Historisches Erbe Bad Honnef Wie sich zwei Bad Honnefer für ein Stadtarchiv einsetzen

Bad Honnef · Geschichte bewahren und zugleich erlebbar machen: Für Renate Mahnke und Willi Birenfeld war und ist dies ein großes Anliegen. Ihr Engagement gehört auch dem Verein Gutenberghaus Bad Honnef. Wie das vorankommt und um eine Ehrung ging es jetzt bei einer Staffelübergabe der besonderen Art.

 Heimat der Historie: Willi Birenfeld (r.) und Eckhard Krüger sichten in den Räumen in der ehemaligen Konrad-Adenauer-Schule Archivalien.

Heimat der Historie: Willi Birenfeld (r.) und Eckhard Krüger sichten in den Räumen in der ehemaligen Konrad-Adenauer-Schule Archivalien.

Foto: Frank Homann

Normale Geburtstagswünsche? Nicht mit Willi Birenfeld. Als der Bad Honnefer im Juni 2022 seinen 90. Geburtstag feierte, da formulierte er vielmehr dies als Herzenswunsch: Ein Stadtarchiv in Bad Honnef, das diesen Namen wirklich verdient. Und damit ein Fundus, der vor allem auch der Jugend offen steht - auf dass sie Geschichte als so spannend und bereichernd erfahren kann, wie er selbst es immer getan hat. Zuletzt als Vorsitzender des Vereins Gutenberghaus. Birenfeld sowie Renate Mahnke, die den Verein 2013 mit großem privaten Engagement gegründet hatte, wurden jetzt zu dessen Ehrenvorsitzenden ernannt.

Zustiftungen erweiterten den Bestand

Geschichte als Steckenpferd: Diese Umschreibung trifft sowohl auf Birenfeld als auch auf Mahnke zu. Birenfelds profunde Kenntnis hat Bad Honnef unter anderem viel beachtete Veröffentlichungen über den Heimatdichter Franzjosef Schneider, „Et Freudeblömsche“, beschert. In den vergangenen fünf Jahren stand er dem Verein Gutenberghaus vor. Birenfeld verbrachte die ersten Lebensjahre im Westerwald und in Koblenz sowie ab 1940 in Bad Honnef, später machte er am Sibi Abitur und kehrte nach dem Studium dorthin als Lehrer zurück.

 Der neue Erste Vorsitzende des Vereins Gutenberghaus Joachim Arntz (v.r.) mit Ursula Birenfeld sowie den neuen Ehrenvorsitzenden Willi Birenfeld und Renate Mahnke.

Der neue Erste Vorsitzende des Vereins Gutenberghaus Joachim Arntz (v.r.) mit Ursula Birenfeld sowie den neuen Ehrenvorsitzenden Willi Birenfeld und Renate Mahnke.

Foto: Verein Gutenberghaus

Dem Ziel, Räume für die Bewahrung und Nutzbarmachung historischer Zeugnisse zu schaffen, kam der Verein in der Ägide des Bundesverdienstkreuzträgers ein gutes Stück näher: Nachdem der Verein vor Jahren zunächst heimatlos geworden war, konnte er mittlerweile in die ehemalige Konrad-Adenauer-Schule einziehen und kommt dort Stück für Stück dem Wunsch nach, Archivalien nicht nur sachgerecht zu bewahren, sondern sie zugänglich zu machen. Neben der durch Zustiftungen nicht nur großen, sondern an Materialien reichen Sammlung des Vereins soll zudem das Stadtarchiv einziehen.

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, weiß nicht, wo er steht und wo es hingeht in der Zukunft.“ Diesen Wahlspruch Birenfelds vermag auch Mahnke zu unterschreiben. Kunsthistorikerin Mahnke, die Geschichte unter anderem schon in unzähligen Führungen erlebbar gemacht hat, war es, die vor gut zehn Jahren den Verein Gutenberghaus gründete und zunächst im Privathaus selbigen Namens an der Hauptstraße mit Leben füllte. Als hätten die Bad Honnefer nur auf so eine Gelegenheit gewartet: Immer mehr Zustiftungen erreichten den jungen Verein, darunter unter anderem das Archiv des 2017 verstorbenen Fotografen Günter Groote aus mehr als 50 Jahren Pressefotografie für den General-Anzeiger und die Honnefer Volkszeitung.

Als Erfolg des Vereins zu verbuchen ist in diesem Zusammenhang unter anderem die Zusammenarbeit mit dem Kreisarchiv des Rhein-Sieg-Kreises: Da der Groote-Fundus für den Verein alleine einfach nicht zu bewältigen gewesen wäre, übernimmt das Kreisarchiv die Digitalisierung und Katalogisierung. Der Verein behält dabei Eigentumsrecht und Urheberrechte; die Fotos fließen auch in dessen digitalen Fundus ein.

Vorbereitet auf das digitale Zeitalter

An Birenfeld war es denn auch bei seiner letzten Mitgliederversammlung als Vorsitzender, erneut die gute Zusammenarbeit mit dem Kreisarchiv hervorzuheben, bei der immerhin mehr als 80.000 Bilder aus dem Groote-Nachlass digital erfasst und so für die Nachwelt erhalten werden. Und, so Birenfeld, der den Vorsitz jetzt mit demnächst 92 Jahren aus Altersgründen abgab: Der Verein hat Zuwachs durch zehn neue Mitglieder. Mit der Hilfe durch Spenden der Bürgerstiftung und der Bad-Honnef-Stiftung der Kreissparkasse Köln habe der Verein zudem „technisch aufgerüstet“ werden können, um die zahlreichen weiteren Archivalien digital zu erfassen.

Der Verein kann trotz der Zäsur zugleich auf Kontinuität bauen: Der bisherige Vize-Vorsitzende Joachim Arntz wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt. Neuer Vize ist Andreas Bartsch, weiterhin im Vorstand sind Manuela Stenzel als Kassenführerin und Hans-Eckhard Krüger als Schriftführer. Und, so viel ist sicher: Birenfeld und Mahnke bleiben dem Verein erhalten - und ihrem gemeinsamen Steckenpferd, der Historie.