger.“

Ob bauliche Vorschriften für Unterstände, Anforderungen und Restriktionen aufgrund des Natur- und Landschaftsschutzes, Auflagen der Wasserbehörde, alles muss berücksichtigt werden. Das alles ist auch ein Grund, weshalb Feldmann entschieden hat, die Zucht „auf ein Minimum zu reduzieren oder sogar aufzugeben“.

Kein leichter Schritt – seit den 60er Jahren züchtet die Familie am Fuße des Hupperichsberges Pferde. Mit dem „Aegidienberger“ schuf Feldmann zudem eine neue Gangpferde-Rasse, die 1994 offiziell anerkannt wurde und den Namen des Gestüts und des Ortes in die Welt trägt.

Doch noch war es nicht der letzte Fohlenjahrgang, der im vergangenen Sommer auf den Weiden des Gestüts das Licht der Welt erblickte. In diesem Jahr erwarten rund zwölf Stuten erneut Nachwuchs.