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Bad Honnef auf vorletztem Platz beim ADFC-Klimatest

Knapp vorbei an der roten Laterne : Bad Honnef auf vorletztem Platz beim ADFC-Klimatest

Das Ergebnis ist nur unwesentlich besser als beim letzten Mal: Beim Fahrradklimatest des ADFC im Rhein-Sieg-Kreis ist Bad Honnef dieses Mal auf Platz 18 gelandet und hat damit die rote Laterne abgegeben. Damit ist die Stadt natürlich nicht zufrieden.

Die rote Laterne, so drückte es Peter Lorscheid, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Bonn/Rhein-Sieg für den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, aus, „ist Bad Honnef ganz knapp losgeworden“. Denn anders als noch 2018 landete die Stadt beim ADFC-Fahrradklimatest nicht auf dem allerletzten Platz unter den 19 Kreis-Kommunen, sondern auf Rang 18.

„Tiefdunkelrot“, so Lorscheid, ist die Gesamtbewertung damit aber immer noch. Die leichte Besserung vom letzten auf den vorletzten Platz führt Lorscheid auf „weiche Faktoren“ zurück wie Medienberichte und Werbung für das Radfahren. Lorscheid: „Offenbar wird wahrgenommen, dass das Thema jetzt angepackt wird.“

Schulnote 4,51 für Bad Honnef

Mit der Note 4,51 wäre, um im Schuljargon zu bleiben, die Versetzung akut gefährdet. „Nicht überraschend“ nannten das Bürgermeister Otto Neuhoff und Erster Beigeordneter Holger Heuser bei der Vorstellung der Ergebnisse im Rathaus.

Wasser auf beider Mühlen sowie jene von Wirtschaftsförderin Johanna Högner und Geschäftsbereichsleiter Städtebau Fabiano Pinto ist, dass anzukommen scheint, dass Verbesserungen nun auch akut geplant sind: mit dem Radverkehrskonzept, für das die Fäden bei Högner und Pinto zusammenlaufen.

Neuhoff: „Wenn man die gleiche Umfrage unter Autofahrern und Fußgängern machen würde, dürften die Noten nicht viel anders ausfallen. Das Thema ist halt sehr komplex, und wir werden die Straßenquerschnitte nicht so erhöhen können, dass jeder Verkehrsteilnehmer voll und ganz zu seinem, zumindest vermeintlichen, Recht kommt.“ Kernaussage des Konzeptes sei, „dass mehr Menschen häufiger aufs Rad steigen sollen: weg vom Auto, hin zu klimaneutraler Mobilität“.

Konflikte auf kombiniertem Rad- und Fußweg

Das Konzept enthält 95 bauliche und 16 kommunikative Maßnahmen. Dabei soll klimafreundliche Mobilität mehr als bisher bewusst gemacht werden – und ist manches Mal erklärungsbedürftig, wie Heuser am Beispiel Linzer Straße deutlich machte. Denn der – im Zuge der vor zwei Jahren abgeschlossenen Sanierung konzipierte – kombinierte Geh- und Radweg habe die Wahrnehmung dergestalt geändert, dass Autofahrer die Fahrbahn für sich alleine beanspruchten.

Obwohl, und genau das sehe die Lösung vor, Radfahrer die Fahrbahn sehr wohl benutzen dürften und dies gerade bei schnellerer Fahrt auch angezeigt sei, um Konflikte auf dem kombinierten Fuß- und Radweg zu vermeiden. In der Konsequenz soll nun eine optische Markierung für mehr gegenseitige Rücksichtnahme sorgen. Heuser: „Wir verändern damit nicht die Regeln, aber wir machen sie optisch klarer.“

113 Bad Honnefer nahmen an Umfrage teil

Punkte wie die genannten waren es, die dem Gros der 113 Umfrageteilnehmer aus Bad Honnef schwer im Magen liegen. Am schlechtesten schnitten bei der Umfrage die Radwegbreite (Note 5,3), die Ampelschaltungen für Radfahrer (5,3), die Führung an Baustellen (5,2), das Fahren im Mischverkehr mit Autos und die Oberflächen von Radwegen (jeweils 5,1) und das Fahren auf Radwegen oder Radfahrstreifen (5,0) ab.

Noten zwischen 4,0 und 4,9 gab es unter anderem für (fehlende) Abstellanlagen und Fahrraddiebstahl, Hindernisse und Sicherheit auf Radwegen sowie Konflikte mit Autos und Fußgängern. Immerhin noch ein Befriedigend oder Befriedigend minus gab es für die Erreichbarkeit des Stadtzentrums oder den Punkt „zügiges Radfahren“. Vermisst wiederum werden sichere Radverkehrsbedingungen in der Bergregion der Stadt und eine entsprechende Verbindung von Berg und Tal.

Manche Note fiel sogar schlechter aus als in den Vorjahren, etwa zu den Aspekten Sicherheitsgefühl, Hindernisse, Konflikte mit Autos, Radwegreinigung oder der Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen.

Positive Wertung für Situation in den Einbahnstraßen

Wirklich punkten kann Bad Honnef wie auch in den Jahren zuvor nur damit: Die Note 2,2 gab es für die Situation in den Einbahnstraßen, die bekanntlich für Radfahrer in beide Richtungen offen sind. „Wir haben die Hoffnung, dass der Trend umgekehrt werden kann. Aber bis jetzt sind es natürlich nur Ankündigungen“, so Lorscheid.

Die Stadt müsse dringend von der Ankündigung zur Umsetzung kommen. Dazu gehöre auch das Rheinufer, für das der ADFC in einem Konzept gesammelt habe, was aus Sicht der Radfahrer nötig ist, um zu einer sicheren Qualitätsradroute zu kommen. „Sie haben uns jetzt die Leviten gelesen. Aber was mich freut, ist der Begriff der Trendumkehr“, so Heuser.

Zu einer solchen gehöre freilich mehr als „nur“ das Radfahren, so Neuhoff; und alles brauche seine Zeit. Um nur einen Punkt zu nennen: Es gehe auch um eine Verbesserung beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Dazu gehört laut Heuser das Buskonzept, das wie das Radverkehrskonzept ebenfalls bereits beschlossen ist.

Begleitet durch einen regelmäßigen Austausch mit dem ADFC sollen Maßnahmen in den kommenden Jahren realisiert werden. Bereits im Sommer seien auf dem Fahrradfestival gemeinsame Aktionen geplant.