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Bronzetafel erinnert an die Ofer der Lazarettseuche in Unkel

Gedenktafel enthüllt : Bronzetafel erinnert an Lazarettseuche in Unkel

Historische Plakette des Geschichtsvereins Unkel gedenkt der Opfer vor mehr als 220 Jahren. Die Bronzetafel ist an der Rathaustreppe in Unkel angebracht.

„1793 starben in Unkel an Typhus/Cholera 40 Unkeler sowie über 100 kaiserlich-österreichische Soldaten, die hier vor dem Stadttor begraben waren.“ So lautet der Text auf der Bronzetafel, die auf einem großen Findlingswürfel links neben der Rathaustreppe in Unkel angebracht ist. Enthüllt wurde die Gedenktafel in Erinnerung an das sogenannte „Lazarettfieber in Unkel“ von dem Vorsitzenden des Geschichtsvereins Piet Bovy, dem Ideengeber Werner Mayer, Stadtarchivar Winfried Meitzner sowie von Stadtchef Gerhard Hausen und dem Beigeordneten Markus Winkelbach.

Zu Beginn des Jahres 1855 waren Arbeiter beim Ausschachten für die neue Unkeler Schule auf dem zugeschütteten, ehemaligen Stadtgraben auf menschliche Skelettreste gestoßen. „Es stellte sich heraus, dass es sich um ein Massengrab handelte“, so Meitzner. „Und man erinnerte sich, dass im Winter 1792/93 viele kaiserlich-habsburgische Soldaten gestorben waren, die aus Platzmangel nicht auf dem Kirchhof bestattet werden konnten.“ Die Toten gehörten zu der Koalitionsarmee des österreichischen Kaisers und des preußischen Königs, die 1792 in Frankreich einmarschiert war, um die Freilassung und Wiedereinsetzung von Ludwig XVI. durchzusetzen.

Einfache Soldaten haben besonders schwer gelitten

Nach ersten erfolgreichen Scharmützeln mit den Revolutionstruppen kam es am 20. September 1792 zur sogenannten „Kanonade von Valmy“. Karl August von Sachsen-Weimar erlebte den Feldzug als prominenter Augenzeuge. 30 Jahre später schrieb er in seinem autobiografischen Bericht „Kampagne in Frankreich“, er habe am Abend nach der Kanonade im Kreis einiger Offiziere erklärt: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.“

Ganz und gar nicht so erhaben-poetisch war die Situation der einfachen Soldaten. Aufgrund von Nachschubproblemen infolge Dauerregens und wegen einer massenhaften Ruhr-Erkrankung, von der vor allem die preußischen Truppen betroffen waren, musste das Heer des Herzogs von Braunschweig Frankreich räumen. „Viele Soldaten hungerten und erkrankten, Verwundete starben zu Hunderten, bis sich die Koalitionsarmee an den Rhein zurückgezogen hatte“, erinnerte Meitzner. Längs des rechtsrheinischen Ufers habe man für sie in aller Eile Notlazarette eingerichtet, so in Unkel im Eschenbrender Hof, heute Hotel Schulz, im Fronhof und im Wittgensteinschen Hof, dem heutigen Pax-Heim sowie im Herresdorfer Hof, heute Burg Unkel. Weitere Lazarette gab es etwa in Rheinbreitbach und Bad Honnef. „In körperlich und seelisch schlechtem Zustand sind kurz vor Weihnachten 1792 die ersten kaiserlichen Soldaten hier bei uns eingetroffen und schon kurz darauf brach das hoch ansteckende Fleckenfieber aus“, berichtete der Stadtarchivar.

Unkel hatte mehrere Besatzer

Äußerliches Zeichen der bakteriellen Infektion, die durch Läuse, Zecken, Flöhe oder Milben übertragen wird, ist ein rotfleckiger Hautausschlag. Gravierender waren die Folgeerkrankungen, Entzündungen der Lunge, der Hirnhaut und des Herzmuskels, gegen die man damals machtlos war, sodass die Erkrankten starben.

Während der sogenannten Koalitionskriege wechselte mehrfach die Besetzung Unkels durch französische und kaiserliche Truppen, sodass die Bevölkerung beim Frieden von Campo Formio am 17. Oktober 1797 stark dezimiert und nicht nur völlig verarmt, sondern auch hoch verschuldet war. Die Stadt konnte die Kontributionskosten nicht zahlen, es drohte ihr die Zwangseintreibung. „Dieser ist Unkel nur dank der Hilfe von Franz Vogts entgangen, der der Stadt die Summe lieh“, so der Stadtarchivar.