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Bad Honnef: Verein plant Geburtshaus im Siebengebirge - Schließung im Cura-Krankenhaus

Nach Schließung der Honnefer Geburtshilfe : Verein plant ein Geburtshaus im Siebengebirge

Nach der Schließung der Geburtshilfe im Cura-Krankenhaus in Bad Honnef soll nun eine Alternative geschaffen werden. Ein Verein plant die Einrichtung eines Geburtshauses und zieht Zwischenbilanz.

Der Fall werdender Zwillingseltern aus Bonn, die trotz Wehen von zwei Kliniken abgewiesen und nach Porz geschickt wurden, hat jüngst die Gemüter bewegt. Bestätigt das die schlimmsten Befürchtungen beim Verein für Geburtshilfe und Familiengesundheit? „Mit so etwas sehen sich Frauen in Bonn leider schon länger konfrontiert. Aber natürlich hat die Schließung der Geburtshilfe in Bad Honnef die Situation für die gesamte Region verschärft“, sagt Catharina Jäger, Mitbegründerin des Vereins - wie etwa der Fall einer Frau aus Rheinbreitbach zeige, die in Brühl entbinden musste. Jäger: „Das ist purer Stress für Mutter und Kind. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie sich werdende Eltern fühlen nach so einer Odyssee.“ Der Gegenentwurf, zumindest für einen Teil der Gebärenden: außerklinische Betreuung in einem Geburtshaus.

Geburtshilfe in Bad Honnef seit einem Jahr dicht

Dessen Gründung haben sich die Akteure des 2021 ins Leben gerufenen Vereins wie Jäger und Hebamme Nicole Luhmer auf die Fahne geschrieben. Sie wissen: Klappern gehört zum Handwerk. Fast exakt ein Jahr, nachdem die Geburtshilfe im Bad Honnefer Cura-Krankenhaus dicht gemacht hat, wollte der Verein einen Tag der Geburtshilfe ausrichten, um die Bedeutung wohnortnaher Versorgung der werdenden Mütter und Väter im Bewusstsein zu halten. Wegen Corona muss der Tag auf das Frühjahr verschoben werden.

Qualität statt Quantität

Jäger: „Corona beschert Familien und Gebärenden einen schwierige Situation in der eh schon angespannten Lage in der Geburtshilfe.“ Angst vor Ansteckung in der Schwangerschaft, Geburtsvorbereitung per Zoom, schließlich Besuchsverbote auf der Wöchnerinnenstation: Der Begleiterscheinungen gebe es viele. Jäger: „Worst case wäre, wenn es wieder dazu kommt, dass Gebärende nur alleine in die Kliniken und den Kreißsaal dürfen.“

Das Langzeitziel des Vereins aber heißt Geburtshaus: Ein Ort, der zwar in der Quantität an die weggefallene Geburtsstation im Cura-Krankenhaus nicht heran reichen, zugleich vielen Frauen eine sehr gute qualitative Alternative bieten kann. Zumal dann, wenn sie kerngesund sind und nicht etwa eine Risikoschwangerschaft oder Mehrlingsgeburt vorliegt. Im Cura-Krankenhaus kamen zuletzt pro Jahr an die 500 Kinder auf die Welt. Ein Geburtshaus schaffe, zumal im Aufbau, eher an die 50, sagt Jäger.

Langer Atem erforderlich

Luhmer: „Wir brauchen einen langen Atem.“ Derweil schocken immer wieder Nachrichten von der Aufgabe von Kreißsälen. Vier waren es, Bad Honnef eingeschlossen, seit 2010 alleine im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Krankenhaus-Träger führen stets die hohen Kosten der Geburtshilfe und damit defizitäre Stationen sowie den Personalmangel in der Geburtshilfe ins Feld, sprich den Mangel an Hebammen - ein Beruf, der in der Vergangenheit „maximal unattraktiv“ gemacht worden sei, so Jäger. Auch wenn die Problematik der Versicherung gelöst sei: Dienste, Bereitschaft, Unvereinbarkeit mit der Familie schreckten oft ab. Jäger: „Wir planen auch Aktionen, um den Nachwuchs zu fördern. Das kann ein kleiner Verein natürlich nur in kleinerem Rahmen.“ Doch auch das sehe die Satzung des Vereines vor.

Hebammen-Nachwuchs fördern

Die Folge der Kreißsaal-Schließungen für werdende Eltern seien nicht nur lange Wege: Situationen wie die beschriebenen bereiten Stress, gehen einher mit Ängsten anstatt Ruhe und Zeit, die die Geburt braucht. „Vor allem beim ersten Kind setzten sich Frauen dann noch früher ins Auto“, sagt Jäger. Geburtseinleitungen seien häufiger, der „natürliche Prozess“ der Geburt werde für effektivere Abläufe beschleunigt. Auch geplante Kaiserschnitte nähmen zu. Zudem klagten Hebammen, dass Wöchnerinnen oft zu schnell nach Hause geschickt würden, „weil die Betten fehlen“, so Jäger.

Beispiele aus anderen europäischen Ländern zeigten, wohin das führen könne, so Luhmer: Zu Kliniken, in denen Gebärende wie am Fließband von Hebamme eins über Hebamme zwei zu Hebamme drei geschoben würden. Eine Eins-zu-Eins-Betreuung - Fehlanzeige. „Es ist ein politisches Desaster, wenn der Trend zu riesigen Geburtskliniken geht“, so Luhmer, die selber in Berlin in einem Geburtshaus gearbeitet hat. Schon heute müssten Hebammen oft vier Frauen unter der Geburt gleichzeitig betreuen. „Die Kolleginnen machen einen Knochenjob, und sie machen ihn gut.“ Aber immer größere Kliniken sollten nicht die Zukunft sein.

Persönliche, geborgene Atmosphäre

Geburtshäuser seien der komplette Gegenentwurf, mit Begleitung durch die Schwangerschaft über die Geburt bis zur Nachsorge - eine „gemeinsame Reise“, wie Jäger es ausdrückt, mit „engmaschiger Begleitung“. „Der ganzheitliche Gedanke steht im Vordergrund“, so Luhmer. Befürchtungen, Gebären im Geburtshaus sei nicht sicher, tritt sie entgegen. Es gebe strenge Auflagen und Kontrollen, bei der kontinuierlichen Zulassung. Ausschlusskriterien, bei denen eine außerklinische Geburt sowieso nicht infrage komme, seien gesetzt.

Und schließlich könne eine Gebärende jederzeit in die Klinik gebracht werden, wenn dies unter der Geburt erforderlich wird. Die klinische Geburtshilfe habe nicht nur ihre Berechtigung, sie sei wichtig und richtig. Aber, so Jäger: „Warum soll eine gesunde Frau einer anderen, die unter der Geburt die medizinische Betreuung braucht oder einer Risikogebärenden, den Platz in der Klinik wegnehmen? Wenn Frauen, bei denen keinerlei Komplikationen zu erwarten sind, nicht in die Klinik gehen, ist das doch gut.“