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Bad Honnef baut kein neues Rathaus - "Weiße Riese" ist zu klein

Der „Weiße Riese“ ist zu klein : Bad Honnef baut kein neues Rathaus

Der Bau eines neuen Rathauses in Bad Honnef ist vom Tisch. Stattdessen soll das Gebäude im Stadtzentrum von Grund auf weiter saniert werden. Die Platzprobleme sind damit allerdings noch lange nicht gelöst.

Für die Mitglieder des Vereins Gutenberghaus war es so etwas wie eine kleine Odyssee. Quasi heimatlos geworden, lagerten der Verein die teils einzigartigen Archivalien in einer Garage, dann in einem Notquartier an der Friedhofskapelle. Mittlerweile wurde Raum geschaffen in der ehemaligen Konrad-Adenauer-Schule, deren Räume auch die Musikschule rege nutzt. Beides zusammen könnte so etwas wie eine Blaupause sein für das, was in dem zentral gelegenen Gebäude möglich werden könnte: ein Bürgerzentrum für Bildung, Kultur, Familie, Jugend und Soziales.

Entwickelt wurde die Idee im Verwaltungsteam in Zusammenhang mit dem Rathaus. Im Stadtrat ging es um die Grundsatzentscheidung, ob die Idee eines Rathaus-Neubaus weiter verfolgt werden sollte oder die Sanierung des Schürmann-Baus fortgesetzt wird. Die Richtung gab der Rat einstimmig vor: Das Rathaus, in das wie berichtet schon an die 4,2 Millionen Euro von der Schadstoffsanierung bis zur Sanierung der Tiefgarage investiert worden sind, soll weiter saniert werden. Ein Neubau ist vom Tisch.

Die Beratungsgesellschaft VdB hatte im Oktober ein dickes Prüfpaket vorgelegt. Im Ergebnis sagte Gutachter Thomas Mandt, dass eine Sanierung die wirtschaftlichere Variante sei. Zumal das zentrale Rathaus „genau am richtigen Platz“ ist. Aber: So wie es ist, kann es nicht bleiben. „Das Rathaus ist pickepackevoll. Und waren Sie während der Hitzewelle mal im Dachgeschoss?“, fragte Mandt die Politiker. „Das ist nicht frei von Herausforderung, was die Kollegen im Rathaus leisten – und ich spreche nicht nur über die Temperaturen in den Büros“, sagte Bürgermeister Otto Neuhoff.

Mindestens 1100 Quadratmeter fehlen

Nur mit einer energetischen Sanierung ist es nicht getan. Alle Flächen zusammengenommen brauche es laut Gutachter rund 5400 Quadratmeter bei 117 Büroräumen, um den Bedarf zu decken und Defizite zu beheben. Bürgerbüro und Standesamt, die schon ausgelagert sind, sind da noch nicht eingerechnet. Rein durch eine Sanierung sei der Bedarf nicht zu decken: Dem Bedarf stünden nur 4300 Quadratmeter Fläche gegenüber, inklusive von Bereichen, die für eine Büronutzung nicht geeignet seien. Je nach Betrachtung ergebe sich somit ein Flächendefizit von 1100 bis 1800 Quadratmetern, so die VBD. Bedeutet: Der „Weiße Riese“, wie das Gebäude oft genannt wird, ist und bleibt zu klein.

Was die Abwägung von Neubau und Sanierung plus Erweiterungsbau nahe legt. Ein Neubau würde demnach, gerechnet auf die reinen Baukosten, rund 24 Millionen Euro kosten. Die Sanierungsvariante läge bei rund 14 Millionen Euro; etwa acht Millionen davon für die Sanierung und rund sechs Millionen für einen Erweiterungsbau, wobei offen ist, wo der errichtet werden könnte.

Vorteil einer Sanierung: Die könnte weiter Stück für Stück erfolgen. Bei einem Neubau am jetzigen Ort müsste ein Ausweichquartier gefunden – und bezahlt – werden, bei einem Neubau an anderer Stelle gegebenfalls der Grunderwerb.

Zwei Außenstandorte sind im Gespräch

Von Anfang an enthielt das Soll-Raumprogramm auch Räume für die Bücherei, die Touristeninformation und ein Archiv. Die Idee, die die Verwaltung vortrug und die bei den Politikern auf Zustimmung stieß: „Die ohnehin günstigere Sanierung kann dadurch weiter optimiert werden, dass auf einen Erweiterungsbau verzichtet wird.“ In den Blick kommen zwei Standorte, die für insgesamt rund 2,5 Millionen Euro „ertüchtigt“ werden könnten: das BHAG-Haus an der Kirchstraße und die Konrad-Adenauer-Schule. Letztere wird in Teilen schon von der Verwaltung genutzt, etwa vom Gebäudemamangement. Das BHAG-Haus stünde nach Fertigstellung des Anbaus im Lohfeld zur Verfügung.

Chance auf ein Bürgerzentrum

Zusätzlichen Charme biete die Chance, die Adenauer-Schule in einem zu einem zentral gelegenen Bürgerzentrum umzuwidmen. Statt des Gebäudemanagements könnten Fachdienste wie Jugend und Soziales oder Bildung und Kultur dort einziehen, also Fachdienste, die der Funktion des Zentrums und seinen Nutzern nahe stehen. Der asphaltierte Schulhof könnte laut Geschäftsbereichsleiter Fabiano Pinto entsiegelt und zur zentralen „urbanen Grünanlage“ werden.

„Nicht zuletzt in der Corona-Krise ist deutlich geworden, dass neue Arbeitswelten wie Homeoffice sinnvoll sind. Eine modulare Rathauserweiterung durch nahe Außenstandorte bietet die nötige Flexibilität“, so die Verwaltung. Dazu sagt der Gutachter: „Alles zusammen wird die Defizite nicht aufheben. Die Verwaltung trägt hier ein gutes Stück Kompromiss.“ Das gelte laut Neuhoff auch, weil etwa das BHAG-Haus nicht umgehend zur Verfügung stehe, die Umsetzung werde also dauern. Der Weg soll nun aber beschritten werden, beschlossen die Kommunalpolitiker einstimmig.