Gesamtschule in Bad Honnef Chancen für Sankt Josef steigen

BAD HONNEF · Die Zeichen verdichten sich, dass Bad Honnef eine Gesamtschule in Trägerschaft des Erzbistums Köln bekommen wird. In der Sitzung des Schulausschusses schlägt die Verwaltung vor, "das Angebot des Erzbistums vorrangig weiter zu verfolgen".

Auch in der Kommunalpolitik zeichnet sich dafür eine Mehrheit ab. Der Schulausschuss tagt am Dienstag, 2. Dezember. Die endgültige Entscheidung soll dann am Donnerstag, 11. Dezember, im Stadtrat getroffen werden.

Wie berichtet, liegen der Stadt zwei Angebote freier Träger auf Errichtung einer Gesamtschule vor. Das Erzbistum plant eine solche am Standort der Realschule Sankt Josef samt Um- und Neubau für 22 Millionen Euro inklusive neuer Turnhalle. Das Modell der Schloss Hagerhof GmbH sieht vor, die Räume der auslaufenden Konrad-Adenauer-Schule (KASch) zu nutzen.

Letztere müsste im Fall eines Neubaus an Sankt Josef als Ausweichquartier dienen. Der Schulentwicklungsplaner, so die Vorlage, hält dies für möglich; lediglich "bei den Fachräumen und dem Ganztagsangebot sind Ergänzungen durch Container nötig".

Die Verwaltung hat die Modelle gegenüber gestellt. Während das Erzbistum Sekundarstufe eins und zwei anbieten will, also auch eine eigene Oberstufe, sieht der Hagerhof ein Angebot nur für die Klassen fünf bis zehn vor. Nach der Klasse zehn stünde ein Wechsel etwa auf eines der Honnefer Gymnasien an. Gemeinsam ist den Angeboten, dass die Schulen offen wären für Kinder mit Haupt-, Realschul- und Gymnasialempfehlung; auch wären beide Ganztagsschulen, so die Verwaltung.

Während das Hagerhof-Angebot bekenntnisfrei wäre, träfe dies bei Sankt Josef nicht zu. Aber, so die Verwaltung: "Die derzeitige Quote für die Aufnahme von katholischen Kindern wird dauerhaft für einen Zug ausgesetzt", das sei eine Öffnung des Angebotes für alle Kinder. Zugleich sei der Besuch des Religionsunterrichtes - katholisch oder evangelisch - verpflichtend. Ethik-Unterricht ist nicht vorgesehen.

Das Angebot des Erzbistums würde die Stadt nichts kosten. Beim Hagerhof sei an Refinanzierung städtischer Zuschüsse über Miete für das Kasch-Gebäude gedacht; für Investitionen in das Gebäude müsste noch eine Klärung mit der Kommunalaufsicht erfolgen, da diese freiwillige Leistungen der Kommune wären. Die Verwaltung geht nach Erhebungen für die gescheiterte Dependance der Gesamtschule Oberpleis davon aus, dass gut 500 000 Euro investiert werden müssten.

Beide Angebote wären für die Eltern kostenfrei. Würden Schüler nach Klasse zehn zum Hagerhof als eine von möglichen Oberstufen im Umfeld wechseln, würde das 150 Euro pro Monat kosten, so die Verwaltung. Was die Mitwirkung der Stadt angeht, sähe der Hagerhof einen Sitz in der Schulkonferenz vor, das Erzbistum nicht. Fazit: Die Verwaltung empfiehlt, das Angebot des Erzbistums "grundsätzlich anzunehmen vorbehaltlich des Abschlusses eines Kooperationsvertrages, der insbesondere die partnerschaftliche Zusammenarbeit als auch die Eckpunkte festsetzt".

Ferner solle mit Königswinter weiter über eine Kooperation der auslaufenden Hauptschulen Oberpleis und Honnef gesprochen werden - auch hier steht die KASch als Quartier in Rede. Laut Schulentwicklungsplaner wäre eine Verbindung aus auslaufender Haupt-, auslaufender Real- und beginnender Gesamtschule an einem Ort aber möglich.

Das sagen die Parteien

Schon vor dem Abschluss aller fraktionsinternen Beratungen sieht es nach einer Mehrheit aus im 42-köpfigen Stadtrat für das Angebot des Erzbistums Köln zur Errichtung einer Gesamtschule in kirchlicher Trägerschaft.

Nach der CDU, die mit 15 Mandatsträgern im Rat vertreten ist, hat nun auch der Bürgerblock (sechs Sitze) mitgeteilt: "Wir sehen einen deutlichen Mehrwert im Angebot des Erzbistums." Laut Fraktionschef Karl-Heinz Dißmann war das Votum der Fraktion einstimmig. Auch für die FWG (zwei Sitze) überwiegen die Vorteile im Angebot des Erzbistums. Nach sachlichen Erwägungen "spricht alles dafür", sagte Fraktionschef Manfred Rauw.

Auch bei der FDP (drei Sitze) stehen die Zeichen auf ein Ja für den Vorschlag der Verwaltung, fortan vorrangig das Angebot des Bistums zu verfolgen. "Wir unterstützen das", so Fraktionschef Rainer Quink. Aus seiner Sicht spräche vor allem das pädagogische Konzept dafür; Bedingung müsse aber sein, dass vorrangig Honnefer Kinder einen Platz bekommen.

Ihre Willensbildung noch nicht abgeschlossen haben SPD (zehn Sitze) und Grüne (sechs Sitze). Laut Grünen-Fraktionssprecherin Gabi Clooth-Hoffmeister steht vor dem Ausschuss eine weitere Beratung zum Thema an. SPD-Fraktionschef Guido Leiwig sagte, man sei "noch nicht festgelegt" und wolle erst alle Faktensammlungen abwarten .

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