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Buch thematisiert Verhältnis von Konrad Adenauer zum Judentum

Veröffentlichung von Hans Peter Mensing : Buch thematisiert Konrad Adenauers Verhältnis zum Judentum

Zum Geburtstag des Bundeskanzlers veröffentlicht Hans Peter Mensing ein neues Buch. Unter dem Titel „...ich werde Eure Synagogen wieder aufbauen...“ geht er Adenauers Einsatz für das Judentum nach.

Auf der Titelseite ist Konrad Adenauer bei seiner Rede anlässlich der Wiedereinweihung der Kölner Synagoge an der Roonstraße am 20. September 1959 zu sehen. Die Rückseite schmückt ein Foto vom 60. Jahrestag dieses Ereignisses. Die Rede ist von dem Buch, das Hans Peter Mensing unter dem Titel „… ich werde Eure Synagogen wieder aufbauen – Konrad Adenauer – das Judentum und Israel“ kürzlich herausbrachte. Mensing war zwischen 1980 und 2007 der Leiter des Editionsbereiches der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus.

Am Sonntag jährt sich Adenauers Geburtstag zum 144. Mal. Er wurde am 5. Januar 1876 in eine römisch-katholisch geprägte Familie in Köln hineingeboren. Mensing hat eine immense Zahl von Quellen herbeigezogen, um das Verhältnis des ersten Bundeskanzlers zum Judentum zu verdeutlichen. Und das geht bis in die Jugend zurück. So ist neben den vielen „staatstragenden“ Aspekten wie etwa der legendären ersten Begegnung zwischen dem israelischen Premierminister David Ben Gurion und Adenauer am 14. März 1960 im Hotel Waldorf Astoria in New York auch eine autobiografische Reminiszenz, die bisher in der Adenauer-Literatur nur am Rande registriert wurde, enthalten.

Als Adenauer nämlich kurz vor seiner Israelreise 1966 von dem Korrespondenten der Tageszeitung „Yedioth Ahronoth“ interviewt wurde, überraschte er den Journalisten mit einigen Sätzen Hebräisch. Auf die Frage, woher er die Sprache denn könne, antwortete Adenauer: „Wissen Sie, das habe ich noch von meiner Jugend her. Wir lebten nämlich in einfachen Verhältnissen. Und da wurde auf dem Gymnasium, in das ich ging, in den höheren Klassen auch Hebräisch gelehrt. Das kostete nichts. Und mein Vater sagte immer. Was nichts kostet, das muss man mitnehmen.“

Mensing fand heraus: „Der Wahrnehmung Adenauers, seinen Erfahrungen und seinen Erinnerungen entspricht, oft in ähnlichen Miniaturen, die jüdische Sicht.“ So wandten sich ehemalige Kölner Juden am 6. Mai 1966 im Hilton Hotel in Tel Aviv an Adenauer. „Die Jahre Ihrer Kölner Tätigkeit sind uns in sehr guter Erinnerung geblieben, während der Sie als Oberbürgermeister dieser Stadt für die Belange der jüdischen Mitbürger stets großes Verständnis gezeigt haben.“

Weiter geht Mensing auf Adenauers Unterstützung des deutschen Komitees Pro Palästina ein, dessen Gründungsversammlung in den Zwanziger Jahren in Köln stattfand. Und er zitiert etwa Gauleiter Robert Ley, der 1928 in Köln gesagt hatte: „Dass unser ,Ober‘ ein großer Judenfreund ist, weiß jedermann.“ Der Autor schildert Adenauers Aktivitäten nach dem Krieg: das Rückholen von aus Köln stammenden KZ-Häftlingen mit Autobussen, die Bitte an emigrierte Persönlichkeiten, nach Köln zurückzukehren, die Einweihung der kleinen Synagoge in Ehrenfeldt bereits im April 1949 und die Wiedererrichtung der Synagoge an der Roonstraße zehn Jahre später.

Die Erinnerungen Helmut Goldschmidts, des Baumeisters ebenjener Synagoge, sind gleichermaßen Inhalt der Schrift. Er berichtet, dass es für das Trümmergrundstück noch andere Bewerber gegeben hatte: „Adenauer hat gesagt, auf keinen Fall wird so ein Grundstück verkauft. Ich dachte, ich reiße alles ab und baue ein modernes Gemeindezentrum. Und da hat Adenauer angerufen und gesagt: Nein, das wird wieder so aufgebaut, wie es war, das gehört zum Kölner Stadtbild.“ Auf Goldschmidts Nachfrage, wer das alles bezahlen solle, antwortete Adenauer: „Das lassen Sie mal meine Sorge sein.“ Den Schluss des Heftes bildet die Würdigung durch David Ben Gurion in der „Jerusalem Post“ 1963: „The Greatness of Adenauer“.

„… ich werde Eure Synagogen wieder aufbauen...“ ist erschienen in Band 10 der Schriftenreihe „Beiträge zur rheinisch-jüdischen Geschichte“, Herausgeber: MiQua-Freunde/Fördergesellschaft LVR-Jüdisches Museum Köln, Hans Peter Mensing, 48 Seiten