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Das Honnefer Hallenbad steht vor dem endgültigen Aus

Das Honnefer Hallenbad steht vor dem endgültigen Aus

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft kann kein tragfähiges Betreiberkonzept vorlegen

Bad Honnef. Die Chancen, das Bad Honnefer Hallenbad doch noch zu erhalten, sind äußerst gering. Das bestätigte der Geschäftsführer der DLRG, Tobias Karsten, auf der Ortsgruppentagung des Vereins. Die Rettungsschwimmer haben es sich gemeinsam mit der Schwimmsportgemeinschaft Siebengebirge (SSGS) zur Aufgabe gemacht, ein tragfähiges Betreiberkonzept für das marode Bad zu erarbeiten, nachdem der Stadtrat bereits beschlossen hatte, den hoch defizitären Betrieb gänzlich einzustellen.

Bis Mai wird der DLRG die Chance eingeräumt, Rettungsvorschläge für das Hallenbad vorzulegen. Doch schon jetzt ist klar: Ohne einen städtischen Zuschuss kann das Bad keinesfalls weitergeführt werden. Und die Zahlung eines solchen Zuschusses hat der Stadtrat kategorisch ausgeschlossen. Damit dürfte das Ende des an der Rheinpromenade gelegenen Bades endgültig besiegelt sein.

Karsten sieht trotzdem noch eine minimale Chance, indem ein Betreibermodell unter Einbeziehung des Freibadbetriebes greifen soll. Allerdings: Das von der Bäder GmbH betriebene Freibad steht selbst auf tönernen Füßen, die Gesellschaft steht nur Millimeter vor dem finanziellen Abgrund. "Es war das bisher schwierigste Jahr, das ich als Vorsitzender der DLRG jemals erlebt habe", meinte Vereinschef Klaus-Peter Baum.

Die Hallenbadschließung sei ein schwerer Schlag für die DLRG gewesen. Immerhin habe man die Haupttrainingsstätte verloren. "Bad Honnef hat sich vom ganzjährigen Schwimmbetrieb, der so wichtig für die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen aber auch für die Gesundheit von Senioren ist, verabschiedet", bedauerte Baum.

Diesen Verlust wollte die DLRG-Ortsgruppe nicht ohne Weiteres hinnehmen und wehrte sich deshalb gegen den "kurzsichtigen Beschluss" des Stadtrates.

Ein von der DLRG und SSGS initiiertes Bürgerbegehren, das von 3 500 Bürgern unterzeichnet worden war, habe den Rat der Stadt dazu bewogen, die Entscheidung über die endgültige Schließung und den Verkauf des Bades zunächst auszusetzen und den Initiatoren des Begehrens Zeit für die Entwicklung eines Betreiberkonzeptes zu geben ( der GA berichtete). Jetzt läge die Verantwortung für einen Weiterbetrieb das Bad bei der DLRG und SSGS und diese Verantwortung laste schwer, sagte Baum.

Nur dank der unbürokratischen Hilfe der Verbandsgemeinde Unkel habe man den Schwimm- und Ausbildungsbetrieb aufrecht erhalten können. Im dortigen Hallenbad hatte man spontan zusätzliche Zeiten für die DLRG bereit gestellt. Die Mitgliederzahl (377) der Ortsgruppe blieb trotz der Schließung des Honnefer Hallenbades stabil. Der befürchtete Mitgliederverlust durch die Schließung sei ausgeblieben, da in Unkel ein reduziertes aber dennoch umfangreiches Trainingsangebot realisiert werden könne.

Besonders auffällig sei die relativ hohe Mitgliederfluktuation im Jahr 2003. Geschäftsführer Karsten berichtete über ungewöhnlich viele Austritte, die einer noch höheren Zahl an Neuanmeldungen gegenüber stünden.

Die ausgetretenen Mitglieder kämen vorwiegend aus Bad Honnef, die Eintritte seien überwiegend aus Unkel, Bruchhausen und Erpel zu vermelden. Die Vermutung habe sich bestätigt, das sich das Mitgliederspektrum verlagern und die Region Unkel von dem intensivierten Angebot profitieren werde.

Eine Projektgruppe arbeite intensiv an einem Betreiberkonzept, das den Betrieb des Bades durch einen Förderverein vorsehe, erläuterte Tobias Karsten auf der Ortsgruppentagung.

Das bisherige Konzept: Durch eine ehrenamtliche Betriebsführung des Bades könne man so Personalkosten sparen und den Betrieb durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziell unterstützen. Durch weitere Betriebskosteneinsparungen und einer verbesserten Auslastung des Bades sollten die Gesamtkosten für den Badbetrieb minimiert und die Einnahmen erheblich gesteigert werden.

Die Arbeitsgruppe nahm, gemeinsam mit engagierten Bad Honnefer Handwerksunternehmen, eine technische Bestandsaufnahme des Bades vor, schätzte die notwendigen Renovierungskosten ab und erarbeitete einen Vorschlag zur Optimierung der Badauslastung.

In einer "Arbeitskreissitzung Bäder" wurde dem Aufsichtsrat der Bäder GmbH sowie der Verwaltung und Vertretern aller politischer Parteien in der Stadtratsfraktion die bis dahin erarbeitete Strategie vorgestellt.

Tobias Karsten stellte dort klar, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen der Projektgruppe tatsächlich zu einem verbesserten Betriebsergebnis führen werde, allerdings sei ein Betrieb ohne städtischen Zuschuss definitiv nicht realisierbar. Honnefs Kommunalpolitiker hätten in dieser Sitzung jedoch erneut unterstrichen, dass ein städtischer Zuschuss für das Hallenbad ausgeschlossen sei.

"Im Verlauf der Sitzung wurde die Idee aufgeworfen, ein Betreibermodell unter Einbezug des Freibades durchzurechnen. Durch die Ausnutzung von Synergien könne man so den Betrieb beider Bäder ohne einen zusätzlichen Zuschuss erreichen", berichtete Karsten. "Noch im März werden wir uns hierzu treffen und gemeinsam versuchen, ein Modell durchzurechnen und vielleicht detailliert zu entwickeln", so Karsten.

Er machte deutlich, dass dies "die vorerst letzte Chance sei, das Hallenbad in der jetzigen Form zu erhalten". Das Problem der technischen Sanierung des Bades wäre damit zwar noch nicht gelöst, allerdings zeigt sich Tobias Karsten zuversichtlich, hierfür einen Ausweg zu finden, sobald die Weiterführung des Badbetriebes kalkulatorisch gesichert sei.

Das Team werde aber weiterhin Lösungsmöglichkeiten suchen, auch wenn viele Stimmen die Bemühungen schon jetzt als gescheitert ansähen. Karsten: "Jede Bemühung um den Erhalt des ganzjährigen Schwimmens in Bad Honnef kann nur nützlich für die ehemalige Kurstadt sein, Schaden kann man dabei keinen anrichten."