Attraktion in der Fußgängerzone Was steckt eigentlich hinter dem Vogelbrunnen in Bad Honnef?

Bad Honnef · Er steht seit Jahrzehnten in der Fußgängerzone in Bad Honnef, täglich spielen Kinder und Erwachsene mit den beweglichen Figuren: Der Vogelbrunnen. Doch was steckt eigentlich hinter dem außergewöhnlichen Brunnen?

 Insbesondere, wenn es richtig heiß ist in Bad Honnef, so ist der Vogelbrunnen in der Fußgängerzone ein beliebter Anziehungspunkt.

Insbesondere, wenn es richtig heiß ist in Bad Honnef, so ist der Vogelbrunnen in der Fußgängerzone ein beliebter Anziehungspunkt.

Foto: Frank Homann

Als sie den Vogelbrunnen erblicken, erhöhen die fünf Kinder in der Bad Honnefer Fußgängerzone ihre Schrittgeschwindigkeit. Der Spielplatz am Franz-Xaver-Trips-Platz scheint sie nicht zu interessieren – der Brunnen unterhalb des Platzes dafür umso mehr. Vor allem die mit Gelenken versehenen Vögel ziehen die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich. Letztere drehen die Tiere aus Bronze im Kreis, stecken ihre Hände in die Schnäbel und bewegen die Flügel der Tiere auf und ab. Der Vogelbrunnen ist nicht nur für Kinder eine Attraktion. Längst hat er sich als Treffpunkt in der Bad Honnefer Fußgängerzone etabliert. Aber was steckt eigentlich hinter dem Brunnen?

„Der Brunnen stammt vom Aachener Bildhauer Bonifatius Stirnberg“, erklärt Thomas Heinemann, Pressesprecher der Stadt Bad Honnef. Die Lebendigkeit, die beim Spielen mit den Figuren entsteht, wollte Stirnberg in den meisten seiner Kunstwerke zum Ausdruck bringen, teilt er auf Anfrage des GA mit. Denn viele seiner Skulpturen stattete der 89-Jährige mit beweglichen Gelenken aus. Sie „laden zur Interaktion“ ein, schreibt Erwin Klein in seinem Buch über den Künstler. Der Buchtitel „Kunst zum Anfassen“ resümiert, worauf es Stirnberg bei seinen Objekten ankam. „Die beweglichen Figuren sind das Markenzeichen der Brunnen“, berichtet Germaine Stirnberg, die Tochter des Künstlers, im Gespräch mit dem GA.

Bewegliche Figuren ermöglichen verschiedene Perspektiven auf den Brunnen

Stirnberg erklärt, dass er durch die veränderbaren Gelenke und sich drehbaren Vögel, immer neue Perspektiven eröffnen wollte. „Die Vögel sind dann von allen Seiten sichtbar“, so der Künstler. Vier Monate habe er an diesem Brunnen gearbeitet. Über die Jahre seien so etwa 200 Objekte im öffentlichen Raum entstanden – die meisten in Deutschland, einige in den USA, den Niederlanden und in Luxemburg.

Laut Stadtarchiv hatte der Bauausschuss des Rates im September 1978 beschlossen, einen Ideenwettbewerb durchzuführen. Wie aus einem Protokoll einer öffentlichen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses von August 1979 hervorgeht, wurden „geeignete Vorschläge für künstlerische Objekte in der Fußgängerzone“ gesucht. Der Kulturausschuss hat demnach einstimmig empfohlen, den Brunnen von Stirnberg am ehemaligen Denkmalplatz (heute Franz-Xaver-Trips-Platz) zu errichten.

Einheimische Vögel, die im Wasser planschen

So entstand schon bald das bronzene Kunstwerk mit seinen 13 einheimischen Vögeln. Unter anderem ein Reiher, ein Hahn, eine Eule und ein Greifvogel verzieren den Brunnen. Ihre Flügel und Beine sowie meist auch ihr Kopf oder Hals sind beweglich. Das bisschen Regenwasser, das sich im Winter in dem Becken sammelt, ist zugefroren. Wenn der Brunnen jedoch im Sommer in Betrieb genommen wird, scheinen die Vögel im Wasser zu planschen oder aus dem Becken zu trinken.

Stirnberg selbst sagte einst im Interview mit der Aachener Zeitung anlässlich seines 80. Geburtstags: „Ich finde es toll, wenn die Bronze richtig blank ist von den vielen zupackenden Händen. Meine Kunst ist Kunst zum Anfassen.“ Er freue sich, dass die Menschen die Figuren berühren und nicht wie gewöhnlich vor der „hehren Kunst“ in Ehrfurcht erstarren.

Tochter glaubt, dass Bonifatius Stirnberg stolz auf seinen Vogelbrunnen ist

Diese Nähe zur Kunst hat auch Tochter Germaine erlebt. Die Kunstobjekte hätten teilweise bei der Familie im Garten gestanden: „Für mich war das ganz normal, ich bin schließlich damit aufgewachsen“, sagt sie. Was wohl ihr Vater dazu sagt, dass die Menschen in Bad Honnef heute noch an seinem Brunnen werkeln? „Ich denke, dass ihn das schon stolz macht“, sagt Tochter Stirnberg und fügt mit einem Lachen hinzu: „Aber das würde er niemals zugeben.“ Doch tatsächlich gibt Bonifatius Stirnberg zu: „Es macht mich zufrieden und ein bisschen stolz.“