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Bad Honnef: Kaninchen erfreuen sich großer Beliebtheit

Falsche Hasen im Siebengebirge : Darum begeistern den Bad Honnefer Züchter die Kaninchen

Sie hoppeln über unsere Wiesen und landen gerade zu Ostern auch auf so manchem Esstisch: Kaninchen sind zwar „falsche Hasen“, haben aber dennoch viele Liebhaber. Die Kaninchenzucht erlebt gerade eine Renaissance. Ein Züchter erzählt, was ihn daran begeistert.

Sie gehören zu Ostern wie das Christkind zu Weihnachten: Meister Lampe und seine Verwandten. Während die süßen Osterhasen uns derzeit in allen Größen und Farben aus den Supermarktregalen entgegenblinzeln, sind die echten Langohren eher selten zu sehen – was wiederum nicht daran liegt, dass sie mit Eieranmalen beschäftigt sind. Vielmehr gehört der Feldhase in Deutschland zu den gefährdeten Arten. Was derzeit auf Wiesen und Grünflächen an uns vorbeihoppelt, zählt zwar zur Familie der Hasenartigen, ist aber ein Kaninchen. Und die sind nicht nur kleiner, sondern haben auch sehr viel kürzere Löffel, sprich Ohren.

Im Gegensatz zu den echten lassen sich die „falschen“ Hasen allerdings in einem Stall oder Gehege halten, was sie zu beliebten Haustieren macht. Ihre Zucht kann sogar eine richtige Leidenschaft sein – davon kann Torsten Werner aus Bad Honnef ein Lied singen. 40 Rassekaninchen hoppeln bei ihm durch die Gehege – und zurzeit werden es stetig mehr. „Man sagt ja nicht umsonst, die vermehren sich wie die Karnickel“, sagt er augenzwinkernd. 24 Kaninchenbabys haben in den vergangenen Wochen bei ihm bereits das Licht der Welt erblickt, „und es sind noch einige auf dem Weg“. Für den begeisterten Züchter und Vorsitzenden des Kaninchenzuchtvereins Bad Honnef ist der Frühling darum auch die schönste Zeit im Jahr.

Kaninchenbabys sind nackt und blind

Nicht nur was das Aussehen angeht, unterscheidet sich das Kaninchen vom Hasen, sondern auch, was den Nachwuchs angeht: „Kaninchenbabys kommen nach 30 Tagen Tragezeit zunächst nackt und blind auf die Welt“, erklärt Werner. Drei Wochen lang bleiben die Kleinen dann in ihrem kuscheligen Nest aus Stroh und sind in der Zeit völlig auf die Mutter angewiesen. Junge Feldhäschen indes haben bereits von Geburt an ein schützendes Fell und sind obendrein Nestflüchter. „Sie laufen direkt herum.“ In Werners Kaninchenkinderstube haben sich auch schon einige Kleine aus dem Nest gewagt: „Das ist das schönste Alter, wenn die gerade flügge werden und neugierig herumhoppeln“, schwärmt der Züchter.

Sein erstes Kaninchen hat Werner bereits als kleiner Junge bekommen. „Ich bin sozusagen familiär vorbelastet. Mein Opa hat auch Kaninchen gezüchtet.“ Mit acht Jahren trat er in die Jugendgruppe des Vereins ein. „Da hat sich ehrlich gesagt allerdings mein Opa um das Meiste gekümmert“, erzählt der Honnefer. Mit 14 Jahren startete er dann als Jungzüchter so richtig durch und ist den Kaninchen seitdem treu geblieben. Besonders angetan haben es ihm die Weißen Hotots – schneeweiße Kaninchen mit schwarz umrandeten Augen. Was so aussieht, als hätte jemand mit Schminke und Eyeliner nachgeholfen, ist tatsächlich Natur – oder besser gesagt ein Zuchterfolg.

Schwarze Punkte sind Ausschlusskriterium für die Zucht

„Ursprünglich waren die Hotots mal schwarz-weiß gescheckt.“ Heutzutage sollte sich außer den Augenringen optimalerweise nicht mal ein schwarzes Pünktchen ins schneeweiße Fell verirren. Für die Zucht jedenfalls wäre das bereits ein Ausschlusskriterium. Werner weiß, wovon er spricht. Schließlich stellt er seine Kaninchen nicht nur regelmäßig bei Zuchtschauen vor, er ist auch selber Preisrichter und weiß, worauf es ankommt. 397 Kaninchenarten und Farbschläge gibt es mittlerweile, darunter auch Mümmelmänner mit Schlappohren oder Löwenmähne. Beurteilt werden aber nicht nur die jeweiligen rassetypischen Merkmale, sondern beispielsweise auch der Pflegezustand. Braune oder gelbe Mistflecken im Fell sind dabei ein absolutes „No Go“.

Damit es gar nicht so weit kommt, ist Werner täglich im Stall zugange. Morgens führt ihn sein erster Weg zu den Tieren, „nachschauen, ob alles in Ordnung ist“. Kleinere Mistecken werden dann auch gleich beseitigt. Abends geht es dann abermals in den Stall, zum Füttern und zur Kontrolle. „Und immer am Wochenende ist Groß-Reinemachen angesagt.“ Drei bis vier Stunden dauert es, bis alle Gehege picobello in Ordnung sind. „Die Kaninchenzucht ist ein Hobby, das mit viel Arbeit und Zeit verbunden ist“, sagt der Züchter. Gleichzeitig sei es aber auch ein toller Ausgleich zum Berufsalltag.

In Deutschland werden wieder mehr Kaninchen gezüchtet

Obwohl Deutschland die Hochburg der Kaninchenzüchter ist, hatten die Vereine viele Jahre lang ein massives Nachwuchsproblem. „Nach dem Krieg waren Kaninchen reine Nutztiere“, so Werner. In den 1960er und 70er Jahren wurde die Kaninchenzucht dann mehr und mehr zur beliebten Freizeitbeschäftigung. Doch ab den neunziger Jahren änderte sich das Freizeitverhalten grundlegend, immer weniger junge Leute wollten sich an ein derart zeitaufwändiges Hobby binden. „Die Zahlen sind rapide zurückgegangen.“

Seit einigen Jahren profitiert die Kaninchenzucht jedoch vom Trend „zurück zur Natur“. Seitdem hoppeln wieder mehr Kaninchen durch die heimischen Gärten – und es wird auch wieder mehr gezüchtet. „Eltern wollen ihren Kindern ein bisschen Natur vermitteln und finden wieder den Weg zu Hühnern und Kaninchen“, so Werner. Der Züchter aus Bad Honnef hat vor Ostern auch schon Anfragen von Eltern erhalten, die ihrem Nachwuchs gerne ein echtes Langohr statt eines Schokohasen ins Nest setzen wollten. Werner hat sie auf später vertröstet: „Die Kleinen sind jetzt noch zu jung, um abgegeben zu werden.“ Sechs bis zehn Wochen sollen sie bei ihrer Mutter bleiben. Erst ab Mai oder Juni will Werner die, die sich nicht für seine Zucht eignen, in gute Hände abgeben.

Zu seinen Tieren hat der Züchter eine enge Beziehung. Er ist überzeugt, „die erkennen mich, wenn ich reinkomme und mit ihnen spreche“. Sind indes Besucher im Stall, die sich unvorbereitet nähern, wird auch schon mal Alarm ausgelöst: „Der erste fängt dann an zu klopfen und schon ist der ganze Stall gewarnt.“ In erster Linie sind Kaninchen nämlich Fluchttiere, „doch sie können zahm werden“ – mit viel Geduld und Zuneigung.